Die „junge Wilde“ Vilde Frang im Konzerthaus

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Romantisch in Dortmund: Vilde Frang.

Von Edda Breski DORTMUND - Mit der Reihe „Junge Wilde“ bindet das Konzerthaus Dortmund junge Künstler an sich, die gerade dabei sind, sich eine internationale Karriere aufzubauen. Das Kalkül: Wer früh Chancen in Dortmund hat und den Kontakt pflegt, der kommt auch später gern wieder. Mit der Norwegerin Vilde Frang, Jahrgang 1986, ist das wieder gelungen.

Sie spielt mit großen Orchestern, reüssiert aber derzeit international vor allem im Bereich Kammermusik. Ihre bisher drei Veröffentlichungen bewegen sich mit Nielsen und Sibelius natürlich im nordischen Bereich, es gibt aber auch ein Album mit Sonaten von Strauss und Bartok.

In Dortmund war sie jetzt mit einem feinen Ensemble zu hören: Vier junge Streicher und der Pianist Eduard Kunz waren mit angereist für ein romantisches Kammermusik-Programm. Leider war das Konzert spärlicher besucht, als man es diesen leidenschaftlich spielenden Musikern gewünscht hätte. Vilde Frang, Cellist Laszlo Fenyö und Kunz begaben sich in Ravels a-moll-Klaviertrio hinein wie in ein Märchenbuch. Schon der Beginn klang, als höbe jemand einen Schleier nur ungern fort. Fenyö mit seinem erdennahen Klang und Kunz mit seinen delikaten Linien waren zwei Pole, zwischen denen Frang, die jedem Ton, jeder Wendung nachhorchte, vorsichtig ihre Fäden spann; achtsam bis ins letzte hauchfeine Pianissimo. Die Exotismen des zweiten und vierten Satzes wurden energisch im Kulturkreis versetzt, leider aber etwas eingeebnet. Das Trio, das immer wieder zu jäher Zuspitzung fähig war, präsentierte einen schillernden Ravel, in der Passacaille von Frang mit breiten Strichen geerdet, im letzten Satz energisch flimmernd. Besonders Frang musizierte bildhaft, eher auf Risiko aus, trotzdem in kleinsten Wendungen behutsam in die Musik hineinhorchend.

Das folgende G-Dur-Streichquintett von Johannes Brahms klang im Kopfsatz erst einmal zu brav. Erst im zweiten Satz schienen sich die fünf gefunden zu haben, erst hier war ein gemeinsamer „Atem“ zu spüren. Frang und Kirill Troussov an der zweiten Geige führten einen geschmeidigen Dialog, später wetteiferten sie um den schönsten Ton, die genaueste und flexibelste Phrasierung; ebenso die beiden Bratschisten Maxim Rysanov und Guy Ben-Ziony, die immer feuriger spielten, dabei klar und selbstbewusst. Im dritten Satz reichten sich die vier die Einsätze geschmeidig weiter, während Fenyö, der zunächst noch zurückhaltend für das Fundament gesorgt hatte, seine Pizziccati sprudeln ließ wie Goldbläschen, in Vorbereitung auf die Czardas-Explosion im Finale.

Für das Klavierquintett von César Franck tauschten die beiden Geiger die Rollen. Der Franck bekam von Beginn an eine dunkle Farbigkeit, die aber im dichten Gefüge der Stimmen nicht für Unschärfen oder Schwammigkeiten sorgte; alle fünf bewegten sich als Gleichberechtigte unter Gleichen, von Maxim Rysanov mit seinem fokussierten, glühenden Spiel zu Troussovs geschmeidigen Höhenflügen zu Vilde Frang, die an der zweiten Geige auf dem feinen Grat zwischen Ausdrucksstärke und Transparenz dahintanzte. Im zweiten Satz arbeitete das Ensemble die Bewegungsenergie heraus, statt sich auf die schönen Kantilenen zu verlassen. Im letzten entfaltete es noch einmal Klangpracht, die auch Töne an der Belastungsgrenze einschloss, als selbstverständlichen Teil des Spektrums.

Quelle: wa.de

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