GOP-Varieté Münster zeigt „Waschsalon“

Meister der Seifenblasen: Darren Burrell während der Show „Waschsalon“ im GOP in Münster.

MÜNSTER - Es ist ein Kinderspiel. Die schillernde Lauge dehnt sich, wölbt sich und stülpt sich um Luft. Kleine Seifenblasen umschwirren Darren Burrel wie übermütige Insekten, die in den Farben des Regenbogens glitzern und funkeln. Blaumann und Sakko hat sich der Herr im karierten Tweed mit Bowler Hat bereits entledigt. Seine Hände greifen in den Laugentopf. Finger geben den Rahmen, durch den Burrel Blasen pustet. Mit Spitzbart und Nickelbrille wirkt er dabei wie ein aus der Zeit gefallener britischer Professor, selbstvergessen im Spiel mit der Schwerkraft. Aus den Blasen werden Lebewesen. Die einen leichtfüßig und irrlichternd, die anderen, mit Hilfe einer E-Zigarette mit Rauch befüllt, wabern schwerfällig in den Raum, wirken wie außerirdische Lebensformen. In der neuen GOP-Show „Waschsalon – Ein Kessel Buntes“, die Regisseur Ulrich Thon in Münster inszeniert, ist Burrels Blasen-Spektakel ein Höhepunkt.

Die Künste ausgezeichneter Artisten in eine launige Rahmenhandlung zu betten, die stets hinter den einzelnen Nummern zurücktritt, ist das Wesen der GOP-Shows. Thon lässt die Künstler zwischen und auf Waschmaschinen agieren. Ein Ort voller Geschichten, die an diesem Abend jedoch nur zaghaft angedeutet werden. Zu zaghaft, als dass sich daraus ein stimmiges Konzept ergeben könnte.

Mittelpunkt des Waschsalons als Ort der Begegnung ist Sibongile Prudence Mtshali in der Rolle der Ladenbesitzerin. Als Sängerin und Choreografin der Show „Mother Africa“ tourte Mtshali bereits durch Europa. Mtshali versprüht in Münster gute Laune und greift gleich zu Beginn zum Mikrofon, um die Show mit Life-Gesang voranzutreiben. Das klingt stimmgewaltig und jeder Tanz- und Steppschritt sitzt. Die zunächst geweckte Erwartung einer Show im Musical-Stil wird nicht erfüllt. Es bleibt bei sporadischen Einspielern.

Und die sind nicht immer glücklich platziert: Mohamed Tadei macht mit seiner waghalsigen Akrobatik im Handstand und beim Rola Rola bangen und hoffen. Wenn Mtshali sich schwärmerisch dazu gesellt und live „African Dream“ singt, fragt man sich schon, warum.

Die Verbindungen der Figuren untereinander bleiben im im Dunkeln. Tadei als Techniker nimmt Waschmaschinen auseinander und wurde zudem als Vater eines schreienden Babys eingeführt. Da kommt die Schwärmerei Mtshalis überraschend, wird aber auch nicht weiterverfolgt. Rätselhaft ein unvermittelt auftauchender Brief, den Mtshali zum Anlass für einen wirbelnden Tüchertanz nimmt. Immerhin Effekthascherei, die glückt: In den Fenstern der Maschinen spiegeln sich die wirbelnden Tücher und erzeugen den Eindruck rotierender Waschtrommeln.

Claudia Coco Baricz gibt eine holzschnittige Proleten-Rebellin, indem sie zwei Mal mit Wucht ihre Sachen auf den Boden donnert. In den Disziplinen Kontorsion und Luftwürfel überzeugt sie mit Präzision und atemberaubender Gelenkigkeit. Auch die übrigen Artisten verstehen ihr Handwerk und legen eine hohe Perfektion an den Tag. Ihre Nummern bleiben allerdings seltsam uneingebunden in die Handlung, die so kaum Dynamik entfaltet.

Tom Murphy gelingt es als Komiker, ein Kapitel auszuerzählen. Als Anzugträger, der im Waschsalon fremdelt, erst recht, nachdem er sich bis auf die Unterhose ausgezogen hat – das ist ein Puzzleteil, das sich ins Gesamtbild fügt und es vervollständigt. Natalia Krivonos gibt die männergeile Diva, die die Krallen in Tom Murphy schlägt, und kombiniert das wunderbar mit ihrer Quick-Change- und Antipoden-Nummer. Eine Episode, die ahnen lässt, was möglich gewesen wäre.

Hängt Herr Benedict in den Seilen (Strapaten) oder im Cyr Wheel, ist das circensiche Perfektion. Zwar wird er als Packer vorgestellt, der Waschmaschinen hin- und herschiebt, aber letztlich bleiben seine Nummern losgelöst vom Waschsalon-Thema. Gleiches gilt für Vivian Spiral, deren Hula Hoop-Nummer (ab 4. August besetzt von Asha Mohamedy) überzeugt.

So ist die Show eine Aneinanderreihung ausgezeichneter Darbietungen.

Bis 2. September; Tel. 0251/490 9090; www.variete.de/muenster

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