Glaskünstler stellen ihre Arbeit im Landtag aus

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Lebensfrohe Glaskunst im Düsseldorfer Landtag: „King and Queen“ von Stanislaw Jan Borowski.

DÜSSELDORF - Da stehen sie nun. „King and Queen“ von Stanislaw Jan Borowski. Das Paar ist aus farbigem Glas und strahlt eine poppige Lebensfreude aus. Krone, Kragen und Frisuren ergänzen die Glasfiguren, die aus einer Ausgangsform geschaffen sind. Sie wirken ein bisschen süß und kitschig, aber gleichzeitig wecken sie das Interesse für den Werkstoff, der matt und farbig schimmert.

Darum geht es den 23 Künstlern, die 63 Kunstwerke aus Glas in der Wandelhalle des Düsseldorfer Landtags ausstellen. Sie wollen mehr Aufmerksamkeit. Gleichzeitig feiert die Glaskünstlervereinigung NRW ihren 15. Geburtstag.

Glas soll nicht nur als Material wahrgenommen werden, aus dem Kulturgegenstände geformt wurden. Schon im alten Mesopotamien 4000 Jahre vor Chr. ist Glas nachweisbar. Die Ausstellung „Transparenz im Landtag“ präsentiert Arbeiten, die zu künstlerischen Positionen finden. Jörg Hanowski hat ein filigranes Objekt aus Röhren geschaffen. Er nennt es „Organsystem 1“ und erinnert damit an Verästelungen wie an die Strukturen des Lebens. Während diese Arbeit auf die Zerbrechlichkeit des Werkstoffes anspielt, nutzen Elisabeth Brosterhus und Burkhard Meyer die flüssige Konsistenz des Glases. In der Glashütte lassen sie mit einem Werkzeug heißes Glas auf ein Bild tropfen. Das Triptychon „o.T. (branding_S2-1-3, 3teilig)“ weist Brandmale im Bildgrund auf. Vor allem aber wird Glas zum körperhaften Stoff, der als dreidimensionales Lineament die Struktur des abstrakten Bildes aufnimmt und erweitert. Hier ist auch das Malerische gemeint.

Carmelo López interessiert sich ebenfalls für ein klassisches Sujet der Kunst. Der Spanier schafft menschliche Figuren, die bläulich schimmern. „Weitblick II“ zeigt eine Figur, die ungezwungen – vielleicht kindlich naiv – auf einem Holzblock sitzt und in die Ferne schaut. Das durchscheinende Material verleiht der Pose etwas Transzendentes. Martina Zilles arbeitet auch plastisch, setzt aber auf verschiedene Oberflächen. Für „egg No 2“ hat sie das runde Glasobjekt gefused. Das heißt, dass das Glas erhitzt wird, so dass es Verbindungen eingehen kann.

Michaela Maria Möller trifft mit ihrer Kunst eine gesellschaftliche Aussage. Die Wandinstallation „Fenster zum Hof“ zeigt ein frühlingshaftes Landschaftsbild aus Glas. Wer das Fenster öffnet, klappt das idealisierte Motiv beiseite, und schaut auf die Schwarzweißfotografie einer tristen Häuserfassade. Die Fenster sind mit Steinen zugemauert. Möller gelingt ein reizvolles Spiel, das einerseits die Ödnis mancher Architekturruine anspricht, aber gleichzeitig auch die illusionistische Kraft des Glases hinterfragt. Torsten Rötsch hat als gelernter Glasmacher zahlreiche Vasen, Krüge, Becher und Kannen aus Schwarzglas geblasen. Für die Installation „Zivilisation“ stellt er diese Grundformen des Alltagsglases zusammen, um eine Analogie zu Stadtbildern herzustellen. Eine urbane Skyline aus Gebrauchsgegenständen. Für Michaela Swade ist Glas nur der kleinste Teil ihrer plastischen erzählerischen Arbeit. „Freiheit“ nennt sie ein großes Vogelnest mit fünf einzelnen Federn aus Glas. Der Vogel hat das Nest verlassen, ist ihre Aussage, er ist frei. - Achim Lettmann

Bis 29.5., mo – do 9 – 16 Uhr, Anmeldung unter Tel.: 0211 /884 21 29, veranstaltungen@l andtag.nrw.de

Quelle: wa.de

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