Großplakate im Museum Folkwang

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Doppeldeutig und manchmal sogar informativ waren die Plakate für Kartoffelpuffer – zu sehen in Essen.

Von Ralf Stiftel ESSEN - Ein Kartoffelpuffer, knusprig goldgelb gebraten. Zwei Meter hoch macht er dem Betrachter Appetit, als Foto an der Wand. Und darüber prangt in Riesenlettern: „Keine Reiberei“. Die Plakatserie von 1975 brachte Pfanni einen sensationellen Umsatzanstieg. Und ließ im Anschluss den Umsatz der Plakatbranche um 20 Prozent wachsen. Manchmal lohnt sich Reklame.

Das deutsche Plakatmuseum im Essener Museum Folkwang besitzt mehrere Tausend Großplakaten. Rund 500 sind auf Leinwand aufgezogen, so dass man sie museal präsentieren kann. In der Ausstellung „Think Big“ bietet das Institut einen wunderbar nostalgischen Ausflug in die Geschichte des Konsums. Sein Lieblingsmotiv der Kartoffelpuffer-Kampagne kann Kurator René Grohnert nicht zeigen. „Das jüngste Gericht“ fehlt in der Sammlung.

Die Pfanni-Plakate der Düsseldorfer Agentur GGK löste einen Boom aus. So stammen die 23 Plakate der Schau aus der Hochzeit des Mediums, den 1970er und 1980er Jahren. Damals wurden die Plakate eigenständig gestaltet. Außenwerbung hat auch heute noch einen großen Stellenwert in Deutschland, mit mehr als 150 000 Großflächenstellen. Aber die Plakate werden dem Werbekonzept eingepasst, das heißt, sie setzen Kampagnen aus Fernsehen und Presse fort.

Vielleicht verklärt die zeitliche Distanz den Eindruck, aber die Plakate der Essener Schau scheinen inspirierter als das, was man heute erblickt. Der Kartoffelpuffer mit dem Wortspiel findet sein Echo in einer Unterhosenwerbung, ebenfalls von GGK, die über den drei Meter breiten Herrenslip texten: „Ganz Paris träumt von der Hose.“ Eminence war eine französische Modemarke. Einen Gruß der Hippie-Ära verbreitet das Plakat von Sinalco Kola: „Schöne Grüße an den Durst!“ Aus einer 2CV Ente lacht eine junge Frau, die umgeben ist von Aufblaspuppen – einem Werbeartikel der Brauseproduzenten. Schmunzeln lässt eine Serie von IBM: „Ab 22.374,- incl. MwSt.“ steht über einem klobigen Gerät. Damit kostete der Tischcomputer zwar fast soviel wie vier Autos. Aber die Hersteller hielten den Preis trotzdem für so günstig, dass sie damit warben.

Die Plakate im 18/1-Format sind Meisterwerke der Druckkunst. Das riesige Format von 252 mal 356 cm verzieh nicht den kleinsten Fehler. Das Plakat „Taille 59. Hüfte 88. Creme 21.“ zeigt den Bauch einer jungen Frau mit einem weißen Cremeklecks. Es ist Ergebnis eines langen Produktionsprozesses, bei dem viele Stellen für den Klecks ausprobiert wurden, bei dem Konturen begradigt, Hautunreinheiten und Schamhaar wegretuschiert wurden, um Erotik, aber auch Reinheit zu vermitteln. Im Katalog ist die Fertigung mit zusätzlichen Bildern dokumentiert.

Bis 28.9., di – so 10 – 18, fr bis 22 Uhr, Tel. 0201/ 88 45 444, www.museum-folkwang.de,

Katalog, Steidl Verlag, Göttingen, 20 Euro

Quelle: wa.de

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