Joachim Stracke in der Villa Wessel Iserlohn

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Joachim Strackes Bild „Coloured Dots“ (2013) ist in der Villa Wessel in Iserlohn zu sehen.

Von Marion Gay ISERLOHN - Die Japanerin hält ihr Gewand mit Händen und Zähnen. Anmutig neigt sie den Kopf, zeigt ihren aufwändigen Haarschmuck. Darüber verteilen sich neun farbige Kreise wie bei einem Brettspiel. Sie werfen Schatten, als lägen sie auf Glas. Das Bild „coloured dots“ (2013) wirkt einerseits wie eine traditionelle japanische Zeichnung, andererseits wie eine abstrakt-moderne Spielerei.

Darauf verweist auch der Titel der Schau: „heimspiel“, präsentiert vom Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn, zeigt rund 40 vor allem aktuelle Papierarbeiten von Joachim Stracke, insgesamt vier Werkserien. Nach 2005 ist es die zweite Einzelausstellung des Iserlohner Künstlers in diesen Räumen.

Überall stehen Kreise oder Scheiben im Mittelpunkt. Etwa im frühesten Bild „Gelber Vorhang – dingemond“ von 1995 aus der Werkreihe „dingetum“: Ein paar kreisrunde Scheiben und eine Art Gitter werden von viel Gelb-Orange überdeckt.

Auch in den Bildern der zehnteiligen Werkreihe „jukebox – fremde Erinnerungen“ (2012) geht es um den Kreis. Hier lässt sich die Scheibe als Schallplatte identifizieren. Titel wie „Balada para mi muerte“ verweisen auf Tango und Lateinamerika, ohne nähere Einblicke zu gewähren. Vielmehr überlässt Stracke den Kreisen die Bühne, in verschiedenen Farben und Größen verteilen sie sich wie bunte Spielchips über die Bilder.

Ebenso spielen die Kreise eine wichtige Rolle in der Serie „es vedrà“, benannt nach einer Insel vor Ibiza. In der Arbeit „lunavedra – St. Josep“ (2010) steht eine bleiche, gelochte Scheibe als Mond über der blauen Insel, gelbe Kreise und Rechtecke fallen vom Himmel.

Schwerpunkt der Schau bildet die Serie „shunga/ loop“, der sich der 1958 geborene Künstler seit 2010 widmet, ausgelöst durch den Erwerb einer shunga-Arbeit. „Shunga“ (übersetzt mit Frühlingsbilder) ist der japanische Begriff für Kunstwerke, meist Farbholzschnitte, die in expliziter Weise sexuelle Handlungen darstellen. Bei Stracke werden diese Handlungen vage angedeutet, die Paare und Frauen sind meist eher Beiwerk zum Kreis. So ist die „kleine geisha“ (2014) unter den sechs Kreisen kaum erkennbar.

Im Bild „wolken und berge“ (2013) kniet der Mann neben der Frau, beide tragen farbenprächtige, üppige Gewänder. Der Kreis steht als Mond am Himmel.

Stracke arbeitet mit Farbstiften, setzt manchmal bis zu zehn Schichten von Schraffuren übereinander. Im Kontrast zu den filigran gezeichneten Figuren und Hintergründen kommen oft Wolken aus Acrylfarben dazu, manchmal wässrig und verschwimmend, dann wieder als pastose Masse.

„mokusei“ (2014) könnte auf den ersten Blick tatsächlich eine traditionelle japanische Arbeit sein, wären da nicht die über das Motiv verteilten Kreise. So hält die Frau einen runden Fächer in der Hand, auf dem sich wiederum Kreise zeigen, die eine Brustwarze darstellen. Im Hintergrund türmen sich Kreise in einer Art modernem Tapetenmuster übereinander.

Bis 10.01.; di – fr 15 bis 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr; Tel. 02371/ 14 238; www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

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