Henry Hübchen im ARD-Film „Hoffnung für Kummerow“

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Der Bürgermeister serviert selbst: Henry Hübchen (rechts) in dem TV-Film „Hoffnung für Kummerow“. ▪

Von Sven Prillwitz ▪ Es ist ein einsamer, ein verzweifelter Kampf, den Oskar Kubiczek kämpft: Die Leidenschaft und der Optimismus des Bürgermeisters stoßen auf die Lethargie und Ohnmacht der Bürgerschaft. In „Hoffnung für Kummerow“ (Buch: Kerstin Höckel, Michael Wallner) erzählt Regisseur Jan Ruzicka die Geschichte eines Provinzkaffs in Ostdeutschland, das noch einmal aus tiefer Depression zu erwachen versucht.

Kummerow – der Name der Stadt ist Programm: Die Arbeitslosenquote ist hoch, junge Leute ergreifen nach ihrem Schulabschluss die Flucht. Wer noch da ist, altert mit der Stadt und den Gebäuden vor sich hin. Der Blick in die Gegenwart und erst recht in die Zukunft ist düster, der Blick in die Vergangenheit das einzige, was bleibt: Die Erinnerung an den Sieg bei der „Regatta der Befreiung“, einem traditionellen Kanu-Ruderwettrennen gegen den Nachbarort Zechin, ist auf Super-Acht-Film gebannt – und das einzige, worauf die Bewohner stolz sind.

Oskar Kubiczek (Henry Hübchen) versucht alles, um sein Heimatstädtchen zu retten. Golfplatz, Wellnessfarm oder Freizeitpark – der Bürgermeister strotzt vor Ideen und Tatendrang, versteigt sich aber auch in seinem Optimismus. Er ist der Don Quijote der Provinz. „Hier kämpfst du gegen Windmühlen“, weist ihn seine Frau Irmgard (Dagmar Manzel) zurecht. „Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben“, lautet dagegen das trotzige Mantra des Oskar Kubiczek.

Als er erfährt, dass ein bayerischer Konzern – ausgerechnet ein Zulieferer für Kanu-Fertigteile – in die Region investieren will, ist der Bürgermeister Feuer und Flamme. Es gelte, den „Consultant“, den der Konzern „undercover“ nach Kummerow schicken wolle, von dem Sinn der Investition zu überzeugen. Zweifel und offene Ablehnung schlagen Kubiczek entgegen.

Erst als ein bayerisches Paar in Radlermontur auftaucht, macht sich Hoffnung breit. Die Stadt wird rausgeputzt, ein Stadtfest organisiert, der Kanuclub renoviert und im Alkoholrausch eine neue Auflage der Regatta gegen die Nachbarn aus Zechin vereinbart. Die Ereignisse überschlagen sich fortan, auch Sabotage ist im Spiel. Ungeklärt ist zudem die Rolle des jungen Fremden Axel, der nach einer Autopanne in Kummerow festhängt.

Regisseur Jan Ruzicka hat einen kurzweiligen Film gedreht, der ohne Klischees auskommt und sensibel die Schicksale und Ängste der Stadtbewohner vorstellt. Die Geschichte des Ortes Kummerow balanciert zwischen Komödie und Tragödie. Vor allem Irmgard Kubiczek als Einwohnerin („Ja, wir sind hier ewig weit weg vom Schuss.“) und die bayerische Radlerin als Gast („Hier kommen noch Kinder zur Welt?“) bemühen Vorurteile.

Der Film zieht die Zuschauer auch durch die glaubwürdig gespielten Charaktere in seinen Bann. Henry Hübchen glänzt als Oskar Kubiczek, der sowohl Optimist als auch Egiost ist – und auch vor wenig geschickt inszenierten Intrigen nicht zurückschreckt. So lässt er die Automechanikern der Stadt den „Consultant“ umgarnen. Und versteckt ein Schreiben eines Hamburger Krankenhauses vor seiner Frau, wonach sie in der engeren Auswahl um eine Stelle als Hebamme ist. Das ist Irmgard Kubiczeks Kampf: Der Kampf darum, sich beruflich zu verwirklichen. An einem Ort, wo noch Kinder geboren werden. Insbesondere weil die eigene Tochter als Baby gestorben ist.

ARD, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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