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Mario Adorf und der Film „Orphea in Love“ werden in der Cineworld Lünen gefeiert

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Von: Achim Lettmann

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Ihre Liebe wird auf eine höllische Probe gestellt. Aber Nele (Mirjam Mesak) und Kolya (Guido Badalamenti) finden sich.
Ihre Liebe wird auf eine höllische Probe gestellt. Aber Nele (Mirjam Mesak) und Kolya (Guido Badalamenti) finden sich. Szene aus dem Eröffnungsfilm des Kinofest Lünen „Orphea in Love“ von Axel Ranisch. © missing films

Beim 32. Kinofest Lünen hat Mario Adorf den Preis für sein Lebenswerk erhalten. Außerdem überzeugte bei der Eröffnungsveranstaltung der Musikfilm „Orphea in Love“ von Axel Ranisch. Das Filmfest geht bis Sonntag.

Lünen – „Ich freue mich, dass ich bei Ihnen bin“, sagte Mario Adorf im Kino 5 der Cineworld Lünen. Der Filmstar ist der erste Preisträger für das Lebenswerk (15 000 Euro), den das Kinofest zu seiner 32. Ausgabe vergeben hat. Filmfestspiele leben von großen Namen. Und mit dem Besuch Adorfs ist das Kinofest an der Lippe in der bundesdeutschen Wahrnehmung weiter gewachsen. Der 92-Jährige war aus Paris angereist. Festivalleiterin Sonja Hofmann hatte den Kontakt hergestellt. Und Adorf bedankte sich für einen „Kunstpreis“. „Kein Bär, kein Löwe, kein Leopard“, sagte Adorf etwas spöttisch, sondern „eine Skulptur“. Der Künstler Andrzej Irzykowski hat die „Nike“-Statue geschaffen, wie auch die „Lüdia“ (15 000 Euro), die am Sonntag zum Ende des Kinofests vergeben wird, ein Publikumspreis. Bis dahin werden 63 Filme in sieben Programmsektionen, Spezial- und Schulvorführungen gezeigt.

Die Kinobetreiber Meinolf Thies und Lutz Nennmann konzentrieren das Festival auf den deutschen Film. Nebenschauplätze wie Lesungen und Ausstellungen sind gestrichen. Erstmals werden auf allen Leinwänden des Multiplexkinos Festivalfilme gezeigt. Mit „Vollgaskino“, so Meinolf Thies, wolle man die Pandemiekrise hinter sich lassen. 3000 Besucher kamen 2021 zum Filmfest, das wegen Corona kleiner ausfiel. Diesmal wollen die Betreiber mehr erreichen. Die Strahlkraft des Festivalevents soll Lünen als Kinostandort stabilisieren – über das ganze Jahr.

Die Eröffnungsfeier war ein gutes Stimmungsbarometer. Dieter Kosslick, ehemaliger Leiter der Internationalen Filmfestspiele Berlin (2001–2019), fühlte sich an alte Zeiten erinnert. Bevor er 1992 die NRW-Filmstiftung leitete, besuchte er bereits das Kinofest Lünen und traf Til Schweiger („Manta, Manta“, 1991). Gebürtig aus Pforzheim lernte Kosslick eine andere Filmszene kennen. „Mit dem Charme des Ruhrpott“, so Kosslick, „Lünen ist ein Familientreffen.“ Und in NRW wurden dann mit Hilfe der Filmstiftung mehr Kinofilme gefördert und produziert. Aus Düsseldorf sagte der Chef der Staatskanzlei und Medienminister Nathanael Liminski (CDU) dem Kinofest weitere Förderungsgelder zu: „Jeder Euro für Lünen ist ein guter Euro.“

Kosslick (74) hielt die Laudatio auf einen europäischen Schauspieler. Mario Adorf hatte in drei Sprachen gedreht und 30 Jahre in Rom gelebt. Als Schurke Santers streckte er Winnetous Schwester in einer Karl-May-Verfilmung nieder. „Das hatte ihm das deutsche Publikum lange nicht verziehen“, sagte Kosslick. Er erinnerte weiter an „Die Blechtrommel“, „Rossini“ und den TV-Vierteiler „Der große Bellheim“, und daran, dass Adorf ein Schauspieler mit „Kraft und Naivität“ ist.

Schauspieler Fabian Busch („liegen lernen“, „Video Kings“) erlebt schon sein 16. Kinofest. Er verewigte sich im „Lüner Walk of Fame“ vor dem Kino. Busch (47) führte lange Jahre die Schülerjury des Festivals, ein Preis, der nicht mehr vergeben wird. Busch war gut aufgelegt. Er hat für den Pay-TV-Sender Sky die zehnteilige Actionserie „Drift“ abgedreht. „Am Set geht es sehr professionell zu“, sagte Busch und grenzte Streaming-Produktionen vom TV-Film ab. Nur musste er neun Monate in München drehen, während seine Familie in Berlin lebt.

München war auch der Drehort für den Eröffnungsfilm des Kinofests. „Orphea in Love“ von Axel Ranisch ist ein klang- und musikreiches Märchen, eine Liebesgeschichte mit Opernarien sowie einem spöttischen Blick auf den Bühnenbetrieb. „Es ist der Soundtrack meines Lebens“, sagte Ranisch in Lünen. Bereits zum fünften Mal ist der Filmemacher auf dem Kinofest. Mit „Reuber“ gewann er 2013 in der Kindersektion „Rakete“. Seit dieser Zeit inszeniert Ranisch (39) auch Opern und Musiktheater. „Die klassische Musik und die Oper waren meine erste Liebe“, sagte Ranisch. Mit „Orphea in Love“ verbindet Ranisch die Dramaturgie der Oper mit der Erzählform des Films und zeigt, dass beides kein Gegensatz sein muss. Nele aus Tallin jobt in einem Callcenter, hat ein WG-Zimmer und hilft im Foyer der Staatsoper an der Garderobe. Als Operndiva Adela (Ursina Lardi) als Madame Butterfly zu husten beginnt, singt Nele (Mirjam Mesak) die Arie weiter und rettet die Aufführung. Regisseur Ranisch steigert den Moment wie ein „A-Star-is-born“-Finale. Fortan werden mit Opernmusik große Gefühle angestimmt, die herrlich verfangen statt elegisch zu verrauschen. Auch kuriose Szenen zählen dazu, wenn Agent Höllbach aus der Wanne steigt und Nele vorsingen lässt. Heiko Pinkowski bietet Leibesfülle und Gesichtspiercing. „Bierchen“ (Armin Rohde) aus dem Film „Kleine Haie“ hat nun einen Konkurrenten. „Orphea in Love“ ist spannend, weil Nele mit einem blutigen Trauma kämpft, das ihr Beziehungen erschwert. Als sie von einem Kleinkriminellen (Guido Badalamenti) angetanzt wird, fühlt sie einen Sog, dem sie folgen muss. Der Tänzer Kolya spricht nicht, aber mit Musik wird hier mehr bewegt als durch Dialoge. Für die Liebe geht Nele einen Pakt mit Höllbach ein, der Kolyas Leben retten soll, wenn sie durch sieben Türen geht – ohne zurückzuschauen. Ab 30. März 2023 im Kino. Unbedingt vormerken!

www.kinofest.de

Tickethotline 03871/2114040 (kostenfrei)

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