Jürgen Stollhans stellt in Münster Bildfolgen aus

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Bilderfolge von Jürgen Stollhans in der Kunsthalle Münster

Von Marion Gay MÜNSTER - „Kein Bild, kein Ton, wir kommen schon“ – der alte Fernsehtechnikerslogan ist Titel der kleinen Ausstellung mit Bildern, Installationen und einer Videoarbeit von Jürgen Stollhans. Seit April verwandelte der Kölner Künstler die Kunsthalle Münster in ein Laboratorium: Er sammelte Bilder aus Münster, trug Informationen zum Thema „Energie“ zusammen und dachte darüber nach, was es mit der „Kritischen Masse“ auf sich haben könnte.

Die Ausstellung wird gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW im Rahmen des Projekts „Kritische Masse – ein Projekt zu Kunst und Energie im Münsterland“ der Kulturregion Münsterland sowie der Kunststiftung NRW.

Stollhans macht es dem Besucher nicht leicht. Zunächst ist nämlich erst einmal nichts zu sehen. Nur nackte Wände und ein nüchterner Wartebereich mit grauen Sitzen. Erst wenn man um die Stellwände herumgeht, findet man Bilder. Zum Beispiel eine mit Kreide gezeichnete Turbine, darüber ist zu lesen: „25%“. Während der Beschäftigung mit Münster fand Stollhans heraus, dass die Turbine der Stadtwerke gegenüber der Kunsthalle auf der anderen Uferseite 25 Prozent des städtischen Stroms erzeugt. Die Frage ist, was das über Münster aussagt. Hilfreicher vielleicht das Bild daneben: Ein leerstehendes Ladenlokal, „Yes we’re closed“ steht trotzig geschrieben. Darunter die geöffnete Hand und: „Signalschwarz/ Kritische Masse ab 1 000 000 Einwohner/ Münster schafft es nicht (bis) zum Knall/ ~ 300 000/ Plutonium/ Subkultur/ Marketingstrategie“. Gut, die Lage in Münster scheint also noch lange nicht kritisch.

Doch ein Schild mahnt: „Man braucht nicht denken, daß man hier den Kapitalismus aufhalten kann“. Auf einem anderen Bild zeigt der Daumen nach oben, die schleichende Verarmung wird schleichender Musealisierung gegenübergestellt. Stollhans setzt sein Material assoziativ zusammen, Bild an Bild fügen sich die Exponate zu verschwommenen Kreide-Impressionen, aus denen die Satzfetzen aufreizend und verwirrend herausstechen.

Der 1962 geborene Künstler nahm 2007 an der documenta teil, seine Arbeiten finden sich unter anderem in der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik in Bonn und im Museum Ludwig Köln. Sein Themenspektrum reicht von Politik und Zeitgeschehen über Industrie- und Technikgeschichte hin zu Philosophie, Nachrichtenwelten und biografischen Bezügen. Ebenso wie der thematischen Fixierung entzieht sich Stollhans auch der medialen Festlegung. So ist eine 40-minütige Videoarbeit zu sehen, die der Künstler seit rund sechs Jahren permanent weiterentwickelt. Auch hier scheinen sich die Bilder willkürlich zu mischen. Politische Parolen, Abrisshäuser, bunte Comictierchen, Autos – alles im schnellen Wechsel. Zwischendurch nichts, graue Fläche, bis sich die Bilder weiter bewegen.

Stollhans’ wild-abstrakte Bilderwelten bleiben rätselhaft und beunruhigend, die Situation scheint kritischer als zunächst gedacht. Dazu passt der kleine Holzofen, der selbstvergessen hinter einer halbgeöffneten Tür vor sich hin glimmt. Wärme spendet er jedenfalls nicht.

Bis 8. September; di-fr 14 – 19 Uhr, Sa/ So 12 – 18 Uhr;

Tel. 0251/ 4924100;

www.muenster. de/stadt/

ausstellungshalle

Quelle: wa.de

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