Kinofest Lünen startet mit Katja Riemann und Olli Dittrich

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Katja Riemann und Olli Dittrich in dem Kinofilm „Die Relativitätstheorie der Liebe“. ▪

Von Achim Lettmann ▪ LÜNEN–Gerne hätte Katja Riemann ein paar Worte an das Lüner Premierenpublikum gerichtet. Aber Festivalleiter Michael Wiedemann gab sein Mikro nicht weiter.

Dabei hatte er zumindestens mit Olli Dittrich gesprochen und erfahren, dass der Komiker den Eröffnungsfilm des 21. Kinofest Lünen bereits in Berlin gesehen hatte. Im ehrwürdigen Delphi Palast im Westen war die Komödie „Die Relativitätstheorie der Liebe“ von Otto Alexander Jahrreiss extra für die beiden Hauptdarsteller projiziert worden. Katja Riemann habe 20 Reihen vor ihm gesessen, sagt Dittrich, ohne lustig zu werden. In dem Multiplexkino der Lippestadt fragte Riemann dann ungefragt, ob in Lünen denn die Lünesen wohnen... und war sichtlich amüsiert. Vielleicht wollten die Offiziellen mehr Bonmots von Frau Riemann im Kino 5 verhindern. Sie wirkte ein bisschen albern.

Die Komödie mit Riemann und Dittrich bekam in der Cineworld viel Applaus. Beide schlüpfen in jeweils fünf Rollen und verkörpern Liebespaare und solche, die es noch werden wollen. Regisseur Jahrreiss setzt ganz auf die Wandlungskunst seiner Hauptdarsteller. Riemann ist als taffe Venezolanerin mit hartem Akzent eine Schau. Ihr Temperament ist der Unsicherheitsfaktor im Leben ihres Mannes, den Olli Dittrich als muffigen Fahrlehrer mit einem Hang zum Eifersuchtsdrama anlegt. Seine wuchtige Nase ist ein Meisterwerk der Maske, und jede Szene lebt von der Frage, ob nicht ein bisschen Dittrich mehr zu erkennen ist. Und ist das wirklich noch Katja Riemann, die als Berliner Beamtin arabische Imbissbuden auf ihre Hygienestandards untersucht? Es darf gestaunt werden. Die Kameraarbeit von Hannes Hubach nimmt die beiden frontal und in Großaufnahme wie exotische Tiere auf. Und weil die Dramaturgie in „Die Relativitätstheorie der Liebe“ immer aufs Skurrile, immer aufs Abstruse abzielt, wundern die Figuren bei ihren Liebesbemühungen auch immer mehr. Willkommen im Menschenzoo! Ablachen ist angesagt, aber nicht selbstverständlich. Denn Regisseur Jahrreiss verbindet die tragikomischen Zeitgenossen mit realen Problemen: Ist der Werbemanager auch ein guter Papa? Weshalb lässt er seine Frau, die Yogatussi, fallen und fährt mit ihrer Schwester, der Galerie-Schnepfe, ins Wochenende? Sein Sohn ist irritiert.

Aber wer versteht schon die Liebe, ist die Aussage des Films. Und nicht die „Relativitätstheorie“, die meint, dass Liebe nur entsteht, wenn man zur rechten Zeit am selben Ort ist, um die einzige oder den einzigen zu treffen. So bleibt die Kernfrage nach Liebe letztlich banal und die Figuren hilflos, in einer Geschichte, die krampfhaft konstruiert wird und auf Episodenfilm macht. Die Pop- und Liebessongs ironisieren die Short Storys in „Die Relativitätstheorie der Liebe“ und oft sind Szenen wie ein Comedy-Sketch musikalisch animiert. Am Ende bleibt das schauspielerische Vermögen vor allem von Katja Riemann in Erinnerung. Ab 13. Januar startet der Film in den Kinos.

Rund 1000 Kinobesucher feierten den Auftakt zum 21. Kinofest Lünen. Vor allem durch die Unterstützung des Vereins ProLünen ist das Filmfest eine feste Größe im Kulturkalender NRW. 65 Firmen bringen mehrere hunderttausend Euro auf, sagt Hubert Tenberge, Vorsitzender der ProLünen: „Das Kinofest ist unserem Verein sehr, sehr wichtig.“ Unterstützt wird Lünen auch von der NRW Filmstiftung. Petra Müller, Geschäftsführerin der Filmstiftung, hatte ihre Einladung zum Karneval und zur Bambi-Preisverleihung ausgeschlagen und war nach Lünen gekommen.

Bis Sonntag werden zehn Filme um die Lüdia antreten und weitere Filmreihen in der Cineworld gezeigt. Pressesprecherin Stefanie Görtz verspricht, dass zu fast allen Filmen Schauspieler und Regisseure anwesend sind und nach dem Film über ihre Arbeit sprechen.

Bis 14. November;

http://www.kinofest-luenen.de

Quelle: wa.de

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