Götz Alsmann startet „Broadway“-Tour

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Götz Alsmann auf der Bühne des Dortmunder Konzerthauses.

Von Ralf Stiftel DORTMUND - Die bonbonfarbenen Sakkos haben sie sich schneidern lassen am Broadway, erzählt Götz Alsmann. Ein Erfolg. Die Bauarbeiter hätten ihnen nachgepfiffen und gefragt, ob denn schon wieder Christopher Street Day sei. Mit solchen Geschichten hat der Sänger aus Münster das Publikum auf seiner Seite. Mit den bewährten Jazz-Schlagern, die er lässig präsentiert, sowieso. So war auch der Start seiner aktuellen Tournee im knackevollen Konzerthaus Dortmund ein voller Erfolg.

In den legendären Sear-Sound-Studios in New York entstand das aktuelle Album „Broadway“ (Blue Note/Universal). Es setzt das Konzept fort, das Alsmann 2011 mit „In Paris“ entwickelte. Nun also 18 Klassiker vor allem aus Musicals von Cole Porter, George Gershwin, Richard Rodgers und anderen, die der Fan kennt, weil von Frank Sinatra bis John Coltrane die Großen des Jazz sie schon interpretiert haben. Nur dass Alsmann sie mit deutschen Texten singt, die in den 1950er, 1960er Jahren für den hiesigen Markt geschrieben wurden. Eine musikarchäologische Fundpräsentation, die manches ans Licht holt, was zu Unrecht vergessen wurde.

Auf der Platte ist das liebevoll instrumentierte Unterhaltungsmusik, perfekt gespielt und instrumentiert mit Mandoline, Hammond-Orgel und Akkordeon. Im Konzert konzentrieren sich Alsmann und seine vier vorzüglichen Begleiter auf das Kerngeschäft. Der Chef selbst spielt auf charakteristische Art Piano, mit knappen Soli, die eine gewisse Nähe zum Hardbop aufweisen. Hauptsolist ist Altfrid Maria Sicking an Vibraphon, Marimba und Trompete. Und Michael Ottomar Müller (Bass), Rudi Marhold (Schlagzeug) und Markus Passlick (Perkussion) sorgen für ein herrlich wandelbares Rhythmusgerüst, das im einen Moment knackig swingt, dann in zackigen Cha Cha Cha oder in sentimentale Rumba wechselt.

Diese Band ist jeder Herausforderung gewachsen. Im Titel „Broadway“ zitieren sie Klassiker wie Ellingtons „Take The ,A’ Train“. Dem Standard „My Favourite Things“ (Meine kleinen Schwächen) verpasst Alsmann ein Vorspiel à la Play Bach, zwischendurch setzt Sicking an der Marimba zickige Kirmesorgel-Akzente. Das überlädt das Stück fast, aber es zeigt auch, wie perfekt diese Combo eingespielt ist. Und wenn sie dann wieder im Dreivierteltakt swingen, ist alles wieder gut. Nicht so glücklich dürften Fans mit der Übersetzung von „My Funny Valentine“ in einen Paso Doble sein. Der poetischen Melodie bekommt der Tanzstundentakt nicht gut.

Aber auch dafür steht Alsmann: Mehr ist mehr. Er fabuliert von Café-Erlebnissen und Studio-Träumen aus New York. Er erinnert sich an Big Bobby Bingo, der 1965 in Münster die Otto-Versand-Modenschau musikalisch begleitete. Er besetzt das Musical „My Fair Lady“ mit seinen Musikern – und Passlick schlägt die Hände vors Gesicht, weil für ihn die Eliza übrig bleibt. Damit wickelt er die begeisterungsfähigen Zuschauer um den Finger.

Auch musikalisch stimmt ja vieles, zum Beispiel in Nat King Coles „Nature Boy“, das Alsmann unter dem Titel „Ein Wandersmann“ als knackigen Cha Cha Cha spielt. Oder in „Das Lied der Einsamkeit“, das zu einer hübschen Bossa Nova mutiert. Im mitreißenden „Was immer Lola will“, mit dem die fünf das Konzerthaus geradezu rocken. In Porters „C’est magnifique“ steigern sie sich in die Staccato-Rhythmen, mit denen schon Lionel Hampton Hallen zum Kochen brachte.

Die 18 Titel des Albums kommen in gut zwei Stunden zum Vortrag. Wen wundert es, dass eine Zugabe fällig wird? Alsmann kommt mit der Ukulele und dem deutschen Cowboy-Song „Leise rauscht es am Missouri“, ehe dann die Band folgt.

Alsmann erfindet sich mit diesem Programm nicht neu. Stattdessen führt er fort, was seinen Erfolg ausmachte: Er singt unterhaltsame, leichte, aber nicht dumme Lieder, begleitet von einer Top-Band.

Zwei Jahre lang geht Alsmann mit „Broadway“ auf Tour, 200 Konzerte in Köln, Bremen, München ebenso wie in Soest (22.11., nur noch wenige Restkarten), Lippstadt (12.2.15), Werl (7.3.15), Iserlohn (8.5.15, ausverkauft), Münster (31.10.15).

www.goetz-alsmann.de

Quelle: wa.de

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