Imperien werden von Jane Burbank und Frederick Cooper untersucht. Im Campus-verlag erschienen

Von Jörn Funke ▪ Gegen Ende des dritten vorchristlichen Jahrhunderts bilden sich tausende Kilometer von einander entfernt zwei Großreiche. 218 v. Chr. begann der Zweiten Punische Krieg, der Rom zur Herrscherin des westlichen Mittelmeers machen sollte. Und 221 v. Chr. wurde Ying Zheng, König der Qin, erster Kaiser von China. Beide Reiche wurden zum Sinnbild dessen, was wir heute „Imperium“ nennen. In einer bemerkenswerten Studie haben die New Yorker Historiker Jane Burbank und Frederick Cooper untersucht, was ein Imperium ausmacht.

Das Muster, an dem die Slawistin Burbank und der Afrikanist Cooper sich orientieren ist zunächst einmal tatsächlich Rom. Dorther stammt der Begriff „Imperium“, was so viel wie „Befehlsgewalt“ bedeutet. Und Rom sollte nach seinem Untergang Bezugspunkt für zumindest alle westlichen Imperien bleiben. Bis ins 20. Jahrhundert galt das Imperium Romanum als Vorbild für Glanz und Ordnung.

Burbank und Cooper legen für ein Imperium eine möglichst breite Definition an: eine große, expansionistische politische Einheit, die Hierarchien unter ihren Bewohnern aufrechterhält. Auf Rom und China folgen da fränkische und islamische Reiche, Mongolen, Osmanen, Spanier, das zaristische Russland, die Vereinigten Staaten und die europäischen Kolonialmächte. Macht wird dabei in der Regel vertikal ausgeübt, schreiben die Autoren. Horizontale Verbundenheit gibt es höchstens in der Europäischen Union, einer Art Schlusspunkt der Betrachtung.

Einen „analytischen Essay“ haben die Autoren nach eigener Darstellung vorlegen wollen. Verfasst haben sie eher eine komprimierte Weltgeschichte, dargestellt anhand der Schicksale von gut einem Dutzend Großreichen. Die Gesetzmäßigkeiten des Imperiums erscheinen in der Untersuchung eher vage – bis auf die Erkenntnis, dass der heutige Nationalstaat keine historische Selbstverständlichkeit ist, schließlich habe der größte Teil der Menschheit über Jahrtausende in Imperien gelebt.

Jane Burbank / Frederick Cooper: Imperien der Weltgeschichte. Das Repertoire der Macht vom alten Rom und China bis heute. Campus-Verlag: Frankfurt / New York 2012. 612 Seiten. 39,90 Euro

Quelle: wa.de

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