Die „Große“ Kunstausstellung in Düsseldorf

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Sensibel und sinnlich: „Selbstporträt-Koffer“ von Kwang-Sik Im, zu sehen im Museum Kunstpalast Düsseldorf. ▪

Von Achim Lettmann ▪ DÜSSELDORF–Sie fällt aus dem Ausstellungsprogramm der NRW-Kunstszene etwas heraus – „die Große“ in Düsseldorf. Es gibt sie seit 110 Jahren, und sie wird von Düsseldorfer Künstlern für Künstler organisiert. Und damit sie nicht zu groß und gar zu beliebig wird, hat der Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen das Konzept verbessert. Die 134 Positionen, die unter 650 Künstlern ausgewählt wurden, bieten ein Angebot zeitgenössischer Malerei, Skulptur, Fotografie, Grafik und neue Medien auf hohem Niveau.

Nirgendwo im Museum Kunstpalast gewinnt man den Eindruck, hier ist noch schnell was an die Wand gehängt worden... Konzessionen für Kollegen. Nein, Michael Kortländer vom Verein setzt auf junge Kunst, also wirklich Aktuelles. Gleichzeitig unterstreicht Kortländer die Tradition. Bereits Auguste Rodin und Paul Cézanne hätten zu ihrer Zeit an der „Großen“ teilgenommen, sagt er. Bestand hat auch, dass die Werke zu kaufen sind, und der übliche Aufschlag für Galeristen entfällt. So bietet die Ausstellung Jahr für Jahr Gelegenheit, Kunst günstiger zu erwerben.

Diesmal liegt der Schwerpunkt auf Malerei. Zum Beispiel zeigt der Koreaner Kwang-Sik Im ein Paar, das ganz sinnlich entrückt beieinander liegt. So innig die Pose der beiden auch ist, sensibilisiert der Künstler doch ein Verletztsein mit seinem großen Hochformat. Denn Kwang-Sik Im malt die Haut – ein klassisches Thema der Kunst – wie eine zarte Landschaft, deren Oberfläche dünn und verwundbar erscheint. Das Bild „Selbstporträt-Koffer“ ist somit unergründlich, anmutig und empfindsam. Viel kleiner fällt dagegen eine Serie von kombinierten Arbeiten Andreas Bischoffs aus. Seine Bildausschnitte erinnern an Polaroid-Fotos. Dabei hat der Düsseldorfer Künstler feine Duoton-Tafeln mit Acrylfarbe geschaffen. Die „Sichtfenster“ verbinden abstrakte Gestaltfindungen mit Begriffen aus der Pflanzen- und Maschinenwelt („sx-70, Brennende Liebe“). Bischoff malt geheimnisvolle Assoziationsfelder.

Zwar gibt es in diesem Jahr weniger Fotografie in „der Großen“ zu sehen, aber die Preise gehen an die Fotoarbeiten von Walter Vogel (5000 Euro) und Nina Brauhauser (Förderpreis). Der Düsseldorfer Vogel, Jahrgang 1932, wird wegen seiner dokumentarisch grundierten Fotokunst gefeiert. Schnappschüsse aus dem Ruhrgebiet zählen dazu, Performances von Joseph Beuys, wie die Szenen aus italienischen Café-Bars, die auch in Kalender-Serien publiziert sind.

Die Ausstellung öffnet sich nun auch international. Zehn Künstler aus Palermo (Sizilien) werden im Eon-Gebäude gleich nebenan präsentiert. Die Werke aus dem Süden erinnern daran, dass die Düsseldorfer Malerschule immer ein Anziehungspunkt für Künstler war. Gleichzeitig ist und bleibt das mediterrane Licht für deutsche Maler ein Lockstoff. In diesem Jahr finden sich außerdem Arbeiten von Düsseldorfer Akademiestudenden aus der Klasse des Bildhauers Richard Deacon. Und persönliche Entdeckungen kann jeder selbst machen. Das „Gürteltier“ von Konstantin Lange zählt vielleicht dazu. Oder die gewichtige Metallstele „Trilobit“ von Ulrich Hassenpflug. Immer in Bewegung.

Bis 18. März, di-so 11 bis 18 Uhr, do bis 21 Uhr.

http://www.diegrosse.de

Quelle: wa.de

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