Hermann Buß stellt im Haus Opherdicke aus

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Symbolschwere Bilder aus dem Norden: Hermann Buß’ Bild „Seereise“ (2008), zu sehen in Opherdicke.

Von Rolf Pfeiffer HOLZWICKEDE - Ein kleiner Satz in der Einladung zur Ausstellungseröffnung verheißt Veränderung: „Der Künstler ist anwesend“. Hermann Buß wird zugegen sein, wenn Thomas Hengstenberg als Leiter des Fachbereichs Kultur beim Kreis Unna am Samstag auf Haus Opherdicke die neue Ausstellung mit dem Titel „ZwischenWelten“ eröffnet. Die Künstler früherer Ausstellungen, wie zuletzt Hans Thuar, waren in der Regel schon tot.

Eine Veränderungen des seit Jahren bewährten Konzepts ist aber nicht geplant. Haus Opherdicke und Schloss Cappenberg, die beiden Ausstellungsorte des Kreises Unna, werden weiterhin Malerei der Klassische Moderne zeigen, hervorgebracht von zu Unrecht (fast) vergessenen Künstlern. Das Oeuvre von Hermann Buß, Jahrgang 1951, reiht sich da ein, kann durchaus in der Fortsetzung figurativer Traditionen des deutschen Expressionismus begriffen werden.

Buß malt die große Unendlichkeit unter regenschwerem Himmel, die unwirkliche Grenze zwischen Land und Meer, die lebensfeindliche Welt der grauen Naturkräfte. Menschen sieht man oft nur von ferne und oft nur von hinten: Sie haben die selbe Blickrichtung wie der Künstler, sind möglicherweise wie er Suchende auf einem spirituellen, surrealistischen Terrain. Das feuchte Land, auf dem sie stehen, verheißt kaum Sicherheit, ebensowenig Flächen wie die „Steinflöße“. Auch Buß’ Schiffe bieten keinen Trost, sind alte Pötte oder Frachter, die auf Arbeit warten und verrotten.

Küste, Watt, Schiffe, Menschen – trotz allgegenwärtiger Bedeutungsschwere wirken Buß’ klar gegliederte, naturalistisch ausgeführten Bilder auf den ersten Blick einfach zugänglich. Doch das täuscht, und es ist ein großes Verdienst der Opherdicker Ausstellung, dass sie durch die konzentrierte Hängung von rund 70 Ölgemälden eine Ahnung vom komplexen, düster-depressiven Kosmos des ostfriesischen Künstlers gibt, wie sie ein, zwei einzelne Bilder nicht ermöglichen könnten. Man sieht: Das norddeutsch-maritime Farben- und Formenspektrum ist nicht nur bildhafter Wert an sich, sondern vor allem auch Material für allegorische Weltbetrachtungen. Boote, die Buß mal mit Menschen, mal mit Schafen an Bord ein düsteres Eiland ansteuern läßt, lassen an die Querung des mythologischen Flusses Styx auf dem Weg ins Totenreich denken; auf manchen Inseln stehen Ruinen gotischer Kathedralen, auf steinernen „Zwischenstationen“ warten Menschengruppen, ein „Niedergang“ von 2013 verortet das Meer unter einem endlos großen Schiffsdeck. „Ich male nicht die Natur, sondern meine Natur“, zitiert der vorzügliche Katalog den Künstler. Und Hermann Buß’ Natur verortet sich am nordischen Meer, in Flandern, der Bretagne, auf Island und vor allem in Ostfriesland, wo er aufwuchs und heute noch lebt.

Aufsehen erregte vor einiger Zeit das Altarbild für die evangelische Kirche der Insel Langeoog, das Buß 1990 ausführte und das bar aller christlichen Ikonographie ist. Es zeigt ein möglicherweise gestrandetes, mit Schlagseite im Wasser liegendes Schiff, Menschen an Land, einen Tisch – und steht in dieser eigenen Bildsprache möglicherweise doch auch für urchristliche Motive wie Rettung und Erlösung. Jüngste Arbeit für einen kirchlichen Auftraggeber ist ein vierteiliger Wandzyklus für die Johanneskapelle des Klosters Loccum aus dem Jahre 2012.

30.6. – 13.10., di – so 10.30 – 17.30 Uhr, Tel. 02301/ 918 39 72,

www.kulturkreis-unna.de,

Katalog

Quelle: wa.de

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