Hannelore Hoger im 30. Fall von „Bella Block“: „Stich ins Herz“. ins

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Bella (Hannelore Hoger, rechts) befragt Anja (Anna Schudt) unter einem Vorwand im Kindergarten. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Zwischen der Post steckt eine Karte von Simon. Bella Blocks Lebensgefährte, der sie für eine Weltreise verlassen hat, grüßt aus Südafrika. Ohne Worte verortet Hannelore Hoger den Stand der Beziehung: mit einem Knurren, in dem Ärger über Simon, Trotz und ein bisschen Neid grollen. Hoger spielt Bella Block zum 30. Mal.

Ein bis zwei Krimis pro Jahr zeigt das ZDF seit 1994, und sie ragen aus der übrigen Samstagabend-Unterhaltung heraus. Wegen Hannelore Hogers erstaunlichem Knurren, aber auch wegen anderer toller Darsteller. In „Stich ins Herz“ ist es vor allen anderen Anna Schudt als verzweifelte Hamburger Vorstadtgattin, die einen Seitensprung ihres Mannes (Sebastian Koch) verdrängt. Der großartige Film von Stephan Wagner (Regie und Drehbuch) ist ein kühles Gegenbild zu den aufgekratzten „Desperate Housewives“ aus dem US-Programm.

Bella blickt mit ihrer Freundin Margit Brettschneider (Maren Kroymann) auf ein weniger geordnetes Leben zurück als es augenscheinlich in solchen Eigenheimen wie dem der Klöckners geführt wird. Bei einer Flasche Rotwein wärmen die beiden Frauen alte WG-Verwicklungen, peinliche Männer, Saufgelage und herrliche Ferientage mit Margits Nichte Caro auf.

Diese Caro – sie studiert inzwischen in Hamburg und jobbt in einem Fisch-Imbiss – wird ermordet. Sie hatte eine Affäre mit Max Klöckner, war schwanger. Ihre Tante, bei der Caro aufwuchs, ist außer sich vor Trauer, und so beginnt Bella Block zu ermitteln. Dabei hat sie den Polizeidienst längst quittiert, ihr Ex-Assistent Martensen (Devid Striesow) darf ihr nichts sagen, der neue Dienststellenleiter (Jörg Hartmann) erteilt ihr bald Hausverbot. Bella Block ihrerseits versucht erst gar nicht, gegenüber den ehemaligen Kollegen diplomatisch zu sein. Umso feinnerviger ist ihr Einfühlungsvermögen bei den Nachforschungen.

Margit war nach Hamburg gekommen, um an der Universität eine These zu verteidigen: Sie will bei Hirnforschungen ein „Mörder-Gen“ entdeckt haben. Bella hält das für Humbug Diese rechtsphilosophische Frage ist  aber bloß eine der Beiläufigkeiten, die dieser Film locker mitführt.

Ähnlich unaufdringlich wird das Mittelstandsmilieu von Anja und Max Klöckner beleuchtet: Die Kamera (Thomas Benesch) beschränkt sich auf die halbdunklen Innenräume des Hauses, eine von zahllosen gleichförmigen Wohnschachteln der Vorortsiedlung. Ganz schmal bleibt die Perspektive auch bei Anjas Arbeit im Kindergarten, und nach Feierabend kreist das Paar beim Badminton-Doppel eng umeinander. Der soziale Status ist gediegen, die Zweisamkeit hingegen prekär.

Für den Mord haben beide ein Motiv – aber auch ein Alibi. Er war als Statiker auf der Elbphilharmonie-Baustelle unterwegs („unser Millionengrab“). Sie war im Krankenhaus: Anja Klöckner hatte sich bei einem Auffahrunfall verletzt – ausgerechnet Bella Blocks Käfer-Cabrio hat sie gerammt, nachdem sie ihren Mann mit seiner Geliebten gesehen hatte.

Das Drama des Ehepaares, das seine Enttäuschungen beschweigt und sich im Alltagskleinklein verkapselt, wird von Koch und Schudt zum Beziehungsthriller verdichtet. Nur kleine Anschlussfehler lenken manchmal ab: Die von Bella und Margit „Auf Ex!“ geleerten Rotweingläser bleiben voll. Und die Beulen in Bellas schwarzem VW-Oldtimer waren garantiert nicht von einem Tag auf den anderen behoben.

ZDF, Samstag, 20.15 Uhr

Die Vorlage

Bella Block wurde 1988 von der Autorin Doris Gercke erfunden, doch inzwischen sind Film-Figur und Roman-Ermittlerin voneinander unabhängig; Gercke hat die TV-Rechte abgegeben. Lediglich der erste Film „Die Kommissarin“ (1994) lehnte sich an einen Gercke-Roman an. Der jüngste Bella-Block-Krimi erschien 2010: „Tod in Marseille“ (Hoffmann und Campe).

Quelle: wa.de

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