Harald Schmidt führt durch Mozarts „Hochzeit des Figaro“

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Ein Erzähler für Mozart: Harald Schmidt in Bochum

Von Sven Prillwitz ▪ BOCHUM–Harald Schmidt sitzt im Halbdunkel. Die Fingerspitzen beider Hände hat er gegeneinander gelegt. Seine Stirn ist leicht gerunzelt, hin und wieder nickt er.

Als die Bochumer Symphoniker die Probe unterbrechen, klatscht Schmidt in die Hände, ruft „Bravo“. Als der Dirigent ihn auf die Bühne bittet, schnellt der Entertainer aus seinem Sitz hoch. Mit federnden Schritten verlässt Schmidt das Halbdunkel des Zuschauerbereichs und eilt auf ein Podest neben der schwarzen Bühne. Im gleißenden Scheinwerferlicht klärt das TV-Lästermaul ein imaginäres Publikum über eine Frau namens Barbarina auf – in der ihm eigenen Art und Weise: mit trockenen, ironischem bis zynischem Humor und ausladenden Gesten.

Es ist der achte Tag, an dem im Audi-Max der Bochumer Ruhr-Universität die Proben laufen zu einer Neufassung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“. Die Oper erzählt die Geschichte des Bediensteten Figaro, der das Dienstmädchen Susanna zur Frau nehmen will. Diese fürchtet sich jedoch vor den Zudringlichkeiten des gemeinsamen Arbeitgebers, des Grafen Alamaviva. Dessen Liebe zur Gräfin Rosina ist erkaltet. Nach einigen Intrigen und Täuschungsmanövern finden Figaro und Susanna sowie Graf und Gräfin am Ende schließlich doch zusammen.

Harald Schmidt hat Mozarts Meisterwerk mit Steven Sloane, dem Generalmusikdirektor der Bochumer Symphoniker, neu inszeniert – und wirkt auch auf der Bühne aktiv mit: als Kommentator. „Ich fasse Inhalte zusammen und charakterisiere Figuren“, erklärt Schmidt. Damit soll die rund dreieinhalbstündige Inszenierung einerseits aufgelockert werden. Andererseits, so Schmidt weiter, biete sich dem Publikum so die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren zu können. Gesungen wird auf italienisch. „Aber auch wenn auf deutsch gesungen werden würde, könnte man bei den ganzen Verwirrungen einen Kommentator gut gebrauchen“, sagt Schmidt.

Seine Moderationen haben zudem den Zweck, dem Publikum das Bühnenbild zu erklären. Insbesondere für Opern-Neulinge eine sinnvolle Hilfestellung, denn die Inszenierung im Audi-Max ist auf Minimalismus angelegt: Gespielt wird auf einem schrägen schwarzen Bühnenboden. Weiße Kreidestriche umrahmen die Spielorte, Requisiten kommen äußerst sparsam zum Einsatz. „Wir haben, was die Bühne angeht, hier keine großen Möglichkeiten. Aber genau das macht den Reiz aus“, erklärt Schmidt. Die Neufassung sei nah an das Original angelehnt. Lediglich auf einige Nebenfiguren und Rezitative werde verzichtet, um den Inhalt zu straffen, so Schmidt.

„Die Hochzeit des Figaro“ ist die zweite Kooperation zwischen ihm und den Bochumer Symphonikern. Eine Talkshow, die sich um klassische Musik dreht, hat er unter dem Titel „BoSy Schmidt Show“ bereits auf die Bühne gebracht. Ein musikalisch literarischer Abend zu Johann Wolfgang von Goethes „Faust“, an dem Harald Schmidt auch als Schauspieler zu sehen sein wird, und ein Familienkonzert sind weitere Projekte, die für dieses Jahr geplant sind.

Audi-Max der Ruhr-Universität Bochum, 24. und 25. Februar, 19.30 Uhr.

Tel. 02 34 /33 33 55 55; www. bochumer-symphoniker.de

Quelle: wa.de

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