„Ghost Stories“ ist das sechste Studioalbum der britischen Band Coldplay

Drei von Coldplay: Bassist Guy Berryman, Sänger Chris Martin und Gitarrist Jonny Buckland (von links). - Foto. dpa

Von Frank Osiewacz „Ich denke an dich, ich habe nicht geschlafen“: Das sind die Zeilen, mit denen Coldplay-Frontmann Chris Martin das sechste Studio-Album eröffnet. Man muss kein Psychologe sein, um in den folgenden knapp 43 Minuten mitzufühlen, dass sich „Ghost Stories“ (Warner) im Wesentlichen um Vergangenheitsbewältigung und das Ankommen in einer neuen Gegenwart dreht. Es geht um Liebe, Schmerz und Selbstfindung, weniger um ein musikalisches Feuerwerk.

Durch und durch glückliche Menschen schreiben andere Alben. Kein Zweifel, dass der 37-Jährige damit auch die Trennung von seiner Frau Gwyneth Paltrow verarbeitet. Dennoch steht am Ende so etwas wie eine Katharsis: Hoffnung und die „freudige Erkenntnis, dass alles gut wird“. So beschreibt es Martin selbst in einem langen, exklusiven BBC-Interview.

Nach dem in Neonfarben und bunten Konfetti-Regen gehüllten Vorgänger „Mylo Xyloto“ kommt „Ghost Stories“ nachdenklich und zurückhaltend daher, trägt sogar weitgehend Trauer. Sieben Stücke vergehen, bis sich in „A Sky Full Of Stars“ dann doch noch Lebensfreude und Erleichterung in hemmungslosen Disco-Dance-Beats Bahn brechen.

Die Band stehe eng zusammen, sagt Martin im Interview. Die Chemie stimme. In der Vergangenheit habe Coldplay all die typischen internen Konflikte durchlebt, doch das sei überwunden. „Wir haben viele Songs geschrieben, aber am Ende sollten es genau diese sein“, sagt Martin. Gewissermaßen als eine Reise durch das Leben. „Ghost Stories“ sind die Geister der Vergangenheit. „Die Frage ist, wie diese Geister die Gegenwart beeinflussen und wie man mit ihnen umgeht. Ob ich weglaufe oder mich öffne und mehr Lebensfreude habe.“

Coldplay sprechen viel von Liebe und Schmerz. So auch auf der Singleauskopplung „Magic“. Mit textlicher und musikalischer Sachlichkeit beschreibt die Band die Magie, die einer Beziehung innewohnt. Trotz aller innerer Zerrissenheit bleibe am Ende ein Zauber, singt Martin. „Das Leben ist nicht schwarz-weiß“, kommentiert er seine Textzeilen gegenüber der BBC. „Ich kann einen Menschen nicht entweder nur lieben oder hassen. Auch in einer Beziehung gibt es wie im restlichen Leben viele Herausforderungen und Konflikte. Trotzdem kann ich den anderen lieben.“

„Ghost Stories“ ist ganz und gar nicht das von vielen erhoffte endlose Feuerwerk, das ein Stadion zum Kochen bringt. Dafür ist es ein Pop-Album, das eine Intimität und Gefühlsdichte offenbart, wie sie bei Coldplay so am Stück noch nicht zu hören war. Vorbei sind die Zeiten markanter Gitarrenriffs. Stattdessen wirkt das Album, das in erster Linie unter der Regie von Produzent Paul Epworth (u.a. Adele, Paul McCartney, Bruno Mars) entstand, eher wie eine virtuelle Soundwelt.

Ob das dem Publikum gefällt? „Was andere sagen, interessiert mich nicht“, sagt Chris Martin. Das ist keineswegs arrogant gemeint, sondern bedeutet einfach, dass Martin im Reinen ist mit dem Ergebnis. „Es ist wie mit dem Besuch eines Fitness-Studios: Man drückt sich mit allen Mitteln davor. Geht man dann doch, fühlt man sich am Ende gut. So ist es mit dem Album: Wir mussten da durch. Es sind 42 Minuten emotionale Tretmühle – und am Ende geht es uns besser.“

„Ghost Stories“ endet mit „O“, einem verträumten, sehnsuchtsvollen Blick Richtung Zukunft. Die dreiminütige Ruhepause innerhalb des Songs wirkt wie eine Phase der Kontemplation. Martin hat sich die Ruhe dafür genommen. Am Ende steht die Hoffung, dass er mit den Geistern der Vergangenheit umzugehen weiß.

Quelle: wa.de

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