„heavy metal“ am Helios Theater Hamm erprobt Metall für Menschen ab 10

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Figürchen für „heavy metal“ am Helios Theater in Hamm. Mit Lisa Maria Heigl und Roman D. Metzner. ▪

Von Achim Lettmann ▪ HAMM–Wie eine künstlerische Versuchsanordnung wirken die Ölfässer und Metallplatten im Hammer Helios Theater. Zählen die großen Gegenstände zum abstrakten Inventar einer Konzeptkunst?

Nein, es wird konkret im Theaterstück „heavy metal“ für Menschen ab zehn Jahren. „Rrasch, rrasch“, ist zu hören, und „tissch, tissch“, wenn die mächtige Platte feine Töne freigibt. In die Stille erweitert ein Hall das Volumen der ersten Klänge, und zum Raumgefühl sind Worte hörbar, die das Bühnenbild (Peter Ketturkat, Michael Lurse) meinen: rau, Rost..., rot, rostrot..., scharfe Kante, spitze Spitze. Die Sprache versucht die Eigenschaften des Metalls zu benennen, wie das Helios Theater in seiner neuen Produktion dem Material auf die Spur kommen will. Michael Lurse spricht die Worte schnell und zischend aus, so dass erkennbar wird, welche neue Qualität über das bearbeitete Material in die Welt kam. Metall ist auch gefährlich.

Neben den Bühnenbearbeitungen zu Wasser und Holz (ab 2 Jahren) gibt es nun also „heavy metal“. Regisseurin Barbara Kölling setzt auf die schrittweise Themenentwicklung. „Ich mag alles was gold ist“, berührt beispielsweise die Begierde des Menschen. Lisa Maria Heigl schmückt sich mit glänzenden Blechen, die an einem Metallkranz hängen. Das Gefühl fürs kühle Metall macht an, und sie gefällt sich, posiert mit dem neuen „Freund“. Formen aus Metall werden zum Vehikel von Selbstinszenierungen, von Komik, Tanz und Clownerien, ohne daraus eine dramaturgische Linie zu entwickeln.

Es gibt so viel zu zeigen. Eine Puppe steigt ganz magisch aus einem Ölfass auf. Ihre Faszination wird mit dem Säbel bestimmt, den Lurse schwingen lässt. Solche Eindrücke sind in keine Erzählform gefasst, sondern eher herausgestellt, unmittelbar fokussiert.

Mit dem atmenden Akkordeon von Roman D. Metzner werden Spannungen aufgebaut und Erzählstimmungen erweckt. Eine Miniatur-Eisenbahn fährt los, im Kopf kommt schon ein Roadmovie in Gang. Und über digitale Bilder wird der Krieg mit Figürchen simuliert. Das Stück „heavy metal“ erinnert an Waffen und mit einem Zitat von Friedrich Engels („Der Arbeiter ist Sklave der besitzenden Klasse“) auch an die Industriearbeit. Metall hat eine gesellschaftliche Dimension, so die Botschaft.

Mi./Do. 11 Uhr; Fr. 11 und 19 Uhr; Tel. 02381 / 926837

http://www.helios-theater.de

Quelle: wa.de

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