Die Keramikerin Young-Jae Lee im Emil-Schumacher-Museum

+
Young-Jae Lees Keramik vor Emil Schumachers Gemälde „Pinatubo“ in Hagen.

Von Alexandra Helms hagen - Zarte Blau- und Grüntöne, erdiges Rot, dunkles Grau und als Anhaltspunkt immer wieder Weiß – ein Feld aus 191 Schalen bedeckt den Boden im zweiten Obergeschoß des Emil-Schumacher-Museums. Die keramischen Gefäße sind Teil der Ausstellung „Young-Jae Lee und Emil Schmumacher“.

Jedes Stück ist ein Unikat und offenbart kunsthandwerkliche Meisterschaft. In ihrer Vielzahl verschmelzen die Schalen mit dem Raum zu einer luftigen Installation und entfalten dabei eine Wirkung, die über den Rand des einzelnen Stücks hinaus geht. Daneben sind vier weitere Objektgruppen aus je drei und fünf Spindelvasen sowie sieben und neun großen Schalen zu sehen.

Die Objekte der koreanischen Töpferin Young-Jae Lee spielen mit dem Ausstellungsraum, ohne ihn zu dominieren. Vielmehr versteht es die Künstlerin mit der feinen Farb- und Formabstimmung ihres Arrangements, Hinweise auf die großformatigen, abstrakten Werke Emil Schumachers zu geben. Wie versteckte Pfade schlängeln sich einzelne Schalen-Kompositionen hin zu Schumacher-Werken wie „Hiob“ oder „Pinatubo“.

Der Plan, die Sehgewohnheiten aufzubrechen, gelingt. Perspektivenwechsel sind von Lee gewünscht. So ergeben sich spannende Ansichten, wenn man die Gefäße nicht nur im Stehen oder Vorbeigehen, sondern beispielsweise in der Hocke ansieht. Zumindest am Rand der zentralen Installation sowie bei den Arrangements der größeren Objekte lohnt sich ein Blick in die Schalen. Die verschmolzenen Schichten aus sieben verschiedenen Tonerden und sieben Glasuren, die die Künstlerin verwendet, eröffnen ein großes gestalterisches Universum. So wirken manche Schalen wie tiefe, grüne Seen, einige haben die Struktur von Eiskristallen, andere erinnern mit ihrem gesprenkelten Muster an quarzhaltige Erde. Allein mit den Glasuren, wie der jadefarbenen Seladon- oder der kristalinen Craquelé-Glasur, hat Lee vier Jahre experimentiert.

Die Künstlerin wurde 1951 in Seoul geboren und studierte zunächst Kunsterziehung, wobei sie erstmals mit der Töpferei in Berührung kam. Nach der Auseinandersetzung mit der traditionellen koreanischen Keramik und ihrem strengen Formenkanon ging Lee nach Deutschland. An der Fachhochschule für Gestaltung in Wiesbaden studierte sie Keramik und Formgestaltung. Seit 1986 leitet Lee die Keramische Werkstatt Margarethenhöhe, die heute auf der Zeche Zollverein beheimatet ist. Ihre keramischen Arbeiten wurden bereits in der Pinokothek der Moderne in München oder der Altana Stiftung Bad Homburg präsentiert.

Ihre Schalen sind für die Lee die perfekte Ausdrucksform, in der sich alles andere erschöpft. „Als Töpferin muss ich nichts Neues zu erfinden, sondern das Bestehende neu definieren“, erklärt sie ihre Intention. Sie wolle eben nur Ton zu Gefäßen drehen und nebenbei die Zentrifugalkraft zähmen, sagt sie lächelnd.

26.5. bis 8.9., di, mi, fr 10–17, do 13–20, sa/so 11–18 Uhr.

Tel. 02331/2 07 31 38, www.esmh.de, Katalog, Verlag Kettler Bönen, 9,90 Euro

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare