Hans Jürgen Kallmann auf Haus Opherdicke

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Mit respektvollem Realismus porträtierte Hans Jürgen Kallmann 1963 den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer.

HOLZWICKEDE  - Die 89 Jahre sieht man Konrad Adenauer an. Das hagere Haupt richtet den Blick wachsam zur Seite, auf den Betrachter. Keine Runzel ist kaschiert, die schlaffe Haut der Wange getreu eingefangen. Hans Jürgen Kallmann schönte nichts, als er 1963 den Bundeskanzler porträtierte. Aber man liest der so plastischen Pastellzeichnung auch den Respekt des Künstlers ab.

Zu sehen ist die Zeichnung von Sonntag an auf Haus Opherdicke. Der Kreis Unna zeigt die Ausstellung „Die Kunst – mein Leben“. Kallmann (1908–1991) malte die Mächtigen der jungen Bundesrepublik. Adenauer porträtierte er für die Galerie der Regierungschefs im Bundestag. Aber auch Bundespräsident Theodor Heuss und der bayrische Ministerpräsident Franz Josef Strauß saßen ihm Modell.

Über mangelnde Aufträge konnte Kallmann nicht klagen, obwohl er zur „verlorenen Generation“ der Künstler gehörte, die in der NS-Zeit verfemt waren. Ein Bild von ihm hing in der Schandausstellung „Entartete Kunst“ neben Werken von Emil Nolde und Franz Marc, das Gemälde „Hyäne in der Nacht“. Dabei ging es eigentlich vor allem um das Motiv: Die Nazis sahen in der Hyäne den „Juden der Tierwelt“.

Aber anders als viele Kollegen kam Kallmann nach 1945 wieder ins Geschäft, hatte zunächst eine Professur in Venezuela, ehe er heimkehrte in die Bundesrepublik, wo er als Porträtist eine Marktlücke entdeckte. In Opherdicke findet der Besucher neben den Politikern auch Bildnisse vom Dramatiker Bertolt Brecht (im Todesjahr 1956, mit gespenstisch leerem Blick), vom Komponisten Carl Orff, vom Chemiker Otto Hahn, von Schauspielern wie Tilla Durieux und Helmut Qualtinger. Und vom Papst Johannes XXIII.

Kallmann habe sich nie vom Zeitgeist beeinflussen lassen, sagt Thomas Hengstenberg, Fachbereichsleiter Kultur des Kreises Unna. Der Maler arbeitete figürlich, im Geist seiner Mentoren wie Max Slevogt und Christian Rohlfs, während die Nachkriegsabstraktion ihren Siegeszug antrat. Gewiss half dem Künstler bei seinen Auftraggebern, dass sie sich in seinen Bildnissen wiederfanden. Und die Charakterköpfe der frühen Bundesrepublik beeindrucken den Betrachter auch ein Halbjahrhundert später noch, das bewegte Inkarnat des ersten Kanzlers, das bullige Profil des bayrischen Machtmenschen.

Von Neuerungen ließ Kallmann sich nicht beunruhigen. Die rund 90 Werke der Schau belegen, wie er von den 1930er bis in die 1980er Jahre die gleichen Motive mit den gleichen Mitteln darstellte. Der Sohn eines Arztes aus Posen hatte als Jugendlicher im Tierpark Inspiration gefunden. So malte er immer wieder Tiere, zum Beispiel die monumentale „Pferdeherde“ (1939), aber auch regelrechte Porträts eines Orang-Utans (1970). Im Landschaftsgemälde „Gelbes Haus im Winterwald“ (1975) mit seinem pastosen Farbauftrag greift er Mittel des Expressionismus auf. Es gibt dekorative Stillleben. Er malte auch kranke und gebrechliche Menschen. Sein drogenabhängiger Bruder war in einer psychiatrischen Einrichtung. Kallmann war von den Patienten beeindruckt und porträtierte sie („Die Irre“, 1960).

Eröffnung Sonntag, 11.30 Uhr, bis 22.11., di – so 10.30 – 17.30 Uhr, Tel. 02301/ 918 39 72, www.kreis-unna.de,

Katalog 24 Euro

Quelle: wa.de

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