Interview: Jennifer Rostock am Freitag beim "Adam 2011" in Soest

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Alex, Jennifer, Chris „Baku“, Christoph und Joe von Jennifer Rostock kommen zum ersten Mal nach Soest.

SOEST - Seit ihrem fünften Platz beim Bundesvision Song Contest 2008 sind die Musiker von Jennifer Rostock aus Mecklenburg-Vorpommern von Bühnen und aus Szene-Kellern nicht mehr wegzudenken. Am 29. Juli spielen Jennifer, Alex, Chris, Joe und Christopher beim „Adam“ in der Soester Adamkaserne. Unsere Mitarbeiterin Lisa Moessing sprach mit ihnen.

Jennifer, bist du froh, statt von einer Girl-Band von Männern umgeben zu sein?

Jennifer: So gibt es wenigstens keinen Zickenzoff (lacht). Nein wirklich, mit den Jungs ist es immer sehr entspannt, wir hatten eigentlich noch nie einen richtigen Streit, obwohl wir seit fünf Jahren alle in einem Tourbus zusammengepfercht sind.

„Rotzfrech, kess, Blech im Mund“ – deutsche Medien betiteln euch auf interessante Weise. Wie seid ihr denn jetzt wirklich?

Joe: Eigentlich gar nicht so schlimm!

Jennifer, nervt es dich, dass bei dir gleich deine Piercings und Tattoos angesprochen werden statt deine Stimme?

Jennifer: Nein, ich habe damit kein Problem. Natürlich ist das etwas oberflächlich, aber es fällt halt als Erstes auf. Andererseits werde ich ja auch nur darauf angesprochen, weil ich Musik mache und dadurch in der Öffentlichkeit stehe.

Joe, stimmt es, dass deine Oma über ein Medieninterview erfahren hat, dass du schwul bist?

Joe (lacht): Nein, nein! Meine Oma weiß es, seitdem ich 15 war. Sie ist nur manchmal ein wenig vergesslich und dann aufs Neue überrascht. Aber Zoff gab es deswegen zum Glück nie mit meiner Familie.

Joe, du hast ein Einser-Abitur und Preise bei Mathe-Olympiaden abgeräumt. Warum machst du Musik statt Mathe?

Joe: Schon mit vier Jahren habe ich Notenblätter voll gekritzelt und meine Mutter musste mir am Klavier vorspielen, was ich da „komponiert“ habe. Es kam für mich nie in Frage, mit meinem Leben irgendetwas anderes anzustellen. Schon gar nicht Mathe.

Joe und Jennifer, ihr beiden kennt euch schon seit dem Kindergarten. Ist der Traum von der Band quasi eine Sandkastenidee?

Jennifer: Nein, erst mit 13 haben wir beschlossen, zusammen Musik zu machen. Joe spielte damals in der Schülerband, die eine Sängerin suchte. Bei einem Stadtfest hat er mich auf einer Karaoke-Bühne gesehen. So kam eins zum andern…

Und wo habt ihr dann den Rest „aufgegabelt“?

Jennifer: Nach unserem Umzug nach Berlin haben wir in einem Tonstudio gearbeitet, wo wir jeden Tag viele verschiedene Musiker kennen gelernt haben. Bei Baku und Alex war sofort klar, dass wir uns nicht nur im Proberaum, sondern auch an der Bar gut ergänzen (lacht). Christoph kennen wir übrigens von Myspace.

Als ‚abartig‘ monoton und ausgelutscht gilt bei einigen der Casting-Kult. Gibt es echte deutsche Nachwuchs-Bands nur aus dem Probenkeller?

Joe: Wer abseits von Bravo und Viva schaut, wird feststellen, dass es erstaunlich viele junge „echte“ Bands gibt. Dass Casting-Shows nur zum Selbstzweck existieren, sollte sich eigentlich mittlerweile rumgesprochen haben. Erstaunlich, wie viele junge Menschen sich trotzdem noch Jahr für Jahr darauf einlassen.

Lack-Korsagen, Motorräder, herumhängende Mikrofone – wie viel bestimmt ihr beim Drehbuch für eure Videos eigentlich selbst?

Jennifer: Wir sind offen für Ideen, bringen uns immer so viel ein wie möglich. Meistens haben wir konkrete Vorstellungen, wie das Video werden soll. Wir würden nie irgendwas machen, was wir eigentlich scheiße finden, nur weil irgendwer anderes meint, wir sollen das machen.

„(Keiner nimmt mir) Mein Mikrofon“ ist eure aktuelle Single. Gab‘s denn ernsthafte Versuche, dir das Singen zu verbieten, Jennifer?

Jennifer: Es gab schon öfter Situationen, in denen Konzertveranstalter wegen gewisser „Vorfällen” auf der Bühne das Konzert abbrechen wollten, aber wir haben uns noch nie aufhalten lassen!

Joe: Es geht ja nicht nur ums Singen! Es geht generell darum, seine Meinung zu sagen und gehört zu werden. Es gibt immer wieder Menschen, die dir das Wort verbieten wollen. Es ist wichtig, daran zu denken, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu sagen.

Quelle: wa.de

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