Holtermannsche Haus in Ahlen von Studenten der Klasse Löbbert bespielt

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Blick zurück: Im Treppenhaus des Holtermannschen Hauses sorgt die Außen-Weihnachtsbeleuchtung aus früherer Zeit in neuer Form für Atmosphäre. ▪

Von Sabine Fischer ▪ AHLEN–Die imposante Fassade des Holtermannschen Hauses dominiert den Marktplatz in Ahlen. Seit zwei Jahren ist das Prunkstück aus dem Jahre 1905 verwaist. Für die Kombination aus Wohn- und Kaufhaus findet sich wegen des immensen Sanierungsbedarfs kein Käufer. Und dennoch: In den vergangenen Monaten ist das Leben in die ungewöhnliche Immobilie zurückgekehrt. 24 Studenten der Kunstakademie Münster haben das Haus auf sich wirken lassen, sind auf Spurensuche gegangen und haben mehrere Wochen in Ahlen gelebt und gearbeitet.

Erinnerungen in verschiedenen Kontexten sind das Thema der Klasse der Brüder Maik Löbbert, Rektor der Münsterschen Kunstakademie, und Professor Dirk Löbbert. Bei ihrer Spurensuche sind die jungen Künstler in Parkett- und Vertäfelungsritzen, hinter Regalen und in Ecken und Nischen fündig geworden.

Ein riesiger Tresor aus der Zeit der Jahrhundertwende hier, eine Wohnzimmereinrichtung dort, Warenregale – das verlassene Haus präsentierte sich den Studenten als Hort der vergessenen und verdrängten Dinge. Diese haben sie aufgegriffen, daraus Neues entstehen lassen. Aus dem Holtermannschen Haus ist das „Temporäre Institut für Erinnerungen“ voller Installationen, Skulpturen und Kunstwerke geworden.

Eigene Erinnerungen, das kollektive Gedächtnis, Formen der Archivierung – viele Aspekte haben die Studenten in einen Kontext gesetzt. Dabei herausgekommen ist eine erfrischende Schau, die unterschiedlichste Ausdrucksformen und Stile nutzt, um zu verblüffen und zu verzaubern. Die Ausstellung ist witzig, ohne zu veralbern, und sie begeistert mit Detailreichtum.

Da wachsen Stühle aus Wänden, windet sich ein heller Vorhang durch die Länge eines Raumes und entkommt durchs Fenster. Rote Fäden verwandeln einen Raum in einen Kokon, frieren ihn ein. Fast geisterhaft erscheinen Füße, die in einer Badewanne plantschen – Projektionen auf flüssigem Grund erstaunen. Zwei hohle Beine okkupieren Stufen, die nach oben führen; in den Keller geht es mit Hall und Schall einer Klangtreppe.

Bei der Wiederbelebung des alten Gemäuers gelingt den Studenten eine Gratwanderung – sie irritieren und erstaunen, aber widerstehen der Versuchung, die Überraschungsmomente allzu gruselig zu inszenieren. Satomi Edo beispielsweise hat einen Wohnraum abgedunkelt und in sein Zentrum ein Bett gerückt. Kinderlachen verleitet zum Nähertreten: Hinter Vorhängen wird die Projektion eines Kindes offenbar, das fröhlich auf dem Kissen zu hüpfen scheint.

Der örtliche Kunstverein hat die Studenten nach Ahlen geholt. Vorsitzender Walter Rinker betont, dass der Verein Kunst im öffentlichen Raum präsentieren und junge Künstler fördern will.

Eröffnung am Samstag, 5. November, 17 Uhr, in Ahlen am Markt 10. Zum Programm zählen eine Modenschau und ein Konzert der Band The Jancee Pornick Casino (20 Uhr). Die Ausstellung geht bis 11. Dezember; do-sa 15 bis 18 Uhr, so 11 bis 17 Uhr. Große Gruppen und Schulklassen sollten sich anmelden beim Kunstverein Ahlen, Tel. 0 23 82/ 35 11.

http://www.kunstvereinahlen.de

Quelle: wa.de

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