Jaime Zenamon bei den Sommerkonzerten am Hellweg

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Gast am Hellweg: Jaime Zenamon

Von Alexandra Helms Unna - Wiener Walzer gepaart mit Bossa Nova, deutsche Volkslieder vereint mit feurigen Sambarhythmen? Für den Komponisten und Gitarristen Jaime Mirtenbaum Zenamon sind diese Gegensätze kein Problem. In seinen Stücken verbindet er die musikalischen Stärken der alten und der neuen Welt.

„Vor 30 Jahren haben mir alle gesagt, das geht nicht, das kannst Du nicht machen. Aber es geht sehr gut. Man kann alle Stile mischen“, erklärt Zenamon vor seinem Auftritt in Unna. Heute sei alles irgendwie Fusion, es gebe Fusion-Food, Fusion-Einrichtungsstile. Vielleicht habe er damals einfach schon angefangen, Fusion-Musik zu machen. Interpreten seiner Musik, ein begeistertes Publikum und zahlreiche Auftraggeber geben ihm recht. Über 300 Kompositionen hat der 60-Jährige geschrieben, Werke für Kammerensembles, Orchester, für Kinder.

Zenamon hat polnische, russische und deutsche Wurzeln, wurde in Bolivien geboren, wuchs in Brasilien auf, hat in zahlreichen Ländern studiert und lebte 20 Jahre in Berlin. Seine musikalischen Experimente seien auch eine Suche nach Identität, sagt der Kosmopolit: „Ich wurde in Bolivien in eine fremde Kultur geboren. Während mir meine Mutter zu Hause Tschaikowski vorspielte, lief auf der Straße Musik aus den Anden. Beide Kulturen habe ich sehr verinnerlicht.“ Die Stärke der südamerikanischen Musik, die auf indianische, afrikanische und europäische Einflüsse zurückgehe, sei eindeutig der Rhythmus, während Europa das Nest der Harmonie sei. „Wir tauschen Kultur. Keine steht über der anderen“, erklärt Zenamon überzeugt.

Er ist ein aufmerksamer Beobachter. Landschaften, Erlebnisse und Begegnungen saugt er auf und bindet sie in seine Kompositionen ein. Mit humorvollen Kommentaren fesselt er sein Publikum. „Ich liebe das Leben und ich liebe die Menschen. Es sind meine größten Inspirationsquellen,“ sagt er. Seine Werke beschreibt Zenamon als melodisch und zugänglich, aber auch als fein und ernst. „Ich nenne meine Musik romantisch, aber ohne Schnulze, Pathos oder Hysterie, sondern auf eine altmodische, suchende Weise.“ In seinem Streben nach einer musikalischen Universalsprache erinnert er an die Romantiker. Wundersam, wenn dieses Streben gelingt. So wird die Atmosphäre eines dunstigen Sommermorgens, an dem die Sonne langsam aufgeht, in seinem Stück „Morgengrauen“ geradezu körperlich spürbar.

Zenamon ist Residenzkünstler der „Sommerkonzerte am Hellweg – Sonho Brasileiro“. In jedem Konzert des Festivals erklingt mindestens ein Stück von ihm. Zenamon hat außerdem speziell das Stück „Morumbi“ komponiert, das am Sonntag in Unna vom Orlando Guitar Quartett uraufgeführt wird. „Morumbi ist indianisch und bedeutet ,grüner Hügel‘. Mir gefiel der Klang des Wortes. Es handelt sich um ein Stück für vier Gitarren und ein Cello. Das gab es bisher noch nicht“, verrät er. Sehr emotional reagiert Zenamon, wenn andere Musiker seine Stücke spielen: „Eine Komposition ist wie eine Geburt. Aber danach gehört sie nicht mehr dir, sondern dem Interpreten.“ Er selbst wird während des Konzerts als Gitarrensolist und Moderator auftreten.

So, 18 Uhr, ZIB Unna

Festival bis 19.9.

www.kulturverein-westfalen.de

Quelle: wa.de

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