Hans Breders „Kollisionsfelder“ im Dortmunder U

Rauschhaft verfremdet: Hans Breders Video „A mother and a daughter“ (Oaxaka Mexiko, 1980) in Dortmund. ▪ Foto Gay

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Es kann einem leicht schwindlig werden, wenn man zu lange auf den blauen Kreis im schrillen Pink schaut. Er beginnt zu pulsieren, zu schwingen, zu tanzen. Die Video-Arbeit „Opsis“ (2012) von Hans Breder hat hypnotische Wirkung. Das Werk gehört zur Ausstellung „Kollisionsfelder“ im Museum Ostwall im Dortmunder U. Zu sehen sind 22 Arbeiten aus den letzten vierzig Jahren, darunter Videos, Installationen und Fotografien.

Breder, geboren 1935 in Herford, gehört zu den Pionieren der Videokunst. Bereits in den 60er Jahren, nach dem Studium der Malerei und einem Stipendium in New York, entdeckte er das Medium für sich. 1966 berief man ihn an die Universität von Iowa, wo er Zeichnen unterrichtete. Schon früh hatte er jedoch die Vorstellung, die starren Lehren aufzubrechen und Malerei, Bildhauerei, Installation, Performance, Musik, Film und Video zusammenzuführen. So gründete er 1968 das Intermedia- und Videokunst-Programm an der Universität Iowa, das er bis 2000 leitete.

Die Ausstellung präsentiert mit der Serie „Body/ Sculptures“ zehn Fotografien aus den frühen Jahren 1969 bis 1973. Körper und Raum vermischen sich, in der Spiegelung entstehen neue Körperformen. Als „lebendige Skulptur“ stand ihm die Performancekünstlerin Ana Mendieta (1948 – 1985) Modell, die damals bei Breder studierte. Mendieta taucht auch in der Videoarbeit „Ikarus“ (1974) auf. Ihr Körper fällt im Gegenlicht als Silhouette vom Himmel, ihre Arme breiten sich anmutig zu Flügeln aus. Breder gibt der mythologischen Figur eine neue Bedeutung, indem er den Sturz als freien und bewussten Sprung ins Ungewisse inszeniert.

Aber es geht Breder nicht nur um die Verbindung der klassischen Kunstgattungen, auch Anthropologie, Psycholinguistik, Literatur- und Kommunikationswissenschaften gehören für ihn zur Kunst dazu. Um die Grenzbereiche zwischen Kunst und Wissenschaft zu erforschen, förderte Breder ab den 80er Jahren internationalen künstlerischen Austausch und lud im Rahmen des „Visiting Artists Program“ der Rockefeller Foundation Künstler wie Allan Kaprow, Nam June Paik und Elaine Summers ein.

Zu dieser Zeit arbeitete er selbst an einem Genre, das er „ästhetische Ethnografie“ nannte. In seinen Videos wollte er Menschen und Kulturen in historischen Zusammenhängen dokumentieren und erforschen. Das Konzept sprengt die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit und ist heute weit verbreitet, war damals aber völlig neu. Im Film „A mother and daughter, Oaxaka Mexico“ (1980) vermischt Breder Straßenszenen und Interviews. Die grellbunt überarbeiteten Bilder verschwimmen und überlagern sich, die Stimmen klingen verzerrt, das Ganze wirkt rauschhaft wie Traumsequenzen.

Immer wieder beschäftigt sich Breder auch mit optischen Phänomen. Sein in den 60er Jahren entworfener Spiegelkubus auf einem schwarz-weiß gestreiften Podest wurde für die aktuelle Ausstellung neu angefertigt („Kubus“, 2012). Je nach Blickwinkel verändert und öffnet sich der Raum, Schatten und Lichtflächen wachsen und verschieben sich, neue Formen entstehen.

Bis 1.4., di – so 11 – 18, do, fr 11 – 20 Uhr,

Tel. 0231/ 50 24 723, www. museumostwall.dortmund.de

Quelle: wa.de

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