Jussi Adler-Olsen erhält in Unna den „Ripper Award“ und stellt sein neues Buch vor

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Jussi Adler-Olsen erhielt in Unna den „Ripper Award“.

Von Ralf Stiftel UNNA - Jussi Adler-Olsen ist in Plauderlaune an diesem Abend in der Stadthalle Unna. Da verrät er gleich, wie viele Kamel-Witze er in seinem aktuellen Roman versteckt hat. Fünf. Wer allerdings „Verheißung“ liest, kommt schnell darauf, dass es auch sechs oder sieben dieser faulen Pointen sein können, die Carl Mørcks syrischer Kollege Assad allzugern loslässt. Und warum eigentlich Kamel, wenn doch in Assads Heimat eher Dromedare unterwegs sind? Nun, sagt Adler-Olsen, Kamele haben eben einen Höcker mehr.

Jussi Adler-Olsen hat Grund zu guter Laune. Erhielt er doch in Unna den vierten „Ripper Award“, den Europäischen Preis für Kriminalliteratur. Ein besonderer Preis, wie der dänische Bestseller-Autor unterstreicht. Denn hier kommt es nicht auf die Tagesform einer kleinen Jury an. Hier entschieden die Besucher des Literaturfestivals „Mord am Hellweg“. Von den 26 200 Freunden literarischer Verbrechen stimmten mehr als 10 000 ab – und wählten aus fünf Kandidaten Adler-Olsen. Adler-Olsen schwärmt regelrecht von Hellweg-Region und Ruhrgebiet als einer Oase von Kultur und Kreativität. Welchen Stellenwert Festival und Preis inzwischen haben, zeigt ein Detail. Der Deutsche Taschenbuch-Verlag brachte „Verheißung“ ein paar Wochen früher heraus, rechtzeitig zur Preisverleihung in Unna.

Die wurde zu einer richtigen Sause in der restlos ausverkauften Stadthalle. Da wurden nicht nur Urkunde und Preisgeld von 11 111 Euro überreicht – leider nicht in kleinen Scheinen, sondern als Großscheck, damit man den Namen der stiftenden Sparkasse Unna/Kamen lesen kann. Es gab auch erste Kostproben aus dem neuen, sechsten Roman um Carl Mørck. Zum Glück las Adler-Olsen nur eine kurze Passage auf Dänisch. Den Hauptpart übernahm der Schauspieler Peter Lohmeyer. Und die Musik kam – wie so oft beim „Mord am Hellweg“ – vom Landespolizeiorchester.

Und wer nicht ohnehin schon Fan war, der konnte Adler-Olsen ein wenig kennen lernen. Der 64-Jährige hatte ein bewegtes Leben. Weil sein Vater Psychiater war, spielen seelische Defekte immer wieder eine prominente Rolle in den Romanen des Autors. Aber er kam spät zum Schreiben, war zuvor Rockgitarrist, Inhaber eines Comic-Ladens, Leiter eines Großverlags, Chef der dänischen Friedensbewegung. 1997 aber erschien sein erster Roman, „Das Alphabethaus“, noch ohne Mørck, inzwischen aber auch auf Deutsch zu lesen. „Erbarmen“, der erste Band um das Sonderdezernat Q, erschien 2007. Adler-Olsen sieht die auf zehn Bände angelegte Reihe als einen einzigen Roman, den „längsten Krimi der Weltliteratur“.

Aber man kann die Bände auch gesondert lesen. In „Verheißung“ geht es um Esoterik, Aberglauben und einen Sektenguru. Aber das erfährt man erst nach einigen Kapiteln. Am Anfang steht eine verpasste Gelegenheit des trägen Sonderermittlers für ungelöste alte Fälle. Auf den Anruf eines Kollegen von der Insel Bornholm reagiert Mørck nicht. Was soll auch an einem 17 Jahre zurückliegenden Verkehrsunfall interessant sein, selbst wenn dabei das junge Mädchen Alberte spektakulär starb, von der Wucht des Zusammenstoßes in einen Baum geschleudert? Für Unfallflucht fühlt Mørck sich nicht zuständig. Aber der Kollege Habersaat greift zum letzten Mittel: Auf der Abschiedsfeier schießt er sich eine Kugel in den Kopf. Was Mørcks Assistentin Rose als eine Art extremen Hilferuf deutet. Nun ermittelt das Trio also wieder. Und es stößt bald auf die Spur jenes „Zentrums der Transzendentalen Vereinigung von Mensch und Natur“ um den charismatischen Führer Atu Abanshamash Dumuzi und seine undurchschaubare Vestalin Pirjo. Sie versprechen Erleuchtung – und haben es doch nur auf das Geld der Leichtgläubigen abgesehen.

Adler-Olsen bietet in seinem aktuellen Thriller seinen Fans viele vertraute Elemente, zum Beispiel in der komplexen Beziehung zwischen Mørck und seinen Begleitern. Es geht zwar um düstere Schicksale wie in so vielen skandinavischen Krimis, aber hier hellt ein zuweilen slapstickhafter Humor das Geschehen immer wieder auf.

Jussi Adler-Olsen: Verheißung. Der Grenzenlose. Deutsch von Hannes Thiess. dtv, München. 596 S., 19,90 Euro

Quelle: wa.de

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