Jung geblieben: Nena gastiert in Köln

Nena in Köln

Von Andreas Sträter ▪ KÖLN–Wie ein Wesen von einem anderen Stern landet Nena auf der Bühne. In der Kölner Lanxess-Arena entlockt sie beim Konzert ihrer „Made in Germany“-Tour auch vielen älteren Titeln Sphärenklänge.

Rockig reißt sie die Zuschauer für zwei Stunden aus dem Alltag. Dabei zappelt sie quietschfidel, leicht und spritzig wie ein Floh über die Bühne.„Made in Germany“ ist nicht nur ein Bekenntnis zu ihrem Heimatland, in dem sie vor 50 Jahren als Gabriele Susanne Kerner in Hagen geboren wurde, sondern Nena bekennt sich mit dem Titelsong der Tour auch zu sich selbst. Sie ist sich weitgehend treu geblieben. In hautenger Glitzer-Jeans, Glitzer-Top, Glitzer-Gürtel und mit kessem Kurzhaarschnitt wippt Nena so zappelig und aufgeregt über die Bühne, als sei sie zarte 20 Jahre. „Ich danke Euch von ganzem Herzen, dass ihr da seid. Ich liebe Euch!“, ruft sie ihren Fans verzückt entgegen. Dann sägen die Gitarren, es hämmert das Schlagzeug in techno-tempelartiger Lautstärke: Zu der hochgetunten Version ihres Titels „Schön, schön, schön“ ist schwer was los auf der Bühne. Die Keyboarder schütteln ihre Köpfe, als spielten sie zu wilden Heavy-Metal-Sounds. Das wirkt dann doch ziemlich aufgesetzt.„Hey Köln, habt ihr nicht Lust aufzustehen?“, fragt sie ihre Fans fast schon ein bisschen schüchtern. Mit ihrem Hit „Nur geträumt“ erobert sie sich das Publikum zurück, denn diesen Song kennt jeder: Im Refrain breitet sie ihre Arme flügelartig aus und scheint fast im Gesang ihrer Fans zu baden. Im Akkustikgewand präsentiert sie das wunderschöne Liedlein „Fragezeichen“, das so lapidar wie sinnstiftend die Liebe hinterfragt. Ihren Fans scheint Nena auch mit „Liebe ist“ aus der Seele zu sprechen. Was sie da mit den Zeilen „Liebe will nicht, Liebe kämpft nicht, Liebe wird nicht, Liebe ist“ von sich gibt, grenzt an Utopie. Die hintergründige Poesie fasst in dieser wohlklingenden Ballade zusammen, was die Menschen eint: die Sehnsucht. Als die Besucher dann auch noch den Refrain ganz allein singen, fasst sich Nena an ihr Herz – und kniet spontan nieder.Nach sanften Songs wie „Wunder geschehen“ oder „Lass die Leinen los“, streut Nena ein halbakustisches Set ein, bei dem sich der Kern ihrer Band am Ende des Bühnenlaufstegs in der Mitte der Halle versammelt. Dann ein gewaltiger Bruch: Mit der heftigen Elektropop-Nummer „Hyperaktiv“ lässt sie die Kölnarena beben. Die harten Klänge erinnern an das Klirren der Kultband „Kraftwerk“. Diese Songs nehmen die Besucher in Köln weniger euphorisch auf – auf die Neue Deutsche Welle lässt sie ihre Fans lange warten. Mit pumpenden Bässen und heißem Gedröhne lässt Nena die musikalische Frage „Willst du mit mir gehen?“ unbeantwortet durch die Halle stampfen. Elektronisch zurechtgezimmert klingt auch „Du bist so gut für mich“. Wohltuend ruhig singt Nena dann ihre aktuelle Single „In meinem Leben“. Die hypnotisch anmutende Ballade hat Hitpotenzial: In den deutschen Singlecharts schaffte der Song den Neueinstieg auf Platz vier.Bei einigen Besuchern will der Funke irgendwie nicht überspringen. Einige gehen schon vor dem Konzertende. Die meisten aber scheinen begeistert. Und für die hat Nena noch „99 Luftballons“ im Gepäck, sie singt die Rockversion. Ballons fliegen in den Hallenhimmel. Auf einem Ballon klebt die 50 – das ist nach dieser Show schwer zu glauben.Schon das Vorprogramm ließ auf einen musikalisch anspruchsvollen Abend schließen: Der israelische Sänger Aviv Geffen, der in seiner Heimat wegen seiner teils provokanten, atheistischen Texte als Jugendidol gilt, sang vielversprechende Songs wie „It Was Meant to Be a Lovesong“, „Cloudy Now“, oder „End Of the World“. Damit will der 36-Jährige jetzt den deutschen Markt erobern. Potenzial hat er.

Quelle: wa.de

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