James Last in der Halle Münsterland

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Der Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent James Last ist auf Abschiedstour.

Von Sabine Fischer - MÜNSTER Der ältere Herr mit den feinen Gesichtszügen im Schein des Glitzer-Sakkos bewegt sich vorsichtig. Er geht achtsam um mit seinem Körper, den 85 Jahre beschweren und der dem regen Geist voller Tatendrang nicht immer so zu Diensten ist, wie er es eigentlich sein sollte. Seine Abschiedstour, so scheint es, ist James Last Bürde und Lebensexlexier zugleich.

Noch bis zum 26. April geht seine letzte Tour, die ihn quer durch Deutschland führt und in der Kölner Lanxess Arena endet. Der Titel „Nonstop Music“ ist dabei kein Versprechen, es ist das Lebensmotto des Happy-Sound-Schöpfers.

Seine Kompositionen sind um die Welt gegangen, seine Arrangements sind legendär und seine Veröffentlichungen ungezählt. Und: Seine Musik verbindet Generationen – das spiegelte am Sonntag das Publikum in der familiär-gemütlichen Atmosphäre der Halle Münsterland. Ein James-Last-Konzert, das ist für viele bis heute Anlass für einen Familienausflug. Denn gute Laune kann jeder brauchen, und genau die möchte James Last noch einmal live verbreiten.

In der Halle Münsterland klappt das prima. Verschmitzt lächelnd steht James Last vor seinem Orchester, blickt sinnend zum Hallenboden hinab und sagt: „Wie ich feststellen konnte, ist der Boden gut gebohnert. Es kann also getanzt werden.“ Die einladende Geste ist klein, fast wie ein aufmunternder Klaps an die ersten fünf Reihen des bestuhlten Konzertes. 14 Streicher machen sich bereit, die Regie im Orchester zu übernehmen, Last wendet sich ihnen behutsam und mit kontrollierten Bewegungen zu. Heiter und beschwingt startet der Strauss-Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und tatsächlich: vier, fünf Paare lösen sich aus den Reihen, nehmen Fahrt auf und drehen und schwingen zu Füßen des großen Bandleaders. Das sind die Momente, die Last genießt. Langsam näher er sich dem Bühnenrand und schaut versonnen auf die sich wiegenden Tanzpaare, während er mit der rechten Hand den Takt andeutet, ihn in die Bühnenluft malt.

Immer häufiger verlassen Zuhörer jeden Alters ihre Plätze, um ganz vorne mit dabei zu sein. Sabre Dance oder speziell die Medleys voller vertrauter Melodien begeistern. Aber Hans Last wäre nicht James Last, wenn er sich darauf beschränken würde, den Hits von gestern nachzuschmecken. Aktuelle Hits entdeckt er neu, etwa „Story of my Life“ von One Direction oder den Chartstürmer „Happy“. Für sein ganz persönliches Finale hat Last noch einmal ausgezeichnete Musiker verpflichtet, die Musik atmen, leben und auf der Bühne derart mitgehen, dass es Freude macht. Zwar begleitet Last sie auf die Bühne, aber seine Arbeit ist getan, wenn das Konzert beginnt. Gitarrist Erlend Krauser interpretiert Christina Aguileras „The Voice Within“ träumerisch-elegisch, ein recht nervös wirkender Chuck Findley entrückt „Somewhere“ der Westside Story und schenkt ihm eine heitere, bisweilen melancholische Gelassenheit. Soul-Diva Ingrid Y. Arthur ist eine Naturgewalt: Ein Tick ihrer ausladenden Hüften, eine Drehung und die Welle rollt, sexy, stimmgewaltig und berührend zugleich. Ihr Pendant Tracey D. Duncan fegt über die Bühne wie ein Wirbelsturm, lässt die Musik durch ihren Körper zucken und animiert zum Mitmachen.

Wieder und wieder mit Erfolg: Vor der Bühne tanzt ein James-Last-Papp-Kamerad, unverkennbar dank der ausgestreckten rechten Hand, mit der der echte Bandleader den Takt vorgibt. Lächelnd, aber doch ein wenig irritiert registriert Last zwei Regenschirme in Entenform, die vor der Bühne auf und ab hüpfen. Fast wie in der Tradition der Blaskapellen in New Orleans laufen die Träger auf und ab und lassen die Schirme tanzen, stochern im Takt in der Luft. Last murmelt etwas von „Karneval“ – wie bei mancher seiner Ansagen ist nicht alles zu verstehen. Ein Umstand, über den Last selber scherzt: Er habe ein Radio-Interview gegeben, das zu späterer Stunde gesendet worden sei, und er habe es im Autoradio auf dem Heimweg kaum verstanden, was er in der Sendung gesagt habe.

Tatsächlich bleibt an diesem Abend manche Anmoderation diffus. Aber das ist nicht schlimm, denn das Wesentliche ist zu verstehen: Dass sich Last noch gut erinnern kann an seine ersten Berührungen mit dem Jazz vor mehr als 65 Jahren zum Beispiel, dass er ihn als befreiend, als Abenteuer erlebte und ihn bis heute liebt. Dass es ihn zunächst sehr seltsam angemutet habe, dass ausgerechnet seine verträumte Komposition „Der Einsame Hirte“, die an diesem Abend erklingt, für den Soundtrack zu dem blutigen Film „Kill Bill“ ausgewählt worden sei. „Mein einsamer Hirte, allein mit seinen Schäfchen – und dann so ein blutiger Film...“ Das habe man ihm erst einmal erklären müssen.

Es gibt keine Zugaben, wenngleich sie gefordert werden, aber es gibt ein Finale. Und ein Versprechen von James Last: „Auf jeden Fall: Auf Wiedersehen.“

Quelle: wa.de

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