Jawlensky und Albers: Bottrop zeigt Weg zur Farbe

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Alexej von Jawlenskys „Große Meditation: Johannes der Täufer“ von 1936 ▪

Von Achim Lettmann ▪ BOTTROP–Das kleine Gemälde „Große Meditation: Johannes der Täufer“ (1936) ist kein Porträt. Alexej von Jawlensky hatte sich schon zu seinen früheren Kopf-Bildern geäußert: „Sagen Sie jedem, dass das kein Gesicht ist.“ Im Museum Quadrat in Bottrop ist eine Reihe mit den Meditationsbildern Jawlenskys zu sehen. Die Arbeit „Glut“ (1936) wirkt noch reduzierter. Grün und Gelb, Orange und Blau erscheinen als Farbfelder. Gesichtskonturen sind nur noch Ordnungshilfen. Es ging Jawlensky (1864-1941) um Farbe.

Wie sehr sein Weg mit dem von Josef Albers korrespondierte, demonstriert die hellsichtige Ausstellung „Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe Abstraktion Serie“. Ganz unprätentiös zeigt die Schau, wie zwei zentrale Künstler der Moderne zu ihren Farbabstraktionen gelangten. Dabei ist beiden die Abstraktion ein Hilfsmittel, die Farbe vom bildhaften Ausdruck zu lösen.

Josef Albers (1888-1976) fand in der Serie „Homage to the Square“ seinen künstlerischen Höhepunkt. „Ich huldige nicht dem Quadrat“, sagte er, es sei ihm nur ein Tablett, auf dem er „seine Verzückung durch Farbe“ ausbreite. In einem Bild von 1962 variiert er Blau in einer stufenweisen räumlichen Studie. Albers hatte bereits 1920 den Pinsel aus der Hand gelegt und fortan die Farbe aus der Tube gedrückt, um sie auf der Faserplatte mit einem Spachtel zu verteilen. Er wollte das Individuelle in der Kunst zu gunsten der reinen Farbwirkung zurückdrängen. Die späten Serien, die in Bottrop zu sehen sind, zeigen Studien mit Rot und Blau. Die Erprobung warmer und kühler Farben erhält bei Albers noch Variationen. Zu Blau gibt er mal ockerbraun, mal rotbraun, um die Wirkung von Farbe, Raum und Licht vorzuführen. Dabei sind seine Farben „erfahrungsgesättigt“, sagt Heinz Liesbrock. Der Direktor des Museums Quadrat hat die Schau zusammen mit Ulrike Growe kuratiert. Albers‘ Farben sind nicht aus einem technischen Mischungsverhältnis entstanden, sondern im Horizont der Moderne zu finden. Insgesamt werden jeweils 50 Gemälde der beiden Künstler in Bottrop ausgestellt, hinzu kommen einige Zeichnungen, wenige Briefe. Erst Ende der 30er Jahre führten beide eine Korrespondenz, als Albers anerkannter Künstler und Lehrer in den USA war und Jawlensky seine letzten Jahre unter Geldnot in Wiesbaden erlebte. In den 20er Jahren könnten sie sich am Bauhaus begegnet sein, als Jawlensky von Kandinsky und Klee geworben wurde, während Albers bereits als Lehrer an der Reformschule tätig war. Allerdings ist ein Treffen der beiden nicht nachgewiesen.

Um so erstaunlicher erscheint der parallele Weg zur Farbe. Jawlensky malte Stillleben („...mit Krug und Buch“, 1902), um das auszudrücken, was in ihm „vibriert“, aber nicht den „stofflichen Gegenstand“. Von Albers, der noch Lehrer in Bottrop war, sind drei Bilder zu sehen, die expressive Momente bieten („Pagode“, 1916). Fortan sollte die Farbe den Gegenstand verdrängen. Beide waren von der Moderne Anfang des 20. Jahrhunderts inspiriert. Jawlensky blieb diesen Motiven länger verbunden. In Bottrop sind das impressionistische Bild „Dorf in Bayern“ (1907), die expressive Landschaft „Hügel“ (1912) und „Frau mit Stirnlocke“ (1913) zu sehen. Herrlich seine freien Variationen (1917-1921), in denen sich Farbwolken locker fügen. Während Albers Violinschlüssel-Bilder (30er Jahre) auch die geschwundene Form favorisieren, werden Jawlenskys konstruktiven Köpfe zu der Serie, die seinen Farbstudien Ausdruck verleihen (ab 1917).

Albers suchte nach der „meditativen Ikone des 20. Jahrhunderts“ und formaler Einfachheit. Seine Variationen in den 40ern fallen formal strenger aus, sind aber ebenso sehenswert.

Die Schau

Ein Höhepunkt in der Reihe dialogischer Ausstellungen des Hauses, die Albers Wirkung auf moderne Kunst nachgehen.

Alexej von Jawlensky und Josef Albers Farbe Abstraktion Serie. im Bottroper Quadrat.

Eröffnung Sonntag, 11 Uhr, bis 29. August; di-sa 11 bis 17 Uhr, so, Feiertage 10 bis 17 Uhr; Katalog 32 Euro;

Tel. 02041/29716

http://www.quadrat-bottrop.de

Quelle: wa.de

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