Joe Jacksons neues Album „The Duke“ (earMusic/Edel)

In luftig hingeworfene Tupfer über einem lichten Bass-Fundament ist das Thema aufgelöst, dann verwandelt die Stimme von Lilian Vieira Duke Ellingtons „Perdido“ in eine lässig treibende Latin-Nummer.

Keine Bläser-Arrangements flankieren den Gesang, sondern die elektronischen Klänge einer Pop-Besetzung. „Ich verehre den Duke, aber ich wollte kein ehrfürchtiges Album machen“, kommentiert Joe Jackson sein Tribut an den legendären Pianisten, Komponisten, Arrangeur und Big-Band-Leader. Der Brite mit Berliner Wohnsitz darf sich auf Ellington selbst berufen. Der schrieb zwar einen Klassiker nach dem anderen, überarbeitete seine Werke aber permanent und blieb stets offen für neue Einflüsse aus anderen musikalischen Gattungen und Kulturen. Gleich zum Auftakt von „The Duke“ knüpft Jackson an den Multikulturalismus Ellingtons an, auf höchst originelle Weise. In „Isfahan“ aus der „Far East Suite“ glänzt Rock-Gitarrist Steve Vai mit einem sphärischen Solo. Das anschließende, von brillantem Bass getriebene „Caravan“ erklingt in einer Vokal-Version auf Farsi. Jackson konnte die iranische Sängerin Sussan Deyhim für die Interpretation gewinnen. Die prägnante Stimme des Briten selbst ist auf drei Titeln des Albums zu hören. Beispielsweise in dem elegant swingenden „I‘m Beginning To See The Light“ oder in einer mit sentimentalem Nachhall geimpften Version von „Mood Indigo“. Hat bei dem vorangegangen Medley schon Jazz-Bassist Christian McBride für stilgerechten Groove gesorgt, improvisiert hier mit Regina Carter eine der wenigen Geigerinnen mit jazziger Phrasierung. Übermütig und ausgelassen „Rockin‘ in Rhythm“ im Stil der frühen Big-Bands. Eindringlich die Stimme der R‘n‘B-Königin Sharon Jones.

Jacksons Jazz-Hommage bleibt bis zum Schluss originell, vielschichtig und voller Überraschungen. Am Ende brummt Iggy Pop zusammen mit Jackson ein elektronisch aufgemischtes Bekenntnis zum Kern des Jazz: „It Don‘t Mean A Thing“. ▪ Rainer Bessling

Quelle: wa.de

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