Kellys „Osama der Held“ am Grillo-Theater in Essen

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Im weißen Gestänge: Szene aus „Osama der Held“ in Essen mit Sebastian Tessenow und Laura Kiehne. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ ESSEN–Ambitioniert ist der Spielplan des neuen Essener Intendanten Christian Tombeil. Als deutschsprachige Erstaufführung inszeniert Alexander May in der Casa Dennis Kellys „Osama der Held“. Der Londoner Dramatiker schildert darin die Selbstjustiz an einem Außenseiter in einem „Problemviertel“. Ein gegenwärtiger Stoff in einer unbequemen Form.

May hat mit seiner Ausstatterin Kristin Weißenberger die Studiobühne mit einem Metallgestänge verbaut. Daran klettern die fünf Schauspieler herum. Man hat die Anmutung einer Höhle oder einer Baustelle. Hier ist der Mensch unbehaust, nur provisorisch untergebracht. Das Stück ist ein szenisches Triptychon: Am Anfang und am Ende stehen ineinander geschnittene Monologe und Dialoge, in denen die Charaktere entwickelt werden. Im Mittelteil geht es blutig mit einem Hammer zur Sache. Gary (Sebastian Tessenow) ist kein angesagter Typ an der Schule, keiner mag ihn. Verdächtig macht er sich mit einem Aufsatz über „Helden von heute“. Er schreibt über Osama bin Laden und macht sich vollends unbeliebt.

Zumal in dem Viertel gerade die Mülltonnen brennen und Garagen abgefackelt werden. Francis (Stefan Diekmann) und seine Schwester Louise (Bettina Schmidt) verdächtigen Gary. Sie nehmen ihn gefangen und foltern ihn mit Hilfe von Mark (Holger Kunkel), der auf fragwürdige Weise der 16-jährigen Mandy (Laura Kiehne) verfallen ist. Am Ende ist Gary tot. Die Täter leben weiter. Francis erzählt, wie er unversehens einem Fremden hilft. Mark erläutert, wie er Lachs zubereitet für seine aus dem Krankenhaus zurückgekehrte Frau. Nur Louise drücken Gewissensbisse vor Fernsehbildern aus dem Golfkrieg. Schmidt spielt eindringlich die Traumatisierung durch Gewalt. Die Inszenierung lebt vom Engagement der Darsteller, leidet aber an der überkonstruierten Szene und dem überkonstruierten Stück.

8., 22., 28.10., 13., 15., 20.11., Tel. 0201 / 81 22 200, www. schauspiel-essen.de

Quelle: wa.de

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