Das Kinofest Lünen eröffnet mit „Jack“

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Jack (Ivo Pietzcker, links) und sein Bruder (Georg Arms) sind unterwegs. Filmszene aus „Jack“, zu sehen in Lünen.

LÜNEN - Seit zehn Jahren zeigt das Kinofest Lünen immer vier Kinderfilme in seinem Programm. Es ist eine junge Tradition des Festivals, seitdem Michael Wiedemann und Kathrin Bessert die Leitung des Filmfests übernommen haben. Heute startet das Kinofest und feiert 25-jähriges Jubiläum.

Von Achim Lettmann

Bis Sonntag sind über 50 Filme im Multiplexkino Cineworld zu sehen. Und zur Eröffnung gibt es einen Film aus der Kinder-Reihe „Rakete“: „Jack“ von Edward Berger (ab 6 Jahre). Kinder spielen hier die Hauptrolle, aber von seiner Dramaturgie richtet sich „Jack“ eher an Jugendliche und Erwachsene. Der Film war als deutscher Wettbewerbsbeitrag im Februar bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin zu sehen.

Die ergreifende Geschichte zeigt den zehnjährigen Jack beim Versuch, die Aufmerksamkeit seiner Mutter zu gewinnen. Er will mit ihr und mit dem kleinen Bruder eine Familie bilden. Bereits mit der ersten Kameraeinstellung demonstriert Regisseur Berger, wie schutzlos die Jungs sind. Jacks Bruder ist sechs, beide liegen morgens entblößt in einem Doppelbett. Der Wecker klingelt, sie müssen los, und Jack macht Frühstück unter Zeitdruck. Milch aus dem Kühlschrank, Cornflakes auf den Tisch, Brot gibt es nicht. Die halbdokumentarischen Bilder machen schnell klar, dass es vor allem Existenzdruck ist, der den zehnjährigen treibt. Den neuen Freund seiner Mutter wird Jack schnell los. Der Junge wirft die Klamotten des albernen wie schamlosen Typen aus dem Fenster. Wir sind auf Jacks Seite.

Es gibt keine langen Dialoge in dem Film „Jack“. Jens Harants Kamera ist so beweglich wie Jack selbst, der auf jede Krise reagiert. Als seine Mutter wieder einmal die Jungs zurücklässt, und Jack sich um seinen Bruder kümmern muss, rutscht der Kleine ins Badewasser, das Jack zu heiß geraten war. Das Geschrei macht den Missstand öffentlich, und das Jugendamt legt der Mutter nahe, zumindestens Jack ins Internat zu geben. Die Kamera zeigt das Gesicht des Jungen, der ernst wirkt und jede Situation meistern will. Die Sommerferien sind nicht mehr weit. Jack will durchhalten.

Während die Mutter (Luise Heyer) emotional und selbstbezogen reagiert, hat Ivo Pietzcker die coole Ausstrahlung eines Unverwundbaren. Jack weiß, er muss seiner Mutter helfen. Aber er lernt auch, dass von ihr nichts von dem zurückkommt, was Kinder wirklich brauchen.

Regisseur Berger, der mit Nele Mueller-Stöven das Drehbuch geschrieben hat, erzählt aus Jacks Blickwinkel. Im gelingt dennoch eine Distanz, die den Plot versachlicht. Als Jack im Internat von einem ältern Schüler drangsaliert wird, haut er ab. Dass seine Mutter ihn an diesem Wochenende versetzt hat, findet Jack bald heraus, da sie auch ihre Gelegenheitsjobs abgesagt hat. Mit seinem Bruder streift er durch Berlin, weil sie keinen Wohnungsschlüssel haben.

Die Kinder, das vermittelt der Film, sind unerwünscht. Kälte, Ignoranz und Unverständnis schlagen ihnen entgegen. Im Film „Jack“ soll nicht die Mutter stigmatisiert werden. Vielmehr wird die Kraft spürbar, die Jack einsetzt, um anständig, verlässlich und familiär zu sein.

Die Lüdia (10 000 Euro) kann Edward Berger nicht gewinnen, weil „Jack“ kein Wettbewerbsfilm ist. Mit „Gomez – Kopf oder Zahl“ hatte sich Berger aber bereits 1998 in die Siegerliste des Kinofest Lünen eingetragen.

Cineworld Lünen, heute ausverkauft, Freitag, 14.30 Uhr

Quelle: wa.de

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