Grafik und Plakate von HAP Grieshaber im Folkwang Museum Essen

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Knochenmann in Farbe: HAP Grieshabers „Baseler Totentanz (Kirbepfeifer)“ (1966), zu sehen in Essen. ▪

Von Achim Lettmann ▪ ESSEN–„Ich werde nie aufhören, Bücher und Einblattdrucke zu machen, um unsere Welt zu verändern“, sagte HAP Grieshaber und unterstrich damit seine Absicht, mit der Kunst in die Gesellschaft zu wirken.

Der junge Helmut Andreas Paul Grieshaber (1909–81) erduldete ab 1933 ein Berufsverbot in der NS-Zeit, er musste 1940 in den Zweiten Weltkrieg und kam gesundheitlich gezeichnet aus der belgischen Kriegsgefangenschaft 1947 zurück. Fortan richtete er seine Kunst gegen Unterdrückung und Krieg, für Menschlichkeit und persönliche Freiheit.

Im Essener Museum Folkwang werden erstmals die druckgrafischen Serien Grieshabers zusammen mit den Plakaten ausgestellt, die der Künstler zwischen 1965-72 entworfen und gestaltet hatte. Offensichtlich wird, dass Grieshaber die Motive seiner Holzschnitte für die Plakatkunst genutzt hat: körperhafte Details der Figuren auf den alten Holzstöcken wurden neu verwandt; oder Struktur-Bilder entstanden mit Hilfe motivischer Neukombinationen. Hunderter bis fünfhunderter Auflagen wurden seinerzeit gedruckt. Die Ausstellung „HAP Grieshaber. Serien und Plakate“ bietet nun 90 Druckblätter und 30 Plakate in Farbe.

Die Schau dokumentiert ebenfalls ein Stück Sammlungsgeschichte im Museum Folkwang. Die Grafische Abteilung besitzt ein Exemplar der zentralen Serie Grieshabers, dem „Baseler Totentanz“ (1966). Von der vierziger Auflage (auf Japanpapier) war seinerzeit eine Mappe angekauft worden. Die Plakate des Künstlers kamen in den 70er Jahren ins Deutsche Plakat Museum nach Essen. 90 Exemplare sind vorhanden. Mittlerweile werden beide Sammlungen im Neubau des Museum Folkwang vorgehalten. Den „Baseler Totentanz“ – ein Zwiegespräch des Knochenmanns mit seinen Opfern in 40 Bildern – hat Grieshaber leicht modernisiert. Doktor im Operationssaal, Kaufmann mit Telefon sowie die Jungfrau und der Kirbepfeifer (Musiker, der zu religiösen Festen aufspielte) sprechen mit dem Tod. Die Motive gehen auf ein Büchlein von 1470 zurück. Es dokumentiert die Bilder „Todtentanz der Stadt Basel“ von der Friedhofsmauer des Dominikanerklosters, die 1805 zerstört wurde. Grieshaber erhielt ein Bändchen geschenkt, weil er 1965 Vorlesungen in der Stadt gehalten hatte. Er ließ seine Serie an der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst drucken. Zeitgleich wurden sie in Leipzig und in Essen ausgestellt. Grieshaber verwirklichte das Kunstprojekt in Ost und West. Er beanspruchte für seine künstlerische Entfaltung den ganzen geografischen Raum Deutschlands und wollte sich durch den politischen Status Quo des Kalten Krieges nicht gängeln lassen. Mehrere Druckauflagen, als Mappen- und Buchausgaben, sorgten für die Verbreitung seiner Kunst, die in Ost- und West-D-Mark erschwinglich war. Außerdem erlaubte Grieshaber politischen Gruppen, die wie er gegen die Diktaturen in Chile und Griechenland eintraten sowie gegen den Vietnam-Krieg protestierten, sein Bildprogramm für Handzettel und Plakate zu übernehmen.

Grieshaber hat die Tradition des Holzschnitts in der deutschen Kunst (Expressionismus) nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegriffen und vor allem mit einer strahlenden Farbigkeit und erzählerischen Dichte aktualisiert. Die Serien „Dem Feuervogel“ (1961), „Baumblüte“ (1963), „Camina Burana“ (1965) und „Polnischer Kreuzweg“ (1967) belegen ebenfalls seine Meisterschaft.

Bis 3. April; di-so 10 bis 18 Uhr, fr 10 bis 22.30 Uhr; Katalog Edition Folkwang/Steidl 34 Euro; http://www.museum-folkwang.de

Quelle: wa.de

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