25. Kinofest Lünen: Publikumsrekord und Preise

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Irritationen: Mavie Hörbiger und Benno Fürmann in der Komödie „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“. Der Film läuft derzeit bundesweit in den Lichtspielhäusern.

Von Achim Lettmann -  LÜNEN Trubel im Foyer des Cineworld Kinos in Lünen: „Beste Freunde“ war gerade zu sehen, und Schauspielerin Katharina Wackernagel und Regisseur Jonas Grosch stehen vor dem Kino 3 und verkaufen DVDs. „Die letzte Lüge“ (2011) wird angeboten, Groschs Film, der auch auf dem Kinofest Lünen gelaufen ist. „Man muss sich heutezutage selbst um den Vertrieb seines Films kümmern“, sagt Grosch, der wieder mit seiner Schwester Katharina gedreht hat und die Nähe zum Publikum in Lünen sichtbar genießt.

Beide schreiben Autogramme. „Beste Freunde“, ein Film über die Unsicherheit der 30-Jährigen hierzulande, wird im Februar im Düsseldorfer Metropol zu sehen sein. Grosch sucht weitere Kinos.

Angesichts von 15 Filmen, die letzte Woche bundesweit in den Lichtspielhäusern gestartet sind, werden die Leinwände für kleine Produktionen knapp. Das gilt sogar für Komödien, die mit deutschen Stars wie Benno Fürmann und Mavie Hörbiger besetzt sind. „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ ist so ein Film, der bereits deutschlandweit läuft, aber doch nicht überall zu sehen ist, wie Regisseur Florian Mischa Böder in Lünen erklärt. Böder hatte mit seiner Idee, die Talfahrt eines Killers zu bebildern („mal alle Überhöhungen rauslassen“), schnell Mitstreiter gefunden. Das Kleine Fernsehspiel des ZDF und die Filmproduktion Hupe entwickelten den Stoff mit. Benno Fürmann gibt den verpeilten Killer, der schon acht Jahre auf seinen ersten Auftrag wartet und sich mittlerweile vom Nachbarn im Mietshaus einschüchtern lässt. Außerdem gerät ihm eine blonde Kleinkriminelle ins isolierte Leben. Mavie Hörbiger spielt kess, mit weiblicher Anziehungskraft und kopflosen Aktionen. Schwarzer Humor soll wirken. So unterkühlt wie britische Vorbilder ist „Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss“ leider nicht geraten. Aber Regisseur Böder lässt ein absurdes EU-Killerkommando genussvoll auffliegen.

Im Wettbewerb um den Hauptpreis des Festivals war auch „Los Ángeles“ zu sehen. Damian John Harper gelingt eine hautnahe Spielfilmstudie über Menschen in einem mexikanischen Dorf, die ihr Familienleben mit Geld aus der US-Metropole L. A. sichern wollen. Matteo (17) will sich bereits daheim als Krimineller beweisen, damit er gleich bei den Gangs in Los Angeles akzeptiert ist. Sein Vater war untergetaucht. Geld fehlt im Süden Mexikos. Mit einfachen Filmmitteln und einer intensiven Handkamera zieht Harper eine Ermittlungsspur durchs Dorfgefüge: Verrat unter Männern, Diebstahl in der Kirche, die Hoffnung der Frauen. Der Einfluss der brutalen Gangs ist sichtbar. US-Dollars und die HipHop-Kultur belasten die tradierte Sozialhierarchie im Dorf. Minutiös, intim und bedrückend werden radikale Veränderung einer Gesellschaft benannt. „Los Ángeles“ hat bereits den Preis für den besten Abschlussfilm an deutschen Filmhochschulen gewonnen.

Die Lüdia (10 000 Euro), Lünens Hauptpreis für den besten Filmnachwuchs, geht an den Dokumentarfilm „Der Bauer bleibst Du“. Benedikt Kuby porträtiert einen 82-jährigen Bauern, der nach 40 Jahren seinen 400 Jahre alten Hof einem Nachfolger überlassen will. Ein 22-Jähriger von der Landwirtschaftsschule lernt vom „Altmeister“. Zusammen finden sie einen Weg. Der Preisträgerfilm wird 2015 auf der Berlinale und auf dem Filmfest in Bozen gezeigt.

Das Kinofest Lünen hat seine Publikumszahl im Jubiläumsjahr wieder steigern können. 9000 Filmfans sahen 54 Filme. Die Auslastung ist auf fast 90 Prozent geklettert.

Publikumspreise (Auswahl):

Lüdia (10 000 Euro): „Der Bauer bleibt Du“ von Benedikt Kuby

Rakete (3000 Euro): „Doktor Proktors Pupspulver“ von Arild Fröhlich

Erste Hilfe (1800 Euro): „Die Brunnenfrau“ von Silvia Finkernagel

Jurypreise (Auswahl):

Drehbuchpreis (2500 Euro): „High Performance“ von Johanna Moder

Filmmusikpreis (2500 Euro): Enjott Schneider für „Der Bauer bleibst Du“

Bester Filmtitel (7500 Euro): „Zerrumpelt Herz“ von Timm Kröger

Filmpreis 60+ (2500 Euro): „Der Bauer bleibst Du“ von Benedikt Kuby

Schülerpreis 10+ (2500 Euro): „Jack“ von Edward Berger

Schülerpreis 16+ (2500 Euro): „Liebe mich“ von Philipp Eichholtz

Perle (1800 Euro): „Schönefeld Boulevard“ von Sylke Enders

Quelle: wa.de

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