Grafik von Salvador Dalí auf der Kolvenburg Billerbeck

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Die Lithografie „Madonne“ aus dem Zyklus „Don Quichotte“ (1956/57) von Salvador Dalí, zu sehen in der Kolvenburg Billerbeck. ▪

Von Achim Lettmann ▪ BILLERBECK–Salvador Dalí war ein Maltechniker, der mit Farbe risikobewusst umging. Neben seinen surrealen Welten und opulenten Bildräumen ist diese Eigenschaft vor allem im grafischen Werk des Spaniers ablesbar.

Beispielsweise beschoss Dalí Lithoplatten mit kleinen Nägeln. Die flächigen Einkerbungen dabei erinnerten ihn an Raffaels Gemälde „Sixtinische Madonna“. Die Grafik nannte er „Madonne“ (1957) und widmete sie seiner Muse Gala. Das Bild zählt zu dem Zyklus „Don Quichotte“ (1956/57), und die explosive Wucht dieser Farbtechnik ist dem Blatt anzusehen. Die Folge in Rot, Orange und Gelb erinnert sogar an Comics, in denen Detonationen in ähnlichen Farbstaffeten gezeichnet sind. Derzeit ermöglicht eine ungewöhnlich umfangreiche Ausstellung des Kreises Coesfeld den Blick auf „Salvador Dalí. Das grafische Schaffen“. Rund 240 Blätter einer Privatsammlung sind in der Kolvenburg in Billerbeck zu sehen.

Dass grafische Arbeiten Dalís unter Vorbehalt betrachtet werden, lässt sich nicht ganz ausschließen. Denn der Spanier (1904-89) arbeitete mit hohen Auflagen, und nachweislich sind zahlreiche Motive in Umlauf gekommen, mit denen der extrovertierte Malerstar wenig bis gar nichts zu tun hatte. In Billerbeck werden allerdings grafische Reihen aus der Sammlung Heinz Ess präsentiert. Die Eltern des Sammlers hatten bei Barcelona in Figueres, Dalís Geburtsort, ein Stück Land erworben, das an das Eigentum des Künstlers stieß. Die folgenden Grenzstreitigkeiten konnten beigelegt werden, weil Dalí nicht mit Geld sondern mit seinen Grafiken die Probleme löste, erklärt Kunsthistorikerin Reinhild Mackowiak vom Kreis Coesfeld.

Salvador Dalí, der erst spät zur Grafik kam, bezeichnete seine expressive Technik als „Bouletismus“. Er schoss mit einer Büchse Farbbeutel auf die verschiedenen Druckplatten. Auch das Blatt „Das goldene Zeitalter“ aus der Cervantes-Serie zeigt rote Spritzer, die den pathetischen Ernst der typischen Landschaftsmalerei des 16./17. Jahrhunderts ironisch unterwandern.

In der Kolvenburg sind immer wieder überraschende Details in Dalís Werken zu entdecken. Seine zwölf Holzschnitte zu „Alice im Wunderland“ (1969) sind der reinste Farbenrausch. Außerdem bereichert er die literarische Vorlage mit seinem Formvokabular, wie eine schmilzende Uhr mit Teegeschirr. Bereits 1962 hat Dalí Fotos übermalt. In Billerbeck findet sich die Arbeit „Die Büste von Voltaire ist überall anwesend, außer da, wo sie sich befindet“. Das Gesicht des Philosophen erscheint zwischen Weinreben vor einem mediterranen Haus. Herrlich fantasievoll sind die Tier- und Menschenwesen in der Druckfolge „Visionen“ (1975). Ein Pferd aus rosa Knochen ist zu sehen, ebenso wie ein absurdes Knochengestänge, an dem das Gesicht eines Denkers baumelt.

Ob die „Suche nach dem Gral“ (1975), die sachlich beim Ritterthema bleibt, oder die Illustrationen zu Dante Alighieris „Göttlicher Komödie“ (um 1950), die Blätter sind ein Vergnügen. Boccacios „Decamerone“ (1972) ist mit geschwungener Linien sehr erotisch. Goyas „Los Caprichos“ (von 1799) hat Dalí 1977 überarbeitet – in Bild und Text.

Bis 2. September; di-sa 13 bis 18 Uhr, so 10 bis 13 und 13.30 bis 17.30 Uhr; Tel. 02543 / 1540; http://www.kolvenburg.de

Quelle: wa.de

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