Das Helios-Theater Hamm spielt „Suche Finde Freund“

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Mit Köpfchen: Szene aus „Suche Finde Freund“ am Helios-Theater mit Holger Queck und Matthias Damberg ▪

Von Carmen Möller-Sendler ▪ HAMM–Der Mann sitzt auf einen Stuhl. Seine Lippen formen etwas, doch man hört es nicht. Man kann es nur sehen, denn seine tonlosen Lippen werden riesengroß über eine Videokamera auf die Leinwand übertragen. Nach einer Weile gelingen erste Laute, Wörter, ein Rhythmus, ein ganzer Satz. Die mucksmäuschenstill im Publikum lauschenden Kinder begreifen: Sprache ist etwas Wunderbares, Sich-Mitteilen-Können erst recht.

Doch dafür braucht es zwei, stellen sie schnell fest: Einen, der spricht – und einen, der hört. Der antwortet, wiederholt, fragt, ergänzt .... „Wenn da einer wäre … … wenn einer der da wäre .. der wäre da .. ein Freund – ein echter“, sinniert Matthias Damberg in Barbara Köllings Inszenierung von „Suche Finde Freund“ am Hammer Helios-Theater. Im Stück für Menschen ab vier streift der durch unendliche Weiten, ebenso simpel wie genial in Szene gesetzt durch drei verschiebbare Leinwände, auf die mal Wald, mal Menschenmenge, mal Meer projiziert wird. Plötzlich ein Ton ... eine Melodie. Ein anderer Mensch! Mit Tönen und Worten nähert sich Holger Queck dem Suchenden an. Formt rhythmische Laute, experimentiert und spielt mit dem Klang. Die beiden streifen gemeinsam durch die Wunderwelten von Sprache und bunten Bildern, entdecken kostbare Worte und das Geschenk der Freundschaft. Sie zanken und trennen sich, sie suchen einander und vertragen sich wieder: All dies Erlebnisse, die auch die Kleinsten schon kennen.

„Komm, los! Mit mir!“ „Mit dir?“ „Mit mir!“ „Jetzt?“ „Jetzt!“ Unterwegs probieren beide die Sprache aus. Im Wald formen sie Wörter, die mit a beginnen. Stellen Sätze um und lauschen mit den Kindern neuen Bedeutungen nach. Sie nehmen die Worte aus dem Kontext, sortieren sie neu. Jetzt sind sie Vögel, recken die Köpfe zwischen den projizierten Wellen auf der geschlitzten Videoleinwand heraus und rudern mit den Armen im Wind: „Wohin wollen wir?“ „Weit, weit weg!“ „Wollen wir weiter?“ „Wir wollen weit weg!“ Sie blubbern im Schlick, sie klettern singend übereinander und rangeln darum, wer wem den Arm um die Schultern legen darf. Verlieren sich. Ein starkes Bild, wie plötzlich Matthias Damberg den Kopf zwischen der Menschenmenge auf der Leinwand herausreckt. „Entschuldigung. Ich suche meinen Freund – haben Sie? Ach so, nein. Danke.“ Bis ihn ein Rhythmus aufhorchen lässt: Da ist er, der Freund. Seine Melodie.

Mit klarer Eindringlichkeit und lautmalerischer Virtuosität bringen die beiden Schauspieler, technisch unterstützt durch Jolanda Uhlig, die überraschenden, amüsanten, zuweilen dadaistisch anmutenden Sprachspiele auf die von Michael Lurse eingerichtete Bühne des Helios-Theaters – ein Gewinn selbst für die Kleinsten. Und auch die Großen haben ihren Spaß.

12., 13.6., Tel. 02381/ 926837, http://www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

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