Der Hartware Medienkunstverein macht Rohstoffe zum Thema einer Ausstellung

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Landbau in Äthiopien: Die Fotografie von Uwe H. Martin und Frauke Huber aus der Serie „Landrush“ ist in der Dortmunder Ausstellung „World of Matter“ zu sehen.

Von Marion Gay DORTMUND - In der roten Sofaecke stehen iPads bereit zum Filmeschauen. Man kann zwischen den Schauplätzen wählen: Iowa, Mato Grosso in Brasilien oder Äthiopien. Es geht um die Zukunft der Landwirtschaft. Um Ernährungssicherung, Energieproduktion und Landinvestition, um Soja und Ethanol. Die Präsentation „Landrush“ (2011-2014) von Uwe Martin und Frauke Huber zeigt beängstigende Zukunftsperspektiven in wunderschönen Landschaftsaufnahmen.

Mit „World of Matter“ präsentiert der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) im Dortmunder U ein internationales Forschungs-, Ausstellungs- und Webprojekt, das sich mit Rohstoffen und deren komplexen Ökologien auseinandersetzt. Das vielschichtige Projekt wurde 2010 von einer Gruppe von Künstlern, Fotojournalisten und Theoretikern gegründet, um den öffentlichen Diskurs über Rohstoffe zu erweitern. Dortmund ist die erste Station der Schau, die von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wurde. Anschließend gehen die Multimedia-Installationen der elf Künstler nach New York, Montreal, Minneapolis und Stockholm.

Weltweit werden Ressourcen wie Wind und Wasser immer mehr privatisiert. Rohstoffe, eigentlich zur Versorgung von Menschen bestimmt, sind lukrative Spekulationsobjekte geworden. Die Ausstellung beleuchtet Orte besonderer materieller Bedeutung wie zum Beispiel Goldminen in Brasilien, Reis- und Baumwollplantagen in Südostasien und Teersandfelder in Kanada. Es geht um Landgewinnung in Ägypten, Fischerei in der Nordsee und den Zuckerhandel in Nigeria.

„Baumwolle ist das Trojanische Pferd der Gentechnik“, sagt der Fotojournalist Uwe Martin, der sich seit 2007 für die Textilindustrie interessiert. Während seiner ausgiebigen Feldstudien entdeckte er, dass Baumwolle nicht nur in unserer Kleidung, in Hygieneartikeln und im Filmmaterial steckt sondern auch in der Nahrung. Er bereiste unter anderem Indien, Brasilien und Burkina Faso und präsentiert sein umfangreiches Film- und Fotomaterial in der Installation „White Gold“ (2007 – 2014). Anders als in einer Magazin-Reportage lassen sich hier gegensätzliche Positionen zeigen, kommt der Pro-Gentechnik-Farmer ebenso zu Wort wie der Befürworter des traditionellen Anbaus, der Windparkbetreiber, der Fabrikarbeiter etc.

Es braucht Zeit, all die Dokumentationen auf sich wirken zu lassen. Allein die Multimedia-Installation „Monument of Sugar“ (2007) der Niederländer Lonnie van Brummelen und Siebren de Haan dauert mehr als eine Stunde. Eine Bodeninstallation aus 304 Zuckerwürfeln à 10 Kilogramm verweist auf das komplexe Thema des globalen Zuckerhandels, dem sich das Video widmet. Ausgangspunkt war ein Besuch in Polen, wo den Künstlern gesagt wurde, dass seit des Beitritts Polens in die EU der Zucker doppelt so süß ist wie zuvor. Im Film folgen die Künstler dem Weg des überproduzierten Zuckers bis nach Nigeria, wo die heimische Zuckerproduktion zerstört wurde, der Staat stattdessen von hohen Einfuhrzöllen profitiert.

„Die Menschheit ist eine geophysische Kraft, die die Welt verändert, wie man es bisher nicht gekannt hat“, sagt die Schweizer Künstlerin Ursula Biemann. Ihre Videoprojektion „Deep Weather“ (2013) verbindet Dokumentation mit Poesie. Sie beginnt bei den gigantischen Teersand-Abbaufeldern in Kanada, die sich in die Waldlandschaft graben, und führt zu einem kollektiven Deichbau in Bangladesh, wo der Anstieg des Meeresspiegels die Bewohner in Bedrängnis bringt. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erschließt sich beim Betrachten des Videos, das sehr ästhetisch Porträts der Bevölkerung mit Landschaftsaufnahmen und gedichtartigen Satzpassagen mischt.

Bis 22.6.,

di – sa 11 –18 , do, fr 11 – 20 Uhr,

Tel. 0231/ 496642-0

www.hmkv.de

Quelle: wa.de

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