Ausverkaufte Arena

Hartmut Engler und Pur begeistern in Köln

+
Hartmut Engler in der Lanxess-Arena

KÖLN -  Unter ihren Songs seien auch ein paar einfachere, vielleicht banal klingende Lieder, verkündet Pur-Frontmann Hartmut Engler zu Beginn ihres Konzerts in der Kölner Lanxess-Arena. Entschuldigen für Purs Popmusik muss er sich nicht – vor allem nicht bei seinem Publikum, das hier und da in kompletter Fan-Montur in die ausverkaufte Halle angereist ist.

Von Tim Griese

„Schein & Sein“ ist der Name des im November erschienenen 14. Albums der sieben Baden-Württemberger. In Köln gibt es dementsprechend die volle Breitseite an neuem Material, darunter das auffällig rockige „Du lügst“, der Mutmacher „Stark“ oder die Spaßnummer „Hohlraumversiegelung“. „Wer die deutsche Sprache mag, liebt Wortspielereien“, erklärt Engler die Idee zum Lied. „Ich wusste gar nicht, was das Wort bedeutet, also habe ich es mit neuem Sinn gefüllt.“

Ernste Töne schlägt die Band bei den beiden Anti-Kriegs-Nummern „Brüder“, das mit Sirenengeheul eingeleitet wird, und „Kein Krieg“ ein. „Die Nummer ist über 20 Jahre alt“, berichtet Engler. „Wenn man die Nachrichten sieht, ist es, als wäre seitdem nichts geschehen. Das ist beschämend.“

Viele bekannte ältere Stücke packen Pur in ein Akustikset, das sie recht früh am Abend am Ende des Laufstegs in der Hallenmitte geben. In einem Medley spielt und verwebt die Band unter anderem „Wenn sie diesen Tango hört“, „Wenn du da bist“, „Funkelperlenaugen“ und „Indianer“. Bei letzterem beweist Hartmut Engler Sinn für Humor und zieht sich einen bald bodenlangen Federschmuck über den Scheitel.

Dass er sich nicht immer allzu ernst nimmt, zeigt der sympathische Sänger, der nach einer Stimmbandreizung wieder genesen ist, auch bei „Ohne dich“. Um Beziehungsstress gehe es in dem Stück, das ganz tief die 80er atmet und im Refrain entfernt an Zoffs „Sauerland“ erinnert. „Beziehungsstress gab’s damals auch schon. Ich hätte nicht gedacht, dass mich das mein Leben lang verfolgt.“

„Ich lieb’ dich“ wird zuerst nur von einer Akustikgitarre begleitet und geht dann in die Vollen. „Wir haben im Laufe der Jahre immer wieder ältere Stücke modifiziert. Den Song erkennt ihr erst dann, wenn der Mann mit der krummen Nase anfängt zu singen“, witzelt der 51-jährige Engler. Auf die anderen großen Hits braucht in der Arena niemand vergeblich zu warten: „Abenteuerland“ spielt die Band ebenso wie „Lena“ oder „Freunde“.

Dafür, dass bei den Pop-Klassikern des Septetts die Tribünen bedrohlich wackeln und sich der Innenraum in ein Meer aus klatschenden Händen verwandelt, sorgt vor allem der Damenbesuch, der in Köln deutlich in der Mehrheit ist. Das wird auch bei den Chören deutlich, zu denen die Fans immer wieder ansetzen. Denn Pur-Frontmann Engler testet gerne und häufig die Textsicherheit seiner Zuhörer – und die geben sich selbstverständlich keine Blöße. Rührend, wenn eingefleischte Fans mit einem Lächeln im Gesicht und eifrig klatschend jede einzelne Zeile ihrer Lieblingssongs mitsingen.

Eine Konzertbesucherin hat großes Glück: Ivi aus dem Publikum darf neben Hartmut Engler auf einer Bank Platz nehmen und lauschen wie er „Parkbank“ singt – und beweist mit klimpernden Augen und schmachtvollem Blick schauspielerisches Talent.

Nicht mehr als gute Laune will die Band verbreiten, das ist jederzeit spürbar. Sie wollen jemand sein, auf den man sich verlassen könne, sagt der Sänger. Egal, wie banal die Texte über Liebe, Älterwerden und Alltagsweisheiten sind, ihr Vorhaben gelingt. Das Publikum hat auch nach rund zweieinhalb Stunden noch immer nicht genug und will die Band um Engler, der zum Schluss zu „Party Time in Kölle“ aufruft, erst gar nicht ziehen lassen.

Quelle: wa.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare