Das Helios-Theater zeigt das Stück „Der Elefant im dunklen Haus“

Mit Schatten erzählen Bahar Sadafi (rechts) und Mamadoo Mehrnejad die Dorfgeschichte im Helios-Theater. Foto: Zimniak

Hamm – Es ist nicht leicht mit den Mitmenschen. Wegen Kleinigkeiten gibt es Streit und Stress. Im Stück „Der Elefant im dunklen Haus“ setzt sich das Helios-Theater mit Konflikten auseinander, und damit, wie man sie lösen kann. Unter Regie von Barbara Kölling ist daraus ein 40-minütiges Stück für Kinder ab 6 Jahren geworden – teils Märchen, teils Nachdenken über das zwischenmenschliche Zusammenleben. Für jüngere Kinder ist es daher vielleicht in allen Punkten direkt zugänglich. Es könnte auch gut ein Vor- und Nachgespräch mit den jungen Besuchern vertragen.

Kölling und die Spieler Bahar Sadafi und Mamadoo Mehrnejad haben die Geschichte aus einer Erzählung des persischen Mystikers Rumi entwickelt. Im Original streiten sich fünf Weise darüber, was ein Elefant ist. Das Tier befindet sich in einem dunklen Haus. Jeder Weise ertastet nur einen Teil des Körpers: Rüssel, Beine oder Rumpf. Jeder nimmt nur einen Teil des Ganzen wahr. Aus der Parabel ist am Helios-Theater eine Geschichte um das Miteinander in einem Dorf geworden. Sie wird, erstmals in der Form am Helios-Theater, als Schattenspiel umgesetzt, eine Kunst, die im Iran, dem Herkunftsland der Spieler, Tradition hat.

Das Schatten-Dorf ist liebevoll umgesetzt: hier eine Antenne auf dem Dach, dort ein Nachbar, der Blumen vorm Haus hat und eine Gießkanne in der Hand hält. Ein Mann hat eine rote Transparentpapiermütze auf. Über den Häusern und dem Baum fliegen Vögel.

Es wird offen gezeigt, wie die Bilder entstehen, auch das ist schön gemacht. Sadafi und Mehrnejad schieben die Figuren vor eine Lampe. Es gibt noch eine zweite Ebene: Sie verschwinden selbst hinter Stellwänden und erscheinen als menschliche Schattenpuppen. In einem Fenster taucht Mehrnejad als Opernsänger auf, er jodelt hingebungsvoll, dann schimpft er über die Familie nebenan, die lieber Discosound aus ihrem Haus dröhnen lässt.

Man verträgt sich nicht im Dorf, es gibt Ärger. Der gärtnernde Nachbar spricht nur persisch (Mehrnejad mit viel komischem Talent) und verärgert damit die Dame von nebenan, empört gekiekst von Sadafi: „Ich verlange, dass Sie mit mir in meiner Sprache sprechen!“ Die Vermieterin beguckt sich die Vorgänge mit dem Fernglas und behauptet sich gegen die Kritik: „Ich vermiete, an wen ich will.“ Chaos, dann wütende Stille im Dorf. Das wird alles anschaulich erzählt; Schattenbilder und Erzähl-Momente wechseln sich ab. Alle Bühnenelemente werden bespielt, auch die Hocker, die später umgedreht und als Projektionsfläche für allein stehende Häuser genutzt werden. Die Fenster werden zugeklappt.

Der Elefant aus dem Titel taucht auf, indem eine Dame aus einem Haus tritt und fragt: „Was ist ein Elefant?“ Hier kippt das Stück ins Märchenhafte. Dafür findet das Team ein ganz entzückendes Bild, indem Teile eines Elefantenkörpers im Schattenspiel-Karussell kreisen. Auch die Beleuchtung (Ausstattung: Kölling und Michael Lurse, Technik: Jan Leschinski) ist dezent und schön gemacht mit zartem Lila und fahlen Tönen.

Zwar gibt’s über den Elefanten wieder Streit, doch am Ende steht eine eindeutige Moral. Denn was nun einen Elefanten ausmacht, Rüssel, Rumpf oder Beine, das ist am Ende egal, Hauptsache, man redet miteinander. Deshalb zieht am Ende der komplette Elefant durch die Bilder, als Symbol fürs Miteinanderreden.

10., 11.2, 17.5., 18., 19., 20.5., Tel. 02381/926837, www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

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