Das Helios Theater Hamm spielt Indianer-Mythen

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Großvater Bussard fliegt über die Erde: Helena Aljona Kühn im aktuellen Stück des Helios Theaters Hamm.

HAMM - „Ich fühle mich vollkommen“, sagt der Mensch, hat aber nicht bedacht, dass der Kojote sein Schöpfer ist. Helena Aljona Kühn strahlt übers ganze Gesicht. Sie steht hinter einer Drehscheibe, auf der später verschieden geformte Lehmfiguren die Menschheit symbolisieren. Sie sind abstrakt, lassen aber erahnen, dass Vollkommenheit nicht erstrebenswert sein kann, wenn Unterschiede uns ausmachen.

Von Achim Lettmann 

Helena Aljona Kühns Spiel und ihre Sprache vermitteln eine Zuversicht im Hammer Helios Theater, die eigentlich die ganze Inszenierung von „Alter – Mann – Kojote erschafft die Welt“ durchdringt. Es ist eine narrative Geschichte über die Entstehung der Welt, die Barbara Kölling aus vier indianischen Mythen für die Bühne erarbeitet hat. Dabei legt die Regisseurin mehr Wert auf das gesprochene Wort. Das Helios Theater Hamm, das mit seinen Produktionen für die Allerkleinsten international Maßstäbe gesetzt hat, richtet sich diesmal an Kinder ab fünf Jahren. Es ist die Zeit, in der die ersten großen Fragen nach Herkunft und Existenz des Lebens gestellt werden.

Mit tröpfelnden Xylophonklängen beginnt auf der kreisrunden Bühnenfläche ein greifbarer Schöpfungsakt. Helena Aljona Kühn, neue Schauspielerin am Helios Theater, fasst in den feuchten Lehm als Urstoff für Erde und Leben. Sie richtet sich kess auf, um zu signalisieren, dass die Tiere „hoch oben über dem Regenbogen“ mehr Platz brauchen. Irgendwann muss der „Großvater Bussard“ losfliegen, um eine trockene Stelle auf der Erde zu finden. Helena Aljona Kühn schwingt mit ihrer Handfläche über die rotierende Scheibe und verdichtet das Tempo der Suche.

Richtig dramatisch wird das nicht, aber als die Erzählerin von „pechfinster“ spricht und das Licht langsam ausgeht, werden im Bühnenraum Respekt und Konzentration spürbar. Die fünfzehn Kitakinder sind aufmerksam. Sie haben sich auf die schlichten Bühnenmittel eingelassen und folgen der Geschichte. Die Sonne ist eine Taschenlampe und wärmt. Die Tiere skizziert Helena Aljona Kühn als typisierte Figuren: der Löwe grollt mit großer Pranke, der Bär schaukelt tapsig, der Rehbock wirkt mit seinem Spreizschritt exaltiert, und das Gebirgsschaf schmatzt besserwisserisch daher. Amüsant sind die fabelhaften Personifizierungen. Maus, Biber, Eule und der Maulwurf mit den Knibbelaugen folgen.

Die Vorschläge der Tiere, wie der Mensch sein muss, macht der Kojote zunichte, und Helena Aljona Kühn drückt Lehmfiguren platt. Der Kojote tritt stolz und fordernd in Erscheinung und korrigiert die „Vollkommenheit“ des Menschen. Welche indianische Weisheit dahinter steckt, erschließt sich bei indigenen Völkern im Verhältnis zu Natur und Tierwelt. Hier muss das nicht artikuliert werden.

Die Inszenierung von Barbara Kölling besticht mit wirkungsvollen Gesten, klaren Körperfiguren und erzählerischen Dialogen. Helena Aljona Kühn ist eine bildhafte Erzählerin. Ihr dosiertes Spiel zeigt, wie einfach das Archaische mit dem Erstaunlichen zusammen geht.

18., 19. 3., 11 Uhr; Tel. 02381/926837; www.helios-theater.de; nächste Premiere: Die Wundermauer (ab 7 Jahren), 17. April

Quelle: wa.de

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