Helios-Theater spielt in Hamm „Hinter den Spiegeln“

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Wer bin ich? Michael Lurse in der Produktion „Hinter den Spiegeln“ des Hammer Helios-Theaters. ▪

Von Edda Breski ▪ HAMM_Der Hund wird noch eine besondere Rolle spielen: Er ist das Wesen, das im neuen Stück des Helios-Theater auf Entdeckungsreise geht; eine Reise, die lautmalerisch beginnt und sich dann in etwas anderes verwandelt. „Hinter den Spiegeln” heißt die neue Produktion, die im Hammer Kulturbahnhof zu sehen ist. Das Lewis-Carroll-Zitat des Titels verweist auf ein Spiel mit Licht, mit Wahrnehmungsebenen, an dem die Zuschauer nicht nur passiv beteiligt sind: Sie dürfen selbst miterkunden. Gedacht ist das Stück für Menschen ab acht Jahren.

Die Geschichte, die die drei Darsteller Michael Lurse, Matthias Damberg und Roman D. Metzner mit einer onomatopoetischen Erzählung beginnen, verläuft eigentlich ins Leere, denn eine Handlung gibt es nur rudimentär, das Spiel wird später nur anspielungsweise noch einmal an den Ausgangspunkt zurückkehren. Ein Hund hechelt einen Berg hinauf und sieht oben einen Tempel mit vielen Spiegeln. Eine definierte Geschichte fehlt aber eigentlich nicht, denn der Zuschauer wechselt bald selbst den Blickpunkt. Er reist durch drei Installationen, darf durch eine Videoprojektion laufen und mit seinem eigenen Bild spielen – mit dem, welches die anderen von ihm sehen.

Das Helios-Theater hat drei bildende Künstler mit ihrer Erschaffung beauftragt. Der Maler Vladimir Kara und der Performance- und Videokünstler David Liver haben bereits mit dem Hammer Ensemble gearbeitet; Kara hat im Kulturhauptstadtjahr 2010 einen Workshop für Jugendliche gegeben, Liver hat für das „Spiel der Kräfte” eine Videoarbeit erstellt. Alexandra Dementieva, die zum ersten Mal in Hamm arbeitete, widmet sich in ihren Videoprojekten sozialpsychologischen Fragen.

Aus dieser Zusammenarbeit hat Regisseurin Barbara Kölling ein Stück voller Leichtigkeit geformt. Natürlich lassen sich aus dem Spiel mit Spiegelfolien und Projektionen existenzielle Fragen ableiten. Wen sehe ich, wenn ich mich im Spiegel ansehe? Wer bin ich? Wer bist du, und wie stehe ich zu dir? Michael Lurse und Matthias Damberg erkunden ihre eigenen Spiegelbilder, halten ihren Zuschauern den Spiegel vor und projizieren Personalpronomen in den Raum. Fragen werden angerissen, aber nicht beantwortet, weil es keine (einfache) Antwort gibt. „Hinter den Spiegeln” ist ein sanft philosophisches und leicht esoterisches Stück. Und ein witziges: Wer es sieht, wird oft herzlich lachen, weil es komisch ist, sich und andere verzerrt zu sehen, und weil das auf so liebevoll-verspielte Art dargestellt wird.

Roman D. Metzner hat eine Musik gemacht, die aus sanft fragenden Tönen aus Synthesizer oder gedämpftem Flügelhorn besteht: Töne, die sich ausbreiten wie Ringe, wenn man einen Stein ins Wasser geworfen hat.

12., 13. Oktober, 13.-16., 18. Dezember, Tel. 02381/926837

http://www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

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