Keith Harings Strichkunst in der Galerie Ludwig im Schloss Oberhausen

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Eine Art Selbstporträt: Keith Harings Plakat ist in Oberhausen zu sehen. ▪

Von Annette Kiehl ▪ OBERHAUSEN–Ein wenig düster ist es in der Ludwig-Galerie im Schloss Oberhausen. Das Licht in den Ausstellungsräumen wurde für Keith Harings Kunst etwas gedimmt. Viele der Arbeiten, die das Haus präsentiert, wurden weder für ein Museum noch für die Ewigkeit gemacht. Oft ging es Haring bei seinen Plakaten um die schnelle Verbreitung der Botschaften: Der Kampf für die Rechte von Aidskranken, gegen Atombomben oder um die Leseförderung von Kindern. All das lag ihm am Herzen. Die Papier- und Druckqualität war für ihn in den ersten Jahren eher unwichtig.

„Short Messages. Poster und Plakate 1982-1989“ lautet der Titel der Ausstellung mit der sich die Ludwig-Galerie wieder einem populären Kunstthema widmet. Nach Roy Lichtenstein und Comic-Zeichnern wie Walter Moers steht nun einer der berühmten Pop-Artisten im Mittelpunkt.

Harings „short messages“, jene pointierten Aussagen und Formen, charakterisieren seine Kunst und sind sicherlich ein Grund, warum die Strichmännchen heute, 22 Jahre nach seinem frühen Tod, Klassiker und jedem Kind bekannt sind. Die Schau, die sich aus dem Fundus des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg speist, spürt diesen prägnanten Inhalten und der comicartigen Formensprache nach.

Der Schwerpunkt der Schau auf der Plakatkunst ist gut gewählt, denn dieses Medium erzählt viel über Harings Anliegen als Mensch und Künstler. So suchte der Amerikaner mit seiner Kunst unbedingt die Öffentlichkeit. Noch während des Kunststudiums, Ende der 1970er Jahre, bemalte er leere, schwarze Werbeflächen in der New Yorker U-Bahn mit kurzen Nachrichten und sein erstes Plakat entwarf er für eine Anti-Atom-Demonstration. 20 000 Blätter ließ er auf eigene Kosten drucken und die billig hergestellte Offsetlithografie präsentiert bereits Harings Figurenuniversum: Das berühmte Strahlenbaby, die ebenfalls von Strahlen umgebenen Strichmännchen und die Engel mit den großen Flügeln. Vor allem aber birgt das in zwei Flächen unterteilte Bild eine Dynamik, die Harings Werk besonders und reizvoll macht. Bei aller Einfachheit und Leichtigkeit war er in seinen Arbeiten jedoch nie beliebig. Ein Werbeplakat für Wodka gestaltete Haring ebenso geschickt und pointiert wie politische Bilder oder die Poster für Kulturfestivals.

Die Basis seines verspielten Stils war neben seiner Liebe zur Musik auch die Liebe zu Kindern. Die Schau zeigt zahlreiche Beispiele von Plakaten, mit denen er sich für die Frühförderung einsetzte, darunter auch eine Arbeit für die Stadtbücherei in Bad Honnef („Lesen. Der Spass im Kopf“, 1988). Man spürt die Freude, mit der er die Phantasietiere zeichnete, die in einem überdimensionierten blauen Kopf herumschwirren.

Dieser Witz prägt auch eine Art Selbstporträt, das Mitte der 1980er Jahre entstand, auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Europa. Das Plakat, das eine Ausstellung in Amsterdam ankündigt, zeigt ein leuchtend rotes Männchen, strotzend vor Energie, auf einer gelben Fläche. Die Striche weisen auf die Kraft und den Tatendrang des Künstlers hin, der selbstironisch in der Pose eines Gewichthebers einen grünen Hering stemmt.

Nur etwa ein Jahr später wurde bei Haring Aids diagnostiziert. Der Kampf gegen die Krankheit trieb ihn bis zu seinem Tod 1990 an, vereinnahmte jedoch nicht seine Kunst. So ging er immer wieder Kooperationen mit anderen Künstlern, Firmen oder auch dem französischen Modedesigner Jean-Charles de Castelbajac ein.

Die schmerzliche Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit spiegelt sich in einem Plakat 1988 jedoch deutlich und mit einer unbekannten Traurigkeit: Eine Collage zeigt mehrere bunte Seifenblasen, liebevoll umgeben von kleinen Tauben und Schlangen. In einer Blase ist ein schwarz-weißes Kindheitsfoto von Haring zu sehen, dicht an die Hülle hält ein Fantasiewesen eine Nadel. Gleich wird die Seifenblase platzen.

Die Schau

Der Strichmacher der 80er Jahre Popkunst Keith Haring: Short Messages. Poster und Plakate 1982 – 90. In der Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen. Bis 6. Mai. di-so, 11-18 Uhr. Begleitheft 4 Euro.

Tel: 0208/ 4124928,

http://www.ludwiggalerie.de

Quelle: wa.de

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