Harald Schmidt kuschelt bald bei Sky

Harald Schmidt wechselt zur kommenden TV-Saison mit seiner Late-Night-Show zum Pay-TV-Sender Sky. ▪

Vor fünf Wochen gab der Privatsender Sat.1 bekannt, dass „Die Harald Schmidt Show“ nicht aus der Sommerpause zurückkehren werde. Der Entertainer selbst betonte stets, dass am 3. Mai lediglich die letzte Sendung beim „Power-Kuschel-Sender“, wie Schmidt die Münchener TV-Station in harmonischen Zeiten nannte, ausgestrahlt werde. Nun wurde bekannt, was es mit diesen Kommentaren auf sich hatte: Der 54-jährige Entertainer wechselt mit seiner Show zur kommenden Fernsehsaison zum Pay-TV-Sender Sky.

Von Marcel Guboff

Ohnehin war es schwer zu glauben, dass das Aus bei Sat.1 auch Schmidts TV-Karriere beendet würde. Denn selten war der Late-Night-Moderator derart in Höchstform. In einer offiziellen Mitteilung kommentierte Schmidt sein Ende bei Sat.1 lediglich mit einem schlichten „Schade“. Doch in der Sendung selbst lässt der Entertainer seitdem keine Gelegenheit aus, den Tag der letzten Show zu thematisieren. Aufgrund der hohen Benzinpreise etwa sei es so teuer, zur Arbeit zu kommen, „dass ich gesagt habe: Im Mai ist Schluss“, argumentierte der 54-Jährige bissig und gekonnt selbstironisch. Eben genau so, wie es sich Sat.1 von der Rückholaktion erhofft hatte. Das Zuschauerinteresse blieb jedoch gering, die Quoten waren selten auch nur annähernd in der Nähe des Sendeschnitts von etwa zehn Prozent – der Marktanteil lag bei miserablen 6,5 Prozent. „Wir haben ja seit September auch sehr viel versucht, unter anderem einen festen Sendeplatz und die Erhöhung der Sendefrequenz“, erläutert Sat.1-Sprecherin Diana Schardt.

An „Dirty Harry“ habe es nicht gelegen. „Wenn es einer kann, dann er“, meint Schardt. Schließlich hat sich der Entertainer in seiner ersten Sat.1-Zeit von 1995 bis 2003 mit seiner Show einen Namen gemacht und war auch aus Quotensicht erfolgreich. „Damals hat er vom Effekt der Neuigkeit profitiert“, glaubt Horst Röper vom Formatt-Institut in Dortmund. Dieser sei nun verpufft. „Obwohl der Meister findig ist, wird so ein Format offenbar auf Strecke langweilig.“

Das Problem liege demnach am Genre Late-Night selbst. „Es ist kein Format für die Deutschen“, sagt der Medienfachmann. Das habe sich im Fall Harald Schmidt zweimal bei Sat.1 und einmal in der ARD bewahrheitet. Aber eben auch bei mehreren anderen Versuchen, eine Late-Night-Show zu etablieren, wie etwa bei Anke Engelke. In den USA ist das Genre aus der Fernsehlandschaft indes kaum wegzudenken. David Letterman oder Jay Leno erreichen dort in aller Regelmäßigkeit durchschnittlich vier Millionen Zuschauer.

Horst Röper schließt aus, dass sich eine Late-Night-Show bei den großen Sendern noch einmal durchsetzen könne. Aber eventuell bei einer TV-Station, bei der der Sprung zwischen Nachmittags-Trash-Formaten und gehobene, intellektuelle Unterhaltung nicht so groß ist. Bei Sat.1 spielt ein solches Format „keine Rolle mehr“, bestätigt Diana Schardt. Röper indes könnte sich eine solche Sendung „bei kleinen Sendern wie Arte oder 3sat vorstellen“ – als Nischenprodukt ohne Quotendruck.

Oder eben im Pay-TV. „Late Night bei Sky – für mich der Himmel auf Erden“, kommentierte Schmidt seinen Senderwechsel in gewohnt überzeichnender Manier, während Produzent Fred Kogel per Mitteilung verkündete: „Meine Gespräche mit Sky und die gemeinsame Vision von Programmqualität haben zu einem schnellen Ergebnis geführt. So können wir nach der geplanten Sommerpause zum Start der neuen Bundesligasaison unsere Show in gewohnter Weise fortführen und dies bei der Erstausstrahlung wie von den Fans gewünscht eine Stunde früher.“ Ansonsten werde sich an der Show nichts ändern.

Harald Schmidt wechselt mit seiner Late-Night-Show von Sat.1 zum Bezahlsender Sky. Seine „Harald Schmidt Show“ legt eine Sommerpause ein und kehrt im Herbst zurück. Wie bisher soll es wöchentlich bei den Bezahlsendern Sky Atlantic HD und Sky Hits/HD von dienstags bis donnerstags drei Sendungen geben, allerdings bereits um 22.15 Uhr. Ob Schmidt als Anreiz für Nicht-Sky-Kunden manchmal auch unverschlüsselt zu sehen sein wird? Das sei derzeit nicht geplant, sagte ein Sky-Sprecher.

Quelle: wa.de

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