„Hotel Lux“ mit Michael „Bully“ Herbig startet im Kino

+
Es geht ums Überleben in der UdSSR: Zeisig („Bully“ Herbig) mit Stalinorden in dem Film „Hotel Lux“. ▪

Von Achim Lettmann - „Das Hotel hat nur einen Stern“, spottet Hans Zeisig und hängt unfreiwillig am roten Erkennungszeichen seiner düsteren Herberge. Er ist vor Stalins Geheimdienst geflohen, hatte ein wenig Todesangst und parliert nun über eine Geschichte, die 1933 begann und ihn ins Hotel Lux führte. Dort erhielten Exilkommunisten von Stalin ihre künftigen Aufgaben, unliebsame wurden liquidiert. „Hotel Lux“ heißt auch Leander Haußmanns Historienkomödie, die von Michael „Bully“ Herbig als Zeisig nett eingeführt wird.

Vorhang auf! Das Varieté in der NS-Zeit darf nicht jeden Witz machen. Regisseur Haußmann karikiert einen Amüsierbetrieb auf Abruf. Zeisig albert mit Meyer durchs Theater Valetti. Er gibt Stalin, sein Freund den Hitler. Vorsicht ist geboten, denn die SS schaut zu. Später müssen beide Deutschland verlassen. Die Bedrohung ist der ständige Begleiter im „Hotel Lux“. Erst Berlin und die NS-Kommandos, später Moskau und der NKWD. Was macht ein Clown in brisanter Zeit?

Diese Kernfrage beantwortet Leander Haußmann, der schon DDR-Alltag („Sonnenallee“) und Nationale Volksarmee („NVA“) verulkt hat, mit dem Sog eines Politthrillers und den Emotionen eines Liebesfilms. Thekla Reuten verkörpert Frida, die geheimnisvolle Schöne, die wie ein Filmstar der 30er Jahre wirkt, aber eine Salonkommunistin ist. Schein und Sein werden zum flackernden Irritationsmotiv im Film, das aber auf den Anpassungsreflexen basiert, die Menschen in Diktaturen entwickeln. Auch Verbindungen zum „realexistierenden Sozialismus“ sind Haußmann wichtig. Wenn Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck und Co. im Hotel Lux eine Sitzung durchführen, parodiert der Regisseur und Drehbuchschreiber die Betonkommunisten. Applaus für alles, Handheben auf Befehl. Absurder geht‘s nicht. Haußmann blickt einmal mehr auf seine DDR-Geschichte. Staunenswert und amüsant.

In den langen Fluren des Hotel Lux durchbricht der Gleichmut Zeisigs die Angst, die die Bluthunde Stalins schüren. „Bully“ Herbig wirkt cool, er spielt den Narr am Rande zum Abgrund wie einen dickhäutigen Entertainer, der Liebesfloskeln zieht, um seine Frida zu angeln. Mit Stalin (Valery Grishko) gelingt ein abstruser Dialog, wie mit dem Teufel, der auch noch Lucky Strike raucht. Als ihm sein Freund Meyer (Jürgen Vogel) beispringt, ist das alte Duo aus den Valetti-Zeiten wieder zusammen, und die Komödie nimmt richtig Fahrt auf. Dass die beiden ein Bubenstück zum Ende hinlegen, ist mit dem Ribbentrop-Besuch und dem Hitler-Stalin-Pakt von 1939 ganz köstlich verbunden.

„Bully“ Herbig, erfolgreichster Komödiant des aktuellen deutschen Films („Der Schuh des Manitu“), wächst als cooler Selfmade-Man aus der Rolle des Spaßmachers langsam heraus.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare