Judy Winter und Bastian Pastewka im ZDF-Film „Mutter muss weg“

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Nichts als Spott und Hohn hat seine Mutter (Judy Winter) für Tristan (Bastian Pastewka) übrig. ▪

Von Giew Maschajechi ▪ Eine Sexfilmdarstellerin, die in die Jahre gekommen ist, und ihr nichtsnutziger Sohn, der nach dem eigenen Leben sucht. Das sind die Gegensätze in einem ZDF-Fernsehfilm, der so nicht zu erwarten war. Aber der Mainzer Sender will derzeit alles neu machen, und zu dieser Programm-Politik passt auch die schwarze Komödie „Mutter muss weg“.

Comedian Bastian Pastewka scheint mittlerweile im Charakterfach angekommen zu sein. Und auch Judy Winter – früher eher bekannt für anspruchsvolle Filmdramen – ist in der Rolle der Diva und herrischen Mutter sicherlich keine Fehlbesetzung.

Der Film lebt ab der ersten Minute vom vielfach bewährten Widerstreit von Mutter und Sohn, dem verträumten, erfolglosen Enddreißiger und seiner herrisch-schrillen Erzeugerin, die mittlerweile erfolgreich mit Sexprodukten handelt. Sie hält ihren Sohn für einen Versager und spricht das auch ganz offen aus. Keiner kann dem Leben des anderen etwas abgewinnen, und dennoch verbindet sie ein starkes Band.

In schönen Bildern nehmen Drehbuchautor Marc Terjung und Regisseur Edward Berger die Zuschauer immer wieder mit in die Traumwelten des trotteligen Tristan. Auf der Couch einer Therapeutin erinnert er sich an die Ignoranz seiner Mutter, als sie ihn vernachlässigte. Einmal wäre er beinahe ertrunken, während sie einen ihrer schlüpfrigen Streifen drehte. Auch deshalb gilt nun für Tristan: „Mutter muss weg“.

Die Rückblenden sind erklärend eingesetzt, doch ihr häufiger Einsatz wirkt verwirrend. Als Tristan den Beschluss fasst, den Ratschlag seiner Therapeutin zu beherzigen, trifft er unverhofft einen Auftragskiller, der die Mutter gleich umbringen will. Was hier nun Fiktion und erzählte Wirklichkeit ist, bleibt Ansichtssache.

Trotz dieser Ungewissheit sorgen beide Schauspieler für stabile Figurenbilder. Judy Winter als resolute, herrisch wirkende Dame, die sich einen jungen Liebhaber mit ins Kurhotel nimmt, und Bastian Pastewka, der in immer wieder genüsslich ausgeleuchteten Szenen seine komische Seite präsentiert. Wenn er slapstickmäßig ein Glas Wasser trinkt, oder nervös nach dem Killer Ausschau hält. Der hat den Auftrag an einen Profi verkauft, der sich nicht mehr stoppen lässt. Berufsehre!

Bastian Pastewka überzeugt, wenn er als irritiertes Muttersöhnchen Entschlüsse fasst, um im nächsten Augenblick vor der eigenen Courage zu kapitulieren. Der Comedian, der sich in seiner Sitcom auf satirische Weise mit Alltagswidrigkeiten herumschlägt, ist diese Rolle auf den Leib geschrieben. Von Minute zu Minute treibt Regisseur Berger das bewährte Erzählkonzept auf die Spitze. Lässt Mutter und Sohn immer wieder aufeinander los und beschert so heitere Momente, stets gewürzt mit einem Hauch Sadismus. Da mimt die alternde Diva mit Gurkenmaske die liebende Mutter, um kurz darauf beim Abendessen ihren Spross mit den Worten vorzustellen: „Ach, das ist nur mein Sohn.“

Mit erstklassigen Nebendarstellern wird das Duell erweitert und die Handlung bis zum Ende unberechenbar. Jörg Hartmann, neuer „Tatort“-Kommissar aus Dortmund, mimt hier einen Rezeptionisten, dem man einfach zusehen kann. Rosalie Thomass spielt Anita, eine Wohlfühl-Dienstleisterin, die für die Hotelgäste bereitsteht und Gefallen am Muttersöhnchen findet. Karoline Eichhorn ist es als Therapeutin vorbehalten, der Handlung noch einen letzten Dreh zu geben. Und Judy Winter scheint nach ihrer Rolle in der Komödie „Neues vom Wixxer“ bereit zu sein, fürs Komische ihre Rollenpalette zu erweitern – welch ein Glück!

ZDF, 20.15 Uhr

Judy Winter

Judy Winter, Jahrgang 1944, wirkte nach einem Schauspielstudium unter Regisseuren wie Peter Palitzsch und Peter Zadek am Theater. In den 1970er Jahren wurde sie auch in Kino- und TV-Filmen bekannt. Sie ist außerdem eine gefragte Chanson-Sängerin. Ihre Synchronstimme leiht sie unter anderem Jane Fonda und Liv Ullman.

Quelle: wa.de

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