Harry Dolans Krimi „Böse Dinge geschehen“

Von Ralf Stiftel ▪ In der Mitte seines Romans liefert Harry Dolan den Bauplan einer Kriminalgeschichte: „Pläne gehen schief, böse Dinge geschehen, Leute sterben.“ Sein Buch erfüllt dieses Muster perfekt. Das Ergebnis könnte grauenhaft sein: Ein Kriminalroman, der unter Krimi-Autoren spielt, denen Morde widerfahren, die in ihren Geschichten beschrieben sind.

Es gibt solche Bücher ja schon, aufgeplusterte Pseudoliteratur, die aus der Arroganz entsteht, man könne es einfach besser als der Schreiberling gewöhnlicher Morderzählungen.

Doch so lakonisch wie das Ein-Satz-Rezept ist, so genau trifft Dolan in „Böse Dinge geschehen“ den Ton des guten Roman noir. Seinen Helden, der sich David Loogan nennt, verschlägt es in die Redaktion eines Krimi-Magazins. Eines Tages bittet sein Chef ihn um Hilfe: Eine Leiche soll verschwinden. Wenig später finden sie den Chef ermordet. Dabei ist es wenig hilfreich, dass Loogan eine Affäre mit der Frau seines Chefs begonnen hatte. Er weiß, dass er durchaus zu den Verdächtigen gehört, abgesehen davon, dass die Polizei es nicht gern sieht, wenn man Leichen verschwinden lässt. So muss Loogan nach einem Mörder suchen. Und der Leser merkt bald, schneller jedenfalls als die Polizistin Elizabeth Waishkey, dass Loogan noch mehr Geheimnisse mit sich trägt.

Der US-Autor lädt sein Buch mit Anspielungen voll, selbst der Name seines Helden ist bei Chandler geborgt. Aber er hält das in einem realistischen Rahmen. Es gibt solide Motive für die Verbrechen, denen reihenweise Schriftsteller zum Opfer fallen. Dolan schildert sehr hübsch, wie Loogan und die Polizistin parallel ermitteln. Und dazu baut er mit feinem Witz Verweise auf Klassiker ein. Über eine Autorin heißt es: „Sie schreibt eine Krimiserie über eine Kunsthändlerin, die mit Hilfe ihres Golden Retrievers Fälle löst.“ Da weiß man gleich, woran man bei Bridget Shellcross ist. Und wie hübsch, wenn ein Mordfall genau dem Muster folgt, das Shellcross in ihrem zweiten Buch benutzt hat. Worauf sie auch süffisant hinweist.

Dolans Buch ist selbstreferentiell, gewiss. Aber er meistert geschickt die Gratwanderung zwischen literarischer Spielerei und Spannungsgeschichte. Das Finale am Grab im Wald jedenfalls hat Klasse.

Harry Dolan: Böse Dinge geschehen. Deutsch von Martin Ruben Becker. dtv, München. 415 S., 14,90 Euro

Quelle: wa.de

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