Grafik von Georges Braque im Kunstmuseum Ahlen

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Gestaltete Freiheit: Georges Braques Blatt „Vogel auf karminfarbenem Grund“ (1958), zu sehen in Ahlen. ▪

Von Marion Gay ▪ AHLEN–Der Vogel ist ein dunkler Schatten auf dem Rot. Eine dicke Linie umschließt ihn, hält seinen Flug auf dem Blatt fest. Das Bild „Vogel auf karminfarbenem Grund“ (1958) gehört zum Spätwerk von Georges Braque und ist eins von rund 150 Werken des französischen Künstlers, die das Kunstmuseum Ahlen präsentiert. Die Werkschau konzentriert sich mit Ausnahme weniger Keramiken auf Druckgrafik.

Das Besondere an der Schau in Ahlen ist, dass die Werke nicht aus einer Galerie kommen, sondern im Besitz eines Privatmannes aus Paris waren, der seine Sammlung von Jugend an systematisch aufbaute. Möglich war ihm das durch die Freundschaft mit einem der Drucker, der für Braque arbeitete und, so wie noch immer üblich, eine kleine Anzahl von Druckexemplaren als eine Art Altersvorsorge für sich behalten durfte. Heute gehört die Sammlung der Sparkasse Münsterland Ost, die die Werke seit 2004 dem Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster zur Verfügung stellt. Dort wurden sie bereits 2003 der Öffentlichkeit gezeigt.

Braque (1882–1963) gehört zu den wichtigsten Malern der französischen Moderne. Mit Picasso begründete er 1908 den Kubismus. Die Ausstellung reflektiert Braques künstlerisches Schaffen beginnend mit Stillleben aus den 20er Jahren bis hin zu Grafiken aus dem Malerbuch „René Char: Lettera amorosa“ von 1963 wie zum Beispiel die blaue Blume auf blauem Grund, die wie ein Propeller wirkt. Das Malerbuch hat in Frankreich eine lange Tradition. Anders als beim Bilderbuch werden Gedichte oder Geschichten nicht illustriert, ordnet sich das Bild nicht dem Text unter, sondern steht gleichwertig daneben. So fügt Braque der Schrift „Die Freiheit der Meere“ von Pierre Reverdy (1959) dunkle Formen hinzu, die an Kraken und Quallen erinnern, gleichzeitig aber auch Vögel sein könnten.

Zeitlebens widmete sich Braque neben der Malerei ausgiebig der Druckgrafik. In thematischen Serien entstanden meist farbige Lithografien, Radierungen und Holzschnitte, in denen der Künstler seine Motive stark reduzierte. Dabei blieb er seinen Themen über all die Jahre treu und bearbeitete vor allem Stillleben, Figuren aus der griechischen Mythologie und Vögel im Flug, von denen es unzählige Variationen gibt. So ist „Der Vogel im Blattwerk“ (1961) ein schwarzer Umriss auf Zeitungspapier, gefangen in einem grünen Kreis, während die Grafik „Der Feuervogel“ (1958) einen weißen Vogel auf schwarzem Grund zeigt, hinter ihm leuchten orangene Strahlen. Auch das Motiv der Teekanne taucht immer wieder auf: mal grob skizziert auf grauem Grund (1946), grau inmitten von Schwarz (1947) oder in Kombination mit Zitronen (1949). Die Grafik „Helios“ (1948) ist in fünf unterschiedlichen Zuständen zu sehen, angefangen beim ersten Druck, der lediglich diffuse dunkle Flächen zeigt, bis hin zum leuchtenden, mehrfarbigen Bild, das den Sonnengott auf seinem Wagen zeigt. Stolz in seiner sternenübersäten Rüstung lenkt er die Pferde.

Eröffnung Sonntag, 7. November, 11 Uhr, bis 6. Februar 2011

di – fr 14 – 18, do bis 20, sa, so 11 – 18 Uhr,

Tel. 02382/ 91830

http://www.kunstmuseum-ahlen.de

Katalog 29,80 Euro

Quelle: wa.de

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