Tausend Jahre Pub: Die Show „Irish Celtic" in Dortmund

+
Zum Céilí in den Pub: Rundtänze sind Teil der irischen Tanztradition und werden auch in der Show „Irish Celtic“ gezeigt, die derzeit in Dortmund zu sehen ist.

DORTMUND - Tausend, ach was, mindestens hunderttausend Jahre alt ist Paddy Flynns Pub. „Gott hat Irland darum herum gebaut“, behauptet der Landlord. In der Show „Irish Celtic“ erklärt Paddy (John Hudson) seinem Sohn, worauf es im Leben ankommt, und das ist zufällig all das, was einem so zum Thema Irland einfallen könnte: Gerstensäcke und Whiskeyfässer, Flaschen voll Bier, eine Band mit Fiddler und Flötenspieler, Fotos von Oscar Wilde und James Joyce über der Bar. Sollte jemandem diese Aufzählung arg alkoholisch vorkommen, so liegt er vollkommen richtig: Irland ist, wenigstens in Filmen, Literatur und Songs, das Land der Trinker. Daher hat Paddy Flynn auch immer ein Guinness in der Hand.

Von Edda Breski

„Irish Celtic“, diese Woche zu sehen im Konzerthaus Dortmund, ist ein nostalgisches Bilderbuch von der Druidenzeit bis zum Einfall des „wirklich kulturlosen“ Volks, des Erzfeinds aus England. Conférencier Paddy drückt gelegentlich auf die Tränendrüse, seine durchaus vorhersehbaren Sprüche bringt er mit Raubein-Charme über die Rampe.

Die Tänzer kommen aufs Stichwort als Elfen, die in ihren Softshoes vom Boden wegstreben, oder zum Flötensolo aus „Braveheart“ als kilttragende junge Recken mit Fackeln. William Wallace war zwar bekanntlich keineswegs Ire, sondern schottischer Freiheitskämpfer, aber was soll’s, die Schotten sind die keltischen Brüder der Iren. Immerhin macht Paddy eine Anspielung auf den irischen Rebellen Michael Collins, über den es zwar auch einen tollen Film gibt, aber mit weniger bekannter Musik.

Die Macher lehnen sich gern an Kino-Blockbuster an, damit wird die Show noch eindeutiger zum Panoptikum. Aus „Titanic“ ist die wilde Tanzszene auf dem Unterdeck entliehen. Dazu gibt’s eine rührselige Geschichte: Das Schiff geht unter, das Mädel überlebt, der Verlobte nicht. Sie wird in Amerika reich, kehrt in die Heimat zurück und heiratet Paddys Vater. Irische Sentimentalität ist ein Exportschlager, ebenso wie Whiskey, Bier und großspurige Sprüche. Wenn allerdings John Hudson, ein gebürtiger Neuseeländer, der in Köln Comedy lehrt, als Ire maskiert über Griechen scherzt, die ihre Euros nicht zurückzahlen, ist das wirklich ein Treppenwitz globalen Ausmaßes.

Die Tänzer sind mit schwingenden Röcken und kokett zurechtgerückten Schiebermützen für Kolorit zuständig, während Paddy erzählt. Fast sieht man zu viele Spielszenen, der Tanz fehlt. Wenn er kommt, reißt er mit. Zu sehen sind die traditionelle Tanzreihe, hohe Sprünge und der irische „Spitzentanz“. Die Iren haben eine Menge Schritte aus dem Ballett geklaut. Ein Tänzer schafft es, seine Steppschritte wie eine Kreuzung aus Moonwalk und dem Watscheln Charlie Chaplins aussehen zu lassen und einen Entrechat Royale hinterherzuspringen. Höhepunkt ist ein Wettkampf der Tradition gegen die Moderne: Diarmuid Meade, der Paddys Sohn spielt, steppt rasend schnell um einen Besenstil herum. Dagegen zieht ein Quartett sehr großer, fitter Jungs ins Feld, die aussehen wie eine Boyband, als „One Direction“ angekündigt werden und eine Art Beatboxing mit ihren Füßen aufführen.

Auch musikalisch versammelt die Show das Altbekannte in ansprechender Verpackung: Der Gitarrist Barry Kerr singt in Bardenpose „Whiskey in the Jar“ und das schunkelige „Paddy’s Green Shamrock Shore“, die Tanzmusik zitiert mit „I don’t mind at all“ und „Finnegan’s Wake“ Kracher des Irish Folk. Allerdings hätte die musikalische Leitung gern auf die Softfolk-Variante von Metallicas „The Unforgiven“ als Pausenfüller verzichten können.

Bis 12. Januar, Tel. 02 31/22 69 62 00, zusätzlich am 8. und 9. Juni in der Philharmonie Köln, www.bb-promotion.com.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare