„Hurts“ mit Theo Hutchcraft bei Dortmunds Music Week

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Spiel mit dem Mikroständer: Theo Hutchcraft von der Gruppe Hurts in der Dortmunder Westfalenhalle. ▪

Von Andreas Sträter ▪ DORTMUND–Theo Hutchcraft ist ein Gentleman am Mikrofonständer. Er zappelt nicht, er bewegt sich. Bewegt er sich, ist jede Regung durchdacht. Mal hält er sich den Finger an die Schläfe, mal schleudert er den Mikroständer zu Boden und scheint dabei auf die Bühne einzudreschen. In diesem Moment wirkt es, als hätte sich der Sänger der britischen Band „Hurts“ mit dem eingängigen Sphären-Pop aufgeladen.

„Hurts“ ist ein Top-Act während der Dortmunder Music-Week zu der in den nächsten Tagen noch Ronan Keating, Bryan Ferry und Erykah Badu erwartet werden. Bevor „Hurts“ ihren relativ kurzen Konzertabend starten, knallen deftige Beats durch die Westfalenhalle. Metallische Klänge, ein dröhnendes Ziepen. Zwei Frauen im dunklen Umhang schreiten mit schwarzer Flagge in der Hand auf die Bühne. Erst dann kommen „Hurts“ und beginnen mit dem Lied „Silver Lining“ ihr wundervolles Konzert. Der Opener kombiniert leicht schiefe Electro-Synthies mit einer Art Keyboard-Glockenspiel und einem abwartenden Beat, der sich aber dann zu einer einprägsamen Hymne hoch schwingt. So klingen viele Titel an diesem Abend. So klingt das immer noch aktuelle Album „Happiness“.

Zur Überraschung der Fans wird der Super-Hit schon an zweiter Stelle gespielt. „Wonderful Life“ ist ein kaltes Lied, zu dem Hutchcraft von mächtigen Lichtkegeln umschwärmt wird. Aus den dunklen Mönchsfiguren schälen sich adrette Tänzerinnen, die sich auf der Bühne wie in einem modernen Ballettstück bewegen. Auf einer Lichtwand hinter dem Sänger bewegen sich Schattenrisse von Tänzern. Hutchcraft bleibt bei minimalen Gesten, winkelt die Beine an, reißt seine Hand immer wieder zu seiner Brust, zeigt mit offener Handfläche ins Publikum. Ja, dieses Dortmunder Publikum, es scheint ihm zu gefallen: „Wundervoll. Hallo everybody, wie geht‘s?“, fragt er leicht schelmisch, um dann direkt in die Nummer „Blood, Tears and Gold“ zu starten. Elegantes Lied, aber auch ein bisschen unspektakulär. Dann mischt sich das kräftige Klatschen des Publikums in den Beat des Songs „Sunday“. Der Sänger wird zum Motivator und zum Zeremonienmeister seiner eignen Party. Ja, er hat das Publikum. Dazu haut er sich mal wieder auf die Brust. „Sunday“ kriecht derweil wie flüssiger Honig ins Ohr. Dann haben die Briten eine Überraschung: Im Song „Water“ ist wie die Perle in einer Muschel der Song „Verona“ verborgen. Musikalische Unterstützung gibt es von einem Opernsänger.

Auch „Illuminated“ ist so ein Song, den man nach diesem Konzert nicht vergessen will. Er schlängelt sich mit zartem Kopfstimmen-Refrain unaufhaltsam in die Gehirnwindungen. Die Fans aus dem Ruhrgebiet knipsen nach Aufforderung ihre Handys an – einige drücken auf die Taschenlampenfunktion. Das passt: Feuerzeuge eigenen sich nur für Schmuse-Balladen, nicht für Synthie-Pop. „Dortmund! As many light as we can“, fordert der singende Zeremonienmeister. Aus metallischem Klimpern steigt das Lied „Devotion“ hervor. Hutchcrafts glasklare Stimme ist voller Tiefe und Melancholie. Ein schöner Moment. Ein toller Song.

Ganz besonders freut sich das Publikum auf den Titel „Stay“. In Deutschland wurde das Lied populär durch den Einsatz im Abspann der Erfolgs-Komödie „Kokowääh“ von Til Schweiger. Die Gute-Laune-Nummer ist dabei eine große Hymne, die aber nicht zu aufgeladen ist. Der Refrain überhöht sich in orgiastisches Flehen – viele schluchzen mit. Nach dem Partysong ist Schluss. Länger als 65 Minuten waren die Jungs nicht auf der Bühne, als sie zur Zugabe die neue Single „Better Than Love“ in einer extra langen Version mit Tanzeinlage der schwarzen Ballett-Schwäne abliefern. Was bleibt ist die Energie – sie will nicht vergehen.ORTSMARKE –

Quelle: wa.de

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