Der Hartware Medienkunstverein zeigt die Ausstellung „Böse Clowns“

Das Selbstporträt von Marion Auburtin als „Clown Maléfique“ (2014) ist in der Dortmunder Ausstellung „Böse Clowns“ zu sehen. - Fotos: hmkv

Von Ralf Stiftel DORTMUND - Mit gefletschten Zähnen bleckt der Clown den Betrachter an. Die französische Künstlerin Marion Auburtin hat sich selbst als überaus bedrohlichen Spaßmacher gezeichnet. Fast wie ein Zombie wirkt sie in ihrem Selbstporträt – und erst der zweite Blick verrät, dass sie offenbar eine Pappmaske vorgebunden hat. Ihr Ohr und ihr Haaransatz erscheinen rechts.

Das Blatt ist in der Ausstellung „Böse Clowns“ zu sehen, in der der Hartware Medienkunstverein ein Thema aufgreift, das nicht erst zu Halloween geradezu virulent wird. Immer öfter sieht man in Medien und in der wirklichen Welt die Rotnasen ins Gruselfach verschoben. Selbst ein Horror-Zirkus ist ja erfolgreich auf Tournee.

Im Dortmunder U sind nun Videos, Fotos, Plattencover, Installationen, Zeichnungen zu sehen, die das Motiv des aggressiven, destruktiven Narren variieren. Darunter sind Arbeiten namhafter zeitgenössischer Künstler ebenso wie Aktionen anonymer Kollektive. Den bösen Clown findet man in der Pop- und Alltagskultur ebenso wie in der Kunst. Schon nach dem Ersten Weltkrieg streifte George Grosz mit einem Pappmaché-Totenkopf über den Kurfürstendamm in Berlin – eine provokante Dada-Aktion.

In die Pop-Kultur geriet der böse Clown vor allem durch Stephen King, der 1986 für seinen Horror-Roman „Es“ die Figur Pennywise schuf. Vielleicht wurde er inspiriert durch Pogo den Clown. In dieser Verkleidung machte sich der Serienmörder John Wayne Gacy an seine Opfer heran, bis er 1978 verhaftet wurde. Ein anderer böser Clown ist der Joker, Gegenspieler des Comichelden Batman. Die Zeichentrick-„Simpsons“ haben Krusty, den Freund der Kinder, der sich hinter den Kulissen als zynischer Menschenfeind entpuppt. Auch Pop-Bands arbeiten mit dem Motiv. Ein berühmtes Beispiel ist die amerikanische Undergroundband „The Residents“, deren Mitglieder nur maskiert auftreten, mit Augäpfeln über dem Kopf.

Ein Clown, der positiv begann, ist Ronald McDonald, die Werbefigur der Fast-Food-Kette. Aber im Laufe der Jahre wandelte sich sein Image. Je kritischer die Öffentlichkeit den Burgerbratern gegenübertrat, desto mehr sah man auch den Clown als Figur, die Kinder zu Konsumenten manipulieren sollte.

Ein Höhepunkt dieser Linie ist ein B-Movie von 1988, die „Killer Klowns From Outer Space“. Menschenfressende Aliens verkleiden sich als Zirkusdarsteller. Jeden Neugierigen, der sich ihnen nähert, spinnen sie mit Zuckerwatte ein und deponieren ihn als Vorrat im fliegenden Zelt.

Daneben gibt es den Clown in der Nachfolge der Hofnarren. Besonders in den USA nutzen Aktivisten die Maskerade für subversive Auftritte. Die „Yes Men“ kapern Unternehmensauftritte im Netz. Einer von ihnen gab der BBC ein Interview – als offizieller Vertreter des Chemieunternehmens Dow Chemical. Er verkündete, dass die Firma die Opfer der Katastrophe von Bhopal entschädigen wolle, was zu einem Kurseinbruch an der Börse führte. Nach einer Stunde fiel der Schwindel auf. In Los Angeles inszeniert die Cacophony Society Aktionen wie eine Gruppe, die nackt Straßenbahn fährt, und eine Verfremdung von McDonalds-Reklame mit dem zweideutigen Slogan „To Serve Man“, was nicht nur „dem Menschen dienen“ bedeutet, sondern auch „den Menschen auftischen“.

In diese Kategorie gehören auch die Auftritte der russischen Punkband „Pussy Riot“: Das Video vom gesungenen Anti-Putin-Gebet in einer orthodoxen Kirche läuft in Dauerschleife. Und die lächelnde Guy-Fawkes-Maske des Anonymous-Netzwerks kann man auch als Clowns-Maskerade interpretieren.

All das präsentiert die Schau als unterhaltsamen Rundgang, mal mit originalen Arbeiten wie einem Rollen-Selbstporträt der Fotografin Cindy Sherman, mal mit Dokumenten und Videos. Man kann viel sehen in der Schau, wie die anarchischen Sendungen, die der 2010 verstorbene Regisseur Christoph Schlingensief 2000/2001 für MTV drehte. Als Showmaster brachte er in einer Berliner U-Bahn B-Prominente wie Bärbel Schäfer und Roberto Blanco mit Sozialhilfeempfängern und Akteuren seines Ensembles zusammen.

Verstörend ist der Film des israelischen Videokünstlers Roee Rosen. In „Hilarious“ (2010) erlebt man eine Stand-Up-Komikerin mit einer Flut politisch unkorrekter Witze über Juden, Obama, Araber. Schließlich erzählt sie eine aufgekratzte Story über einen Juden, einen Millionär und eine „hochschwangere Schlampe“ im World-Trade-Center, das gerade vom Terroranschlag des 11. Septembers 2001 getroffen wurde. Die Schlusspointe, „Wir werden alle sterben“, belacht nur noch die Erzählerin selbst.

Bis 8.3.2015, di – so 11 – 18, do, fr bis 20 Uhr, Tel. 0231/ 49 66 420, www.hmkv.de, Katalog in Vorbereitung

heute Halloween-Aktion mit Schminktipps, bis 23 Uhr

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare