Installation RTFM von Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm in Münster

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Kunstvolle Unordnung: Blick in die Installation von Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm in der Kunsthalle Münster

Von Marion Gay MÜNSTER - Die Bücher über Joseph Beuys stehen mit Schallplatten im Regal, aber das ist auch schon alles, was geordnet ist. Zettel fliegen herum, T-Shirts, Spielzeugautos, CDs, Plastikmüll, Stoffpuppen. Die Wände sind kreuz und quer bepflastert mit Plakaten, Stickern, Hemden, Schmierereien und Zetteln mit mehr oder weniger provokanten Nachrichten.

„Ei gott Bluis“ zum Beispiel, oder „Wählen ist verkehrt“. Unter dem Titel „RTFM – Read the fucking manual/ Lies die verdammte Gebrauchsanweisung“ verwandeln die Münsteraner Künstler Oliver Breitenstein und Tassilo Sturm die Kunsthalle Münster in eine überbordende Installation.

Immer stärker greift die künstliche Intelligenz von Maschinen in unser Leben ein, der Raum für Verhalten außerhalb der Norm schrumpft, finden Breitenstein und Sturm und setzen mit ihrer Installation ein Labyrinth der wilden Möglichkeiten dagegen. Man streift durch verschiedene, mit Drahtgittern oder Holzwänden voneinander abgetrennte Bereiche wie durch die Räume von Messies, verrückten Wissenschaftlern, Nerds.

Wie in einem Open-World-Computerspiel, in dem alles veränderbar und interaktiv ist, kann der Besucher selbst eingreifen. So liegen Spraydosen zum Gestalten der Wände bereit, Klebebänder, Werkzeuge und diverse Materialien dürfen benutzt werden. Auch die Künstler werden im Laufe der Ausstellungen Veränderungen an ihren Raumcollagen durchführen.

So wird sich Sturm etwa eine Eselmaske aufsetzen und ab und zu Runden drehen, Breitenstein mit dem Musiker Albert Ruppelt Soundschnipsel und Plattencover mixen. Sie haben eine Reihe von Künstlerkollegen eingeladen, etwas zu dieser Schau beizusteuern.

Von Wiebke Bartsch stammen beispielsweise die großen Stoffpuppen, die herausgeputzt herumsitzen und ihre langen Zungen hängen lassen. Bettina Mühlbauer wird in einer düsteren, zusammengeschusterten Hütte an mehreren Nachmittagen eigene Erzählungen lesen. Außerdem gibt es eine Sitzecke, in der man Kaffee trinken kann, provisorische Arbeitszimmer, an denen man Computer benutzen darf und sogar ein eingezäuntes „Smaland“, wo man allerdings besser nicht seine Kinder spielen lässt, sondern stattdessen selbst zur Farbe greift. Ziel ist es, Menschen in die Ausstellung zu locken, die normalerweise nicht in Museen gehen.

Wie im richtigen Leben gibt es auch für Kunst keine Gebrauchsanweisung, erklärt der 1965 geborene Breitenstein. Dafür darf man sich im sicheren und überschaubaren Raum der Kunsthalle dem Abenteuer von Anarchie und Chaos hingeben.

Eröffnung Sonntag, 17 Uhr

Bis 12.4., di – fr 14 – 19, sa, so 12 – 18 Uhr; Tel. 0251/ 4924191

www.kunsthalle.muenster.de

Quelle: wa.de

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