Igor Levit eröffnet das Klavierfestival Ruhr

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Igor Levit eröffnete das Klavierfestival Ruhr in der Jahrhunderthalle in Bochum.

Von Edda Breski BOCHUM - Zur Feier gab es einen russischen Abend: Die Jubiläumssaison des Klavierfestivals Ruhr wurde am Samstag mit einer Aufführung von Tschaikowskys erstem Klavierkonzert in der Jahrhunderthalle Bochum eröffnet.

Das Motto des 25. Festivals lautet zwar „Let’s go to the Opera“ und verweist damit auf Verdi und Wagner, die großen Jubilare dieses Jahres. Aber zum Auftakt gab es ein Werk, das die Brillianz und das große Auftrumpfen am Flügel feiern. Es spielte der 26-jährige Igor Levit, der seit seinem Debüt 2011 jedes Jahr zum Klavierfestival kam, dieses Mal begleitet vom WDR-Sinfonieorchester unter Krysztof Urbanski.

Beim Zuhören hätte man meinen können, dass Tschaikowsky da eigentlich Programmmusik geschrieben hat, nämlich indem er eine hübsche Miniatur nach der anderen gereiht habe. Levit entwirft ein kleines Theater, wenn er das Hauptthema im ersten Satz erst relativ harmlos perlen lässt – hier unterlaufen ihm, wie im dritten Satz auch, Flüchtigkeitsfehler – und dem groß aufspielenden Orchester Raum lässt. Es fehlen nur die Plüschvorhänge. Das zweite Thema lässt er koboldig aufsteigen und sich verkriechen, dann kommt im Dialog mit den Violinen Nocturne-Stimmung auf. Man glaubt sich in einem Ballettdivertissement, so graziös ist das alles. Leider kommt da auch nicht mehr in punkto Tiefe oder Inhalt.

In den Kadenzen spielt Levit auf Effekt hin, wenn er einen Lauf verhallen lässt, die ausklingenden Noten mit viel Pedal umwölkt, um quasi harmlos aus den Wolken heraus eine neue Passage beginnen zu lassen, während die Noten aufstieben, als habe Levit sie angepustet. Im zweiten Satz plätschert und hüpft der Klavierpart wie ein Bächlein durch die harmonischen Landschaften, die das Orchester mit Muße zeichnet. Im dritten beweist Levit, was für einen kristallklaren Anschlag er beherrscht – und zieht zum Finale alle Register, um sich doch noch als Tastenlöwe zu präsentieren.

Das berühmte Anfangsmotiv klingt breiig, dazu tut die waberige Akustik der aufgewärmten Jahrhunderthalle ihr Übriges. Krysztof Urbanski bekommt das Problem weitgehend in den Griff, dennoch behält er eine Tendenz, die großen, warm aufleuchtenden Kantilenen zu strömendem Schönklang zu formen – auf die Gefahr hin, den Klang zu verdicken. Das fällt auch im zweiten Teil auf, als Urbanski die „Bilder einer Ausstellung“ in der bekannten Ravel-Orchestrierung mit flächigem Pinselstrich ausmalt. Der „Goldenberg“ klingt so finster-grandios wie der „Bydlo“, so gemessen wie die Promenade; die Küken so mechanisch-keck wie der Schmuyle. Man hätte sich gewünscht, dass der 31-jährige Urbanski den „Bildern“, diesem prächtigen Schlachtross der Orchesterliteratur, etwas frisches Blut transferiert.

Das Klavierfestival Ruhr läuft bis 19. Juli und umfasst 65 Konzerte und Vorträge. Erwartet werden Stars wie Evgeny Kissin (1. Juli, Essen), Murray Perahia (4. Juni, Wuppertal) und der Preisträger des Festivals, Marc-André Hamelin (29. Juni, Essen).

www.klavierfestival.de

Quelle: wa.de

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